Rudi Kargus, »Schlachten« (Öl auf Leinwand, Triptychon)
Rudi Kargus, »Schlachten« (Öl auf Leinwand, Triptychon) - Benefiz für die Unabhängigkeit des Kapitalismustribunals

Das Kapitalismustribunal auf FluxFM angezettelt von Haus Bartleby

▷ Letzte Änderung: 2017-01-10
By Sophie [FluxFM] |

FluxFM-Redakteurin Aysche Wesche berichtet im Radio vom Gipfeltreffen im Berliner Haus der Kulturen der Welt, wo die Prozessordnung erklärt und Konstitution proklamiert werden. Den Mitschnitt gibt’s hier:
 


DAS KAPITALISMUSTRIBUNAL VOM HAUS BARTLEBY UND DEM CLUB OF ROME AUF FLUXFM

Ist der Kapitalismus ein Verbrechen? – Eines ist doch sicher: Alte Annahmen in Ökonomie, Ökologie und Politik funktionieren nicht mehr. Das Kapitalismustribunal ist ein weltweites Anklageverfahren, um die Verfehlungen des Kapitalismus präzise zu ermitteln und systematisch zu verhandeln. Am Ende steht ein neues Gesetz, das festlegt, was in einer künftigen Ökonomie ein Verbrechen ist. Jeder lebende Mensch ist anklageberechtigt auf capitalismtribunal.org. Gefragt für deine eigen Anklage sind nicht juristische Lyrik oder umfassendes Wissen, sondern eigene, konkrete Erkenntnisse und Erlebnisse aus deinem Leben in einer Ökonomie, die jeden Tag tief in das Leben aller Menschen eingreift.

Proklamation - Foto: southvibez

Proklamation – Foto: southvibez

Das Kapitalismustribunal steht in der Tradition der Russell-Tribunale, der Nürnberger Prozesse und der Wilhelmstraßen-Verfahren. Es wird nominiert für den Friedensnobelpreis. Die Haus-Bartleby-Foundation – Zentrum für Karriereverweigerung in Berlin um die Journalistin und Schriftstellerin Alix Faßmann, den Agrarökonom Fetewei Tarekegn, dem Kulturwissenschaftler Anselm Lenz und dem Dramaturgen Hendrik Sodenkamp sowie Flux-FM-Posterboy Jörg Petzold haben das Tribunal über ein Jahr entwickelt und aufgebaut. Von Anfang an arbeiten sie hierfür zusammen mit dem Club of Rome, Rechtshistorikern, Wissenschaftlerinnen und Experten des Alltags.

In den drei Vorverhandlungen des Tribunals unternahm das Tribunal eine Bestandsaufnahme der Gegenwart: Was finden wir vor am Ende der Neoliberalen Epoche? Die Vorverhandlungen im Theatergebäude Saalbau Neukölln waren frei zugänglich. Zusammen mit der Versammlung und Expertinnen der Fachbereiche ergab sich ein Bild der Gegenwart und der zunehmenden Diskrepanz zwischen geltendem Recht, Rechtsempfinden und ökonomischer und ökologischer Wirklichkeit. Im Berliner Haus der Kulturen der Welt wurde am 01. und 02. Dezember 2015 die Prozessordnung abgeschlossen. Hier der Link zum Video-Kanal des Tribunals:
 

 
2016 wird im Zeitraum vom 1. bis 12. Mai 2016 die Gerichtswoche des Tribunals in Wien stattfinden, einer Stadt in der Mitte des europäischen Kontinents mit einer lebendigen Diskurskultur. Alle Anklage werden verlesen, subsumiert, systematisiert und für das finale Gericht vorbereitet. Keine Anklage wird übergangen, alles wird in das Bild einbezogen. Am Ende wird das Tribunal in 28 Generalfällen (Präzedenzfälle) nach überpositivem Recht (Radbruch’sche Formel) zu einer Entscheidung gelangen, was in einer künftigen Ökonomie nie wieder geschehen darf. Die Urteile werden unmittelbar gültig und wirken rechtssetzend durch Proklamation. Die Charta »Neue Erklärung der Menschen- und Zukunftsrechte« wird in vier Sprachen veröffentlicht.

FluxFM-Sondersendungen
Mitglieder des Haus Bartleby kamen vor und nach jeder Vorverhandlung zu einer einstündigen Sondersendung in die Morningshow am Nachmittag. Alle Mitschnitte gibt es hier zum Nachhören:



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14 Kommentare

  1. Ahoi,
    handeln von Konzern + Milliardären + Banken & Regierungen nach dem Motto:
    >>> Nach uns die Sintflut <<<
    Rette sich wer kann & baut Arche-Rettungs-BooTe…
    Bonny & Clyde, denn wir sind es leid…

    http://www.no-naumannpark.de

  2. Ben says:

    Der Kollege, der immer die Buchvorschläge liest, ist klasse. Um den Kapitalismus zu verändern muss man ihn erst mal analysieren. Was macht den Kapitalismus aus? Welche Regeln definieren ihn? Was ist das Problem am Kapitalismus, die Konzerne, die Erderwärmung? Das ist doch alles viel zu oberflächlich betrachtet. Da befindet man sich analytisch doch noch auf der vollkommen falschen Ebene. Und weil Kapitalismuskritik meistens eben von Leuten vorgetragen wird, denen entweder offenbar der Intellekt fehlt, um das System in seiner Gesamtheit zu begreifen, oder die darin einfach nicht gebildet sind, deshalb wird sich auch nichts grundlegend ändern. Ich will ein Beispiel geben: Viele kritisieren den ex-CEO von Nestle dafür, dass er gesagt hat, dass „Wasser kein Menschenreicht“ sei, sondern einen Preis haben müsse. Was die Leute meinen, wenn sie das kritisieren ist: Jeder Mensch sollte Zugang zu Wasser haben. Was sie vergessen ist: Das ist unmöglich. Nicht jeder Mensch kann einfach ohne Aufwand Zugang zu Wasser haben. In Deutschland dreht man den Hahn auf. Das geht nur, weil Wasser einen Preis hat! Ohne diesen Preis könnte man die Leitungen nicht betreiben. Und Nestle VERLANGT im Supermarkt diesen Preis für seine Wasserflaschen. Und die Leute BEZAHLEN den Preis. Der Preis ist überhaupt nicht das Problem. Wenn sich in Südafrika an der Wasserquelle keiner das Wasser von Nestle leisten kann, dann nicht deshalb, weil Wasser einen Preis hat, sondern weil die Schürfrechte dort zu billig vergeben wurden, weil die Menschen dort zu wenig verdienen, weil es keine sozialen Standards gibt, etc. Das alles sind REGELN INNERHALB des Kapitalismus, die man leicht verändern könnte, wenn man den Kapitalismus analysieren würde. Stattdessen wird gefordert ihn abzuschaffen, was von der eigentlichen Lösung ablenkt und sie damit verhindert.

    • Heinz Helbling says:

      Kapitalismus bezeichnet zum einen eine spezifische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, zum anderen eine Epoche der Wirtschaftsgeschichte. Die zentralen Merkmale sind in Anbetracht des historischen Wandels und der zahlreichen Kapitalismusdefinitionen sowie ideologischer Unterschiede umstritten. Allgemein wird unter Kapitalismus eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung verstanden, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und einer Steuerung von Produktion und Konsum über den Markt beruht.[1] Als weitere konstitutive Merkmale werden genannt: die Akkumulation, für manche das „Herzstück“ und Hauptmerkmal des Kapitalismus,[2] und das „Streben nach Gewinn im kontinuierlichen, rationalen kapitalistischen Betrieb“.[3]

  3. Ben says:

    Ein weiteres Beispiel: Alle wollen in Berlin wohnen, möglichst im Zentrum. Wie soll ausgewählt werden, wer dort wohnen darf und wer nicht? Wenn 40 Leute sich auf eine Wohnung bewerben, wie läuft der Auswahlprozess ab? Wie geht das ohne Kapitalismus, wenn also keinem die Wohnung gehört? Wer entscheidet dann, wer da drin wohnen darf? Die Punks bei mir um die Ecke wollen alle dort wohnen bleiben, in Häusern, die sie nicht selbst gebaut haben. Was berechtigt sie dazu? Sollte lieber der BWLer einziehen dürfen, der mit seinem Rollkoffer zum Flughafen hastet? Wer entscheidet all das, ohne Eigentumsrechte, die ein wesentlicher Bestandteil des Kapitalismus sind? Die Lösung liegt INNERHALB des Kapitalismus, indem man seine Regeln so verändert, dass externe Effekt etc. berücksichtig werden.

  4. Bat-Seba says:

    Ich bin absolut begeistert von dieser Unternehmung! Endlich wird etwas gegen eine völlig fehlgeleitete & undemokratische Rechtsordnung unternommen!

    • Ben says:

      diese „fehlgeleitete, undemokratische rechtsordnung“ lässt dich frei deine meinung im internet posten, während du ein glasfaserkabel vor die türe gelegt bekommen hast und dafür im monat einen mini-prozentsatz deines einkommens bezahlst. es wird sich nichts verändern, wenn leute weiterhin solchen quatsch von sich geben.

    • maybeadayoff says:

      Gründliche Kapitalismuskritik zielt nicht (nur) auf die Rechtsordnung ab, sondern geht wesentlich weiter.

  5. Torfrock says:

    Coole Sache, aber wo sind die Sendungen hin? Dei standen doch immer hier zum nachhören! – Das mit dem Tribunal ist eine große Sache, verstehe auch nicht das Gepöbel von Ben, der hats nicht verstanden und erklärt irgendeinen Kram, der gar nix damit zutun hat. ist ja auch nicht immer einfach, Ben.

  6. Dennis says:

    Wer ist fähiger über die Verbrechen des Kapitalismus zu urteilen als wir ? Wir sind ja die Menschen die im Kapitalismus leben müssen !

  7. Bat-Seba says:

    das ist faszinierend mich ! ich höre den schon laenger und das ist einen fantastischen projekt. super klug !

  8. maybeadayoff says:

    Könnt ihr den Livestream mal verlinken? Das wäre schön.
    Ich finde ihn nämlich weder hier, noch auf deren Website.

  9. Holger says:

    Seltsames Projekt! Kapitalismuskritik ist ja gut und schön, aber ein Tribunal? Ich verstehe nicht so richtig was das soll!

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