So in etwa muss es gerade im Tierpark Friedrichsfelde aussehen. (Foto: Constanze Kaul)

Eisbärennachwuchs im Tierpark Friedrichsfelde | Berlins kleine Tierwelt präsentiert von FluxFM

▷ Letzte Änderung: 2016-12-12
By Constanze [FluxFM] |

Der Tierpark Berlin hat prominenten Nachwuchs bekommen. Das erste mal in 22 Jahren. Zwei Eisbärenbabies wurden vor ein paar Wochen geboren. In Meerschweinchengröße, wie es in den Nachrichten hieß. Leider hat nur eins überlebt, aber das gedeiht immerhin prächtig. Robert Hofmann, tierlieber Tierexperte aus der Redaktion, konnte nicht mehr warten und hat den Säugetierkurator im Tierpark, Dr. Florian Sicks, getroffen. Robert ist sichtlich und hörbar verzaubert von der Süßigkeit des kleinen Pelzknäuels…
 

Wer lieber hört als liest, kann hier mal auf Play drücken:


Der ekelige Nieselregen lässt die vereisten Pfützen im Tierpark immer größer werden. Für Eisbären muss das Wetter herrlich sein. Florian Sicks erwartet mich schon. Er ist der Mann, der sich um alles kümmert, was über das Leben der Tiere entscheidet. Sozialstruktur, Futter, auch Neuanschaffungen. Von Anfang an begleitete er die Schwangerschaft von Eisbärin Tonja. Vor dem Eisbärengehege erzählt er mir vom Nachwuchs, während ein pelziger Riese am Ufer des Wassergrabens sitzt und uns gelangweilt zuschaut. Es ist Wolodja, der Eisbären-Papa. Er kommt aus demselben Moskauer Zoo wie Mama Tonja, die beiden sind also alte Freunde. With Benefits.

„Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir aktuell ein Zuchtpaar haben. In den letzten 22 Jahren haben wir nicht gezüchtet, weil wir kein zuchtfähiges Weibchen hatten. Aika war der älteste Eisbär der Welt und viele Jahre nicht mehr zuchtfähig, weil sie schon zu alt war. Deswegen gab es viele Jahre keinen Nachwuchs, sodass das jetzt auch ein bisschen Zufall ist.“

Während Wolodja stoisch auf die Fütterung wartet, liegen Mutter Tonja und ihr Baby hinter den Fake-Felsen des Geheges. Noch sind sie von der Öffentlichkeit abgeschirmt, eine Kamera verfolgt jedoch die Geschehnisse in der Höhle, auf Youtube werden regelmäßig die süßesten Szenen veröffentlicht.
Eisbärenbabies sterben häufig nach der Geburt. Auch weil Eisbären-Mamas sehr schnell nervös werden. Bei drohender Gefahr töten Eisbärinnen ihre Babys häufig, erklärt mir Florian Sicks. Auch wenn sie krank seien. Umso vorsichtiger müssen Pfleger sein, wenn sie die Wurfhöhle betreten. Florian Sicks hat die spannenden Stunden nach der Geburt deshalb vor dem Bildschirm verbracht, stets auf der Suche nach den Babys.

„In der kritischen Phase als wir ein Jungtier plötzlich vermisst haben, habe ich mehrere Tage zurückgeguckt, das macht man dann im Schnelldurchlauf. Das ist wie ein Krimi, weil man hofft, dass man es noch entdeckt und traurig, wenn man merkt, dass es nicht mehr da ist.“

Tonja hatte eins ihrer beiden Jungen kurz nach der Geburt gefressen. Wahrscheinlich war es krank, vermutet Sicks. Dennoch: Ein Eisbärenbaby lebt und erfreut sich bisher bester Gesundheit. Es wächst, es krabbelt,… es schreit!!
„Und wie klingt das dann?“, will ich wissen.

„Das schreit wie ein kleines Menschenbaby.“

Zum Glück braucht Dr. Sicks es nicht vormachen, es gibt Audioaufzeichnungen des Babys.

Es ist fürchterlich süß, wie das Baby da durch die Höhle wackelt, sich im Stroh rollt, immer wieder hinplumpst und nach der Mama schreit – auch wenn das zunehmend weniger wird. Es wird immer selbstständiger, erzählt Sicks.
Noch kennt man noch nicht mal das Geschlecht des Nachwuchses, aber bald wird’s spannend, wenn entschieden wird, wie das Kleine heißen soll. Ob da die Pfleger, der Pate oder sogar die Berlinerinnen und Berliner gefragt werden.
Weiß Dr. Sicks denn nun eigentlich schon, wie kuschelig das Baby eigentlich wirklich ist?

„Ich sehe das auf dem Video und kann sehen, wie es herumtapselt, aber wenn man das in echt dann sieht, ist das nochmal was anderes.“

Papa Wolodja, der dicke Bär, hat seinen Platz am Ufer verlassen. Er trabt nun wieder gedankenverloren im Gehege herum. Der kalte Regen fällt immer noch. Solange es hier keine Tierbabys gibt, wird es Zeit für mich zu gehen.


Der Tierpark bietet übrigens auch Führungen und kommentierte Fütterungen an, um auf die Klimaerwärmung und die prekäre Situation von Eisbären in der Wildnis hinzuweisen. Süße Tiere, guter Zweck. Als besonderes Special bietet der Tierpark auch Weihnachtsführungen über die Feiertage an. Den kleinen Eisbären wird man dann hoffentlich ab dem Frühjahr mit eigenen Augen sehen können.

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