Fangfrage; Welche ist die richtige Schreibweise?, Foto: Zarah-Louise Roth

Hilfe für Analphabeten in Berlin

▷ Letzte Änderung: 2014-06-23
By Sophie [FluxFM] |

Erwachsene, die nicht lesen und schreiben können – das ist doch ein Problem der Entwicklungsländer, aber sicher nicht ein deutsches. Könnte man meinen… Stimmt aber nicht! Vor drei Jahren wurde die erste Studie mit verlässlichen Zahlen in Deutschland veröffentlicht. Seitdem ist das Thema mehr in die Öffentlichkeit gerückt. Und das ist gut so, denn es ist immer noch ein Tabuthema.

Vor kurzem hat in Berlin die erste zentrale Anlaufstelle für Analphabeten ihre Arbeit aufgenommen. Zarah-Louise Roth hat sich mit den Mitarbeitern und den Lernern unterhalten:

 
Siebeneinhalb Millionen Menschen in Deutschland können nicht ausreichend Lesen und Schreiben. Die meisten davon sind deutsche Muttersprachler und berufstätig. Nur ein Bruchteil davon – rund 25.000 – bildet sich aktiv weiter. Seit Mai gibt es deshalb – zumindest für Berlin – eine zentrale Anlaufstelle. Claire Zynga vom GBZ, dem Grundbildungszentrum.

„Es gibt in Berlin 300.000 Menschen die Schwierigkeiten haben mit Lesen und Schreiben und Grundbildung. Und davon gehen ein paar hier bei Lesen und Schreiben e.V. Und das sind aber hier Leute, die beim Jobcenter waren, die zurzeit keine Arbeit haben. Aber es gibt noch viele andere, die vielleicht arbeiten gehen und nicht Vollzeit sondern andere Angebote brauchen. Und diese Menschen, die wir noch nicht erreichen, die wollen wir suchen. Und das ist, was das Grundbildungszentrum für Berlin machen will.“

Lesen und Schreiben e.V., Foto: Zarah-Louise Roth

Lesen und Schreiben e.V., Foto: Zarah-Louise Roth

Derzeit ist das GBZ in den Räumen des Vereins Lesen und Schreiben in Neukölln untergebracht. Hier lernen Erwachsene aller Altersklassen, jeder mit seiner ganz eigenen Geschichte.

„Hallo ich bin die Ute, 52 Jahre alt, bin Lernerin und seit einem halben Jahr hole ich hier nach, was ich in der Schule verpasst habe. Tja, wir waren so viele Kinder und da blieb mir nichts weiter übrig, als arbeiten zu gehen damals.“

Der Tag beim Verein Lesen und Schreiben ist unterteilt in Praxis – da wird gewerkelt in Garten, Küche und Werkstatt. Und natürlich Unterricht, in Deutsch, aber auch in Fächern wie Mathematik und Sachkunde. Marion Karakelle ist schon seit zwei Jahren dabei. An ihren persönlichen Schlüsselmoment kann sich die 42-jährige noch gut erinnern.

„Meine Tochter hat mich dabei erwischt, dass ich ihr nicht vorlese, sondern mir nur nach den Bildern was ausdenke. Ich meine, es ist schwer, die Schwelle zu übertreten. Man denkt ja auch immer, man ist völlig alleine, aber ist man nicht. Es gibt so viele und es ist echt ein tolles Gefühl. Ich konnte früher noch nicht mal meinen Namen schreiben.“

Marions Lieblingsfach ist inzwischen Kreatives Schreiben. Ihre selbst geschriebenen Geschichten wurden sogar in einem Buch veröffentlicht. „Schreib‘ Dich nicht ab“ hieß es einst in der Alphabetisierungs-Kampagne. Ute formuliert es so…

„Man lernt immer dazu, man bleibt nicht dumm wie eine Kuh!“

Gerade ist noch alles im Aufbau. Die Webseite wird neu gestaltet und eine passende Immobilie wird gesucht. Alle, die lernen wollen oder sich engagieren wollen beim Grundbildungszentrum, sind herzlich eingeladen, vorbeizukommen im Herrnhuther Weg 16 in Neukölln. Unter der Nummer 030- 25 56 33 11 bekommt ihr alle Informationen!

Redaktion

Zarah-Louise Roth
Wortredaktion
Spezialgebiete: Weltverbesserung, Festivals, Essen.

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