Isolation Berlin am 12. Mai 2018 im Astra | Konzerte

▷ Letzte Änderung: 2017-12-09
By Nina [FluxFM] |

Isolation Berlin
12. Mai 2018, 20 Uhr
Info, Links, Tickets: Direct Booking

Frage: Wie umschifft man als Band die Klippe des schwierigen zweiten Albums? Ganz einfach: Man schreibt die Songs für das zweite Album schon bevor das erste erscheint. Im Falle von Isolation Berlin war ja das erste Album Und aus den Wolken tropft die Zeit gewissermaßen schon ihr zweites, denn die EP-Kollektion Berliner Schule/Protopop darf durchaus als ihr erstes Album bewertet werden. Schließlich heißt Album auch nur Sammlung – nicht mehr und nicht weniger.

Nun also erscheint strenggenommen bereits das dritte Album der Gruppe Isolation Berlin, die sich mit ihrer Mixtur aus Spelunkenlied und Indierock in den letzten zwei Jahren mit Gassenhauern wie „Alles Grau“, „Fahr Weg“ oder „Schlachtensee“ ein treues Publikum erspielt hat. Großstadtmelancholie für alle! Ein funkelndes Kerzenlicht im digitalen Zeitalter…

Vergifte dich heißt die neue Platte, und sie knüpft nahtlos an ihr bisheriges Repertoire an. Es wird geliebt und es wird verlassen, es wird gelebt und gehasst, es wird gedacht und verzweifelt, es wird getrunken und es wird wieder vergessen. Doch verfeinert Tobias Bamborschke seine Lyrik, in dem er sich – wie es bei guter Poesie so geht – in seinen Versen gleichsam nach Innen und Außen richtet:

Was, wenn es tatsächlich kein richtiges Leben im Falschen gibt; kann es dann überhaupt so etwas wie wahre Liebe in diesem Leben geben? Wie soll man sich in der Welt Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit bewahren, wenn einem „Die Leute“ da draußen nur Lügen erzählen und noch viel schlimmer: diese Lügen leben? Ja, da platzt einem schon mal der Kotzkragen. Bamborschke sucht und entlehnt Metaphern für all dies bei der Biochemie („Serotonin“), aus dem klassischen Drama („Melchiors Traum“) bis in die Astrophysik hinein („Antimaterie“). Er steht mit seinem Notizbuch an der Tramhaltestelle des Lebens und wird zum Romantiker. Doch dort, wo zu Zeiten der Romantik vielleicht noch eine Eiche stand, oder eine Mühle am Bach klapperte, steht heute nur noch ein Pfandflaschenautomat.

Schon Heinrich Heine wusste, dass der absolute Zustand, ein Zustand aufgehobener Entfremdung dem Menschen längst unerreichbar geworden war. Es ist das gleiche Unbehagen, das Bamborschke besingt und das die Band in ihrem lärmenden, manchmal ins aggressive kippenden Sound verdichtet, das sie in Momenten wie eine moderne Berliner Ausgabe von Primal Scream klingen lässt: Das liegt nicht zuletzt an der ausgezeichneten Produktion, für die auch diesmal wieder Isolation Berlin-Bassist David Specht verantwortlich zeichnet. Welche Band kann das schon? Sich auf so einem Level selbst zu produzieren? Eben. Und mit Psychedeliker Max Bauer an Gitarren und Tasten und Metronom Simeon Cöster am Schlagzeug hat sich diese Band in den letzten zwei Jahren mehr und mehr zu einem perfekten Quartett zusammengeschweißt.
Darüber haben sie einen komplett unverkennbaren Sound entwickelt. Das liegt nicht nur an Bamborschkes Gesang. Isolation Berlin bewegen sich mittlerweile ganz selbstverständlich zwischen Indierock, Post-Punk und Chanson. Dabei ist Vergifte dich – wen wundert‘s – um einiges psychedelischer geworden als seine Vorgänger. Nie waren sie besser als heute.

Sowieso sind sie eine Band im allerbesten Sinne. Eine Gang, eine Ersatzfamilie, eine Firma, nihilistische Glaubensgemeinschaft und Saufgelage, vereint in nur zwei Worten: Isolation Berlin.

Es kling vielleicht verrückt, doch wenn man die neuen, ausgezeichneten Lieder auf Vergifte dich hört, dann möchte man dieser absurden Welt fast dafür danken, dass sie sich in so einem Zustand befindet. Wie schon Albert Camus in der „Mythos von Sisyphos“ schrieb: „Das Absurde hat nur insofern einen Sinn, als man sich nicht mit ihm abfindet“. So müssen wir uns Isolation Berlin als glückliche Menschen vorstellen.

 

Verlosung

Die aktuelle Single von Isolation Berlin heißt Marie. FluxFM verlost Tickets unter allen, die uns im Kommentarbereich einen anderen Song verraten, der den Namen einer Person als Titel hat. Die Kommentare werden moderiert, es kann also einen wenig dauern bis eure Antwort im Kommentarbereich auftaucht. Wir benachrichtigen die Gewinner*innen per Mail.

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60 Kommentare

  1. Maxim says:

    Elena von J.A.W.

  2. Hanna says:

    Laura von Prinz Pi

  3. Lea says:

    Come on Eileen by Dexys Midnight Runners

  4. sarah says:

    Lisa von Isolation Berlin

  5. Pascal says:

    Emily Kane von Art Brut

  6. Dänni says:

    Lady Gaga – Alejandro

  7. Luise says:

    Mary Jane

  8. Christian says:

    Oh Carolina von Shaggy

  9. fara says:

    jolene von dolly parton

  10. Elena says:

    Lisa von Von Wegen Lisbeth

  11. Tai says:

    Mary – Spiritualized – Huh?

  12. Malte says:

    Hier kommt Aleks – Die Toten Hosen

  13. katha says:

    Andy – Les Rita Mitsouko

  14. Alex says:

    Maries von Fisher Z

  15. Alisa says:

    Miss Alissa von den Eagles of Death Metal

  16. Nina says:

    Billie Jean von Michael Jackson

  17. Henry says:

    The Police – Roxanne

  18. Thomas says:

    Alison – Elvis Costello

  19. Klara says:

    Nick Cave & PJ Harvey: Henry Lee

  20. Verena says:

    Roxane – Tom Waits

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