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Mit Punkrock & Trompeten

▷ Letzte Änderung: 2017-10-04
By Nina [FluxFM] |
Im Radio:
Jeden Mittwoch
9:20 Uhr

1977 – das Jahr in dem der Punk wurde, was er ist. 40 Jahre danach möchten wir eine der wildesten Musikrichtungen ausgiebig feiern, indem wir euch jede Woche einen Song aus dem verhängnisvollen Jahr ’77 vorstellen – inklusive seiner Geschichte. Jeden Mittwoch im Radio, immer zum Nachhören und -lesen an dieser Stelle:



15. November | Wreckless Eric – Whole Wide World

wreckless ericWhole Wide World von Wreckless Eric gilt nicht selten als „Beste Punkrock Single Aller Zeiten“. Wreckless Eric heißt eigentlich Eric Goulden und war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 23 Jahre alt – er war einer der ersten im Artistrooster von Stiff Records, die auch Ian Dury, Elvis Costello und Nick Lowe beherbergten.

9. November | The Germs – Forming
The GermsDarby Crash und Pat Smear gründeten die Band The Germs, nachdem sie wegen „unsozialen Verhaltens“ von der High School geflogen sind. Das Line Up fluktuierte eine ganze Weile, kurze Zeit war sogar Belinda Carlisle unter ihrem Pseudonym Dottie Danger Mitglied. Bei ihrer ersten Liveperformance hatte sie keine Songs vorbereitet, spielten aber trotzdem als Mutprobe: einer war mit roter Lakritze eingekleidet, der andere steckte das Mikro in ein Glas Erdnussbutter, sie machten einfach Krach – nach 5 Minuten wurden sie von der Bühne geworfen. 1980 fand die Band eine Ende, da sich Darby Cash in einem Suizidpakt mit einer Überdosis Heroin das Leben nahm.

2. November | DMZ – Lift Up Your Hood
DLZJeff Conolly war eigentlich gar nicht als Sänger von DMZ vorgesehen, doch er stahl dem eigentlichen Sänger bei einer Probe die Show und wurde eingetauscht. Doch er brachte nicht nur eine neue Stimme mit, sondern auch den ersten eigenen Song, denn DMZ waren bis dahin nur eine Coverband. Ein Jahr später nahmen sie ihre Debüt-EP mit dem Produzenten der Ramones auf, 1978 folgte das erste Album. Die Band aus Boston gehörte zu der ersten Welle amerikanischer Punkbands.

25. Oktober | Sex Pistols – Liar
Sex PistolsEin Klassiker diese Woche bei Mit Punkrock & Trompeten: Die Mutter aller Punkbands, die Sex Pistols, veröffentlichten in dieser Woche genau vor 40 Jahren ihr legendäres Debütalbum Nevermind The Bollocks, Here’s The Sex Pistols. Es sollte ihr einziges Album gewesen sein. Schon bevor die Platte rauskam, war die Band berüchtigt: sie hatten im Livefernsehen geflucht, waren von zwei Labels gefeuert worden und hatten in großen Teilen Englands Auftrittsverbot.

Alles Weitere zum Album und die Platte in voller Länge hört ihr am 28. Oktober um 18 Uhr bei FluxFM Das Große Ganze.

18. Oktober | The Adverts – One Chord Wonders
18. Oktober | The Adverts – One Chord Wonders

The AdvertsDie Bandmitglieder Der Adverts lernten sich an einer Kunsthochschule kennen, zogen nach London und schlossen sich dort der Punkszene an. Sie wurden zu einer der erfolgreichsten Punkbands, die auch vom Mainstream gefeiert wurden – zum Beispiel gab es zahlreiche Einladungen zu Top of The Pops oder Artikel in der Sun oder im Daily Express, die sich vor allem darauf aufbauten, dass die Band mit Gaye Balsden eine „freche Sängerin“ oder „zerbrechliche Schönheit“ wäre. Ihr bekanntester Song dürfte Gary Gilmores Eyes sein, über den Serienkiller Gary Gilmore, der seine Netzhaut der Wissenschaft spendete, damit sie jemand anderem transplantiert werden konnte.

11. Oktober | Avengers – We Are The One
AvengersSchlagzeuger Danny Furious und Gitarrist Greg Ingraham hatten 1977 Bock eine Band zu gründen. Also schnappten sie sich Penelope Houston als Sängerin starteten in San Francisco eine der ersten US-Punkbands. Sie veröffentlichten schnell ihre erste EP We Are The One und wurden daraufhin als Vorband für die Sex Pistols eingeladeb. Doch trotz des vielversprechendes Starts war es knapp zwei Jahre schon wieder vorbei mit den Avengers.

4. Oktober | The Dils – I Hate The Rich
The Dils – I Hate The RichThe Dils (nichts The Oils wie das Cover vermuten lässt) waren eine Band mit Widersprüchen: wie der Titel ihrer Debütsingle I Hate The Rich machte unmissverständlich die radikal linke Gesinnung der Band klar. Gleichzeitig aber waren sie dafür bekannt, ihre Parolen in melodiösen Punk zu verpacken, der ihnen sogar den Spitznamen „Punk Rock Everly Brothers“ einbrachte. Gegründet in San Francisco von den beiden Brüdern Chip und Tony Kinman (mit wechselnden Schlagzeugern), waren The Dils eine prägende Band für die dortige Szene. Sie blieben aber nicht nur an der West Coast: als eine der ersten US-Punkbands tourten sie im schäbigen Van durch das komplette Land, um in noch so winzig kleinen Schuppen zu spielen.

27. September | The Lurkers – Shadow
The Lurkers wurden 1976 von Pete Stride, Manic Esso, Howard Wall und Nigel Moore in London gegründet. Moore wurde jedoch nach einem halben Jahr durch Arturo Bassick ersetzt. Beeinflusst von den Ramones, New York Dolls und Slade spielten sie einen eher spaßbetonten Punkrock, der sich in den Texten aber auch sozialkritisch äußerte. Zwischen 1977 und 1979 erreichten sie mit fünf Singles die britischen Top 40. Die Band war außerdem regelmäßig zu Gast beim legendären Radiomoderator John Peel auf BBC Radio 1. Ihre Debütsingle Shadow war die allererste Veröffentlichung auf Beggars Banquet Records, das eines der wichtigsten Labels für britischen Punk und später auch Indierock werden sollte. Zwar lösten sich The Lurkers 1979 auf, allerdings kam es zu einigen Reunions. Im Vorprogramm spielten sie auch bei den Toten Hosen, mit denen sie bis heute eine Freundschaft verbindet.

20. September | Chelsea – Right to Work
Chelsea - Right To Work 1976 suchte Gene October mit einer Anzeige nach Mitmusikern für eine neue Band. William Broad, der später als Billy Idol weltberühmt wurde, meldete sich; ebenso Tony James und Johm Towe, die von der Band London SS kamen. Nach drei Monaten verließen Idol, James und Towe die Band wieder und gründeten Generation X, die wir in dieser Rubrik ja bereits besprochen haben. Gene October hingegen fand neue Mitstreiter und veröffentlichte mit ihnen als Chelsea 1979 die erste LP der Band. Zwei Jahre zuvor erschien mit Right To Work allerdings die erste Single; eine proletarische Hymne, bei der der Name Programm ist. In wechselnden Formationen spielen Chelsea bis heute Konzerte.

13. September | Menace – Screwed Up
Menace aus Großbritannien veröffentlichten 1977 mit Screwed Up ihre erste Single; erst ein Jahr zuvor hatten sie sich gegründet. Es lief schnell gut für sie: Sie waren Dauergäste im legendären Club Roxy und traten als Vorband von Sham 69 auf. In Konflikt gerieten sie mit der Stadtregierung London bei der Veröffentlichung ihrer zweiten Single GLC. GLC steht für Greater London Council. Menace warfen der Regierung in dem Song vor, „full of shit“ zu sein. Die Stadt versuchte daraufhin, die Konzerte der Band zu untersagen; Radiosender mussten den Song boykottieren. Menace brachten fünf Singles heraus, lösten sich 1978 wieder auf. Eine kurze, aber intensive Zeit.

6. September | The Users – Sick of You
The Users gründeten sich 1977 in Cambridge und lösten sich schon 1979 wieder auf. Trotz ihrer nur kurzen Schaffenszeit konnten sie sich eine beachtliche Fangemeinde erspielen – darunter John Peel, der legendäre Moderator von BBC Radio 1. Insbesondere ihre erste 7″-Single Sick of You/(I’m) in Love With Today wird von vielen Kritikern als eine der besten Punk-Singles aller Zeiten betrachtet. Jello Biafra von den Dead Kennedys zitierte sie gar als einen seiner frühen Einflüsse. The Users veröffentlichten während ihrer Blütezeit nur Singles. Eine Compilation dieser Songs erschien 2008 bei Detour Records unter dem Titel Secondary Modern 1976-1979. Der Gitarrist der Band, Chris Free, schrieb 1983 übrigens Tracie Young’s Pop-Hit Give It Some Emotion. Mit dem energetischen Punkrock von The Users hatte das dann allerdings nichts mehr zu tun.

30. August | The Killjoys – Johnny Won’t Get To Heaven
Kevin Rowland, Kevin Archer und Gil Weston gründeten 1976 die Band The Killjoys in Birmingham. Rowland war gelernter Frisör und verpasste den Bandkollegen erstmal punktaugliche Frisuren, bevor sie (teilweise aus Popbands kommend) ihre ersten Punksongs schrieben. Aufgrund ihrer ersten Single „Johnny Won’t Go To Heaven“ kriegen sie einen Plattenvertrag und verkaufen 18.000 Exemplare ihres Songs. Die Band löste sich allerdings schnell wieder auf, weil den meisten die von Sänger Kevin Rowland auferlegten täglichen 8 Stunden Probe zu viel waren. Er und Kevin Archer fühlten sich vom Punk enttäuscht und fanden Trost in 50er Soul Music – sie gründeten eine neue Band: Dexys Midnight Runners.

23. August | V2 – Nothing To Do
V21976 kamen David Wilks und Mark Standley auf einem Sex Pistols-Konzert zum ersten Mal mit Punk in Berührung und gründeten selbst die Band V2. Ihre ausufernden Liveshows brachten ihnen bald einen entsprechenden Ruf ein: Explosionen, das Zertrümmern des Equipments, und Angriffe des Bassisten auf das Publikum, wenn dieses ihn mal wieder einmal zu oft angespuckt hat, das alles war Standard (anngespuckt werden war aber auch Standard in der Punkszene, Punkbands kamen nicht selten tropfnass von der Bühne). Ihre erste EP verkaufte sich wie geschnitten Brot, trotzdem trennte sich die Band bald wieder aufgrund von Geldproblemen, fehlender Erfahrung und zu viel Alkohol.

16. August | Suicide – Ghost Rider
Suicide Cover Suicide war ein Duo, bestehend aus Alan Vega und Martin Rev, das bereits 1966 zueinander fand und begann Musik zu machen und sogar bis 2016 musikalisch aktiv waren. Bis ihr gleichnamiges Debütalbum endlich erschien, vergingen allerdings ganze elf Jahre. Ihr Debüt gilt gemeinhin als eines der ersten Synthie-Pop-Alben, hat aber unverkennbar starke Punkeinflüsse. Bei der Findung des Bandnamens ließ sich das Duo von einem Buch mit dem Titel Satan Suicide inspirieren, das zu der Ghost Rider-Comicbuchserie gehörte und später Pate für einen ihrer bekanntesten Songs stand. Das Liste von Coverversionen anderer bekannter Bands kann sich sehen lassen: R.E.M., The Horrors, The Gories, Rollins Band, Loop, The Sisters of Mercy, The Cassandra Complex, Merzbow, Soft Cell und The Young Gods.

09. August | Radio Birdman – New Race
Radio Birdman Radios Appear Der Stooges-Song 1970, bei dem sechs junge Männer die Zeile „radio burnin'“ falsch verstanden, gab den Anstoß für den Namen eine der ersten und lange Zeit auch einzigen Punkbands in Sydney, Australien: Radio Birdman. Sie verstanden sich selbst als Guerillatruppe, trugen Uniformen und Armbinden und sorgten somit selbst dafür, dass die gesamte Band unter Naziverdacht geriet. Sowohl ihre Outfits als auch ihre Musikrichtung schreckte mitte der 70er Bar- und Clubbesitzer sso sehr ab, dass kein Venue Radio Birdman auf ihre Bühne lassen wollte. Kurzerhand eröffneten sie einfach ihre eigene Bar. 1977 erschien nach jahrelangem Schreiben, Komponieren und Giggen ihr Debüt Radios Appear, auf dem auch New Race zu hören war, ein Song über Jugendliche, die sich durch Rockmusik in neuartige Wesen verwandeln, also bösartige Mutationen sozusagen. Der Erfog blieb aus und zwang die Band 1978 letztlich in die Knie. Drei Mitglieder konnten das Ende aber nicht auf sich sitzen lassen und gründeten knappe drei Jahre später New Race, eine Proto-Punk-Band.

02. August | The Action – TV’s On The Blink
The Action - TV's On The BlinkEine Band, die so schnell entstanden ist, wie sie wieder aufgelöst wurde: The Action. Im April 1976 begannen die ahnungslosen Fenton-Brüder Musik à la Bad Company und Status Quo zu machen. Zur Unterstützung holten sie sich kurzerhand Sänger Ted Axe und Drummer Rick McDonough mit ins Boot. Ottawas und damit Kanadas erste Punkband war geboren. Kaum ein Jahr später unterzeichneten sie einen Plattenvetrag und veröffentlichten ihre erste, wie sich später herausstellen sollte, auch einzige EP TV’s On The Blink. Die schien anfangs recht vielversprechend, schaffte sie es doch auf so manche Punk-Compilation. Das erwartete Album blieb jedoch aus. Das Jahr 1979 spielte ihnen dann so richtig übel mit: Songs für eine zweite 12″ waren fertig, als ihnen der Bankrott ihres Labels den ersten dicken Strich durch die Rechnung machte. Schlimmer war allerdings, dass ihr Management die mit den Ramones geplante Tour platzen ließ, indem sie vergaßen, sich um die Visa zu kümmern, die die Band für die Einreise in die U.S.A. benötigte. Die Tour musste ohne sie stattfinden, der Durchbruch, der ihnen mit dieser Tour hätte gelingen können, blieb bis zu ihrer Trennung 1981 ein Traum.

26. Juli | The Boomtown Rats – Lookin‘ After No. 1
Boomtown Rats Cover Lookin After No 1 The Boomtown Rats sind eine sechsköpfige Band aus Dún Laoghaire, südwestlich von Dublin, die 1976 von Bob Geldof und Garry Roberts gegründet wurde. Ursprünglich bekannt unter dem Namen Nightlife Thugs, stellte sich Gitarrist Roberts schon bald gegen den Bandnamen und drohte, die Band zu verlassen, sollten sie sich nicht unbenennen. The Boomtown Rats waren geboren. Musikalisch inspiriert von den Sex Pistols und sämtlichen UK-Punkbands, erschien im September 1977 ihr gleichnamiges Debütalbum. Die erste, daraus veröffentlichte Single Lookin‘ After No. 1 bescherte der Band direkt einen Top 40-Hit. Ein Phase der musikalischen Neuausrichtung folgte, die Boomtown Rats wandten sich dem aufsteigenden New Wave. Und der gute Bob? Der mauserte sich zum Messias der Musikwelt und ist bis heute sowohl musikalisch als auch wohltätig aktiv.

19. Juli | The Drones – Lookalikes
The Drones gründeten sich 1975 unter dem Namen Rockslide mit dem Ziel die Pubs von Manchester mit R&B Sounds zu bespielen. Die Pubband blieb aber erfolglos und daraufhin erfanden sie sich mit Punk neu. Ihre ersten Konzerte spielten sie mit The Vibrators, X-Ray Spex und The Stranglers. Im Oktober 1977 veröffentlichten The Drones ihr Debütalbum Further Temptation. Auf ihr zweites Album Sorted mussten Fans ganze 22 Jahre bis 1999 warten und es konnte nicht an den Erfolg von Further Temptation anknüpfen. Vor wenigen Jahren kam die Nachricht über den Tod des Sängers MJ Drone, jedoch spielt die Band jetzt wieder zusammen und nimmt wohl gerade ein neues Album auf. Wenn sie den Rhythmus von 22 Jahren beibehalten wollen, hätten sie noch ganze 4 Jahre mit der Veröffentlichung Zeit.

12. Juli | X-Ray Spex – Oh, Bondage Up Yours
X-Ray Spex,Germfree Adolescents, Punk Oh, Bondage Up Yours, die Debütsingle der Band X-Ray Spex, gilt unter Musikjournalist*innen als Prototyp des britischen Punkrocksongs und bescherte der Band direkt einen Plattenvertrag mit Virgin. Zum Punk gekommen ist die Sängerin und Frontfrau Marianne Joan Elliot-Said aka Poly Styrene allerdings schon ein Jahr früher, nämlich 1976, als sie ein Konzert der Sex Pistols besuchte. Ihr Pseudonym und der Song „Oh, Bondage Up Yours“ beschäftigt sich mit einem großen Anliegen von Poly Styrene: dem Thema Konsum und der Wegwerfgesellschaft. Außergewöhnlich für eine Punkband ist übrigens auch das Saxophon, das im Song zu hören ist. Das dazugehörige Album Germfree Adolescents kam erst im November 1978 raus. X-Ray Spex sah sich gewollt als „Underachiever“ und wollten absolut nicht nach der Pfeife der Plattenfirma tanzen.

05. Juli | The Boys – First Time
Alles begann in einem kleinen Keller einer Londoner Mietswohnung. Dort hatte der musikbegeisterte Matt Dangerfield ein Studio eingerichtet, in dem er nicht nur seinen eigenen Kram produzierte, sondern auch sämtliche Punkbands der ersten Stunde ein- und ausgingen. So auch die Musiker, mit denen er 1976 The Boys gründete. Die Band selbst sah sich eher als Popgruppe und war aufgrund ihrer unauffälligen Kleidung gemeinhin als „die Beatles des Punk“ bekannt. Vielleicht was es auch der Vergleich, der dafür sorgte, dass die Jungs als erste Punkband einen Plattenvertrag beim Label NEMS angeboten bekamen. Nach der Veröffentlichung einiger Singles im Sommer, darunter auch First Time, als Vorgeschmack auf das anstehende Debüt sah zunächst alles ganz rosig aus, bis die Plattenfirma die Veröffentlichung ihres ersten, gleichnamigen Albums versäumte. Statt wie geplant im Mai 1977 kam die Platte erst im September auf den Markt und war so der Konkurrenz weiterer Bands ausgesetzt. Als dann noch der King of Rock’n’Roll – Elvis Presley – nicht nur das Zepter sondern auch den Löffel abgab, wurden seine Alben neu aufgelegt und The Boys verschwanden aus dem Sortiment. Nach einem weiteren Eklat und einem erbitterten Kampf mit NEMS, kamen sie vorzeitig aus dem Vertrag und beendeten somit ihre musikalische Pechsträhne.

28. Juni | Eater – Thinking Of The USA
Eater - Thinking of the USA Cover Wie kommt man den auf einen Bandnamen wie Eater? Klar, man hört T.Rex, pickt ein Wort aus dem Text von Suneye, schreibt sich das auf die Fahne und macht Musik, die ganz und gar nicht nach T.Rex klingt: Punk. Eine der frühesten Punkbands aus dem Vereinigten Königreich, gegründet 1976, war zweifelsohne auch noch eine der jüngsten, denn die Bandmitglieder waren allesamt erst im zarten Alter zwischen 14 und 17. Wie man Krawall macht, wussten sie trotzdem. Oder erst Recht. Die jugendliche Energie und ihre musikalischen Fähigkeiten bescherten ihnen Gigs als Support der Buzzcocks, bis sie ziemlich schnell selbst nach Support suchen mussten. Den bekamen sie von The Damned. Ihr erstes und letztes Album bekam den passenden Titel The Album, bevor die Band sich 1979 auflöste.

21. Juni | The Vibrators – Baby Baby
The Vibrators - Baby Baby
1977 kam Pure Mania auf den Markt, ein Album, das einen der wichtigsten Songs der Punk-Ära enthielt: Baby Baby. Damit gingen The Vibrators ohne Umwege in den Punk-Olymp ein. Nicht nur für die Band, sondern auch für ihren Songwriter Ian „Knox“ Carnochan hat der Track eine besondere Bedeutung: „My favourite Vibrators‘ song has to be „Baby Baby“. I always think when I play it is like being on holiday.“ 1991 coverten die Toten Hosen das Lied und schafften es, „Knox“ als Gastsänger auf die Bühne zu kriegen. Noch heute touren die Vibrators, allerdings in ständig wechselnder Besetzung. Das einzige Originalmitglied ist der Schlagzeuger John „Eddie“ Edwards.

14. Juni | Richard Hell & The Voidoids – Blank Generation
Richard Hell and The Voidoids - Blank GenerationNamensgeber dieser Band ist niemand geringeres als Richard Meyers, der gemeinhin als Erfinder des Punklooks gilt, denn er war wohl der erste, der zerrissene Kleidung trug und seine Outfits mit Sicherheitsnadeln spickte. Frisurentechnisch orientierte er sich daben an Arthur Rimbaud, der ihn 1966 dazu inspirierte nach New York zu ziehen und ebenfalls Dichter zu werden. Sein bester Freund aus der High School, Tom Miller, zog mit ihm. Gemeinsam gründeten sie erst die Neon Boys, anschließend Television genannt, für die beide sich Alias zulegten: Tom Verlaine und Richard Hell. Sie schafften es als erste Punkrockband auf die Bühne des New Yorker CBGBs. Einige Jahre später, in 1975, zerstritten sich Miller und Hell, woraufhin letzterer Richard Hell & The Voidoids gründete. Zwei Jahre später erschien das Debütalbum Blank Generation.

Wer mehr über Hell, sein Leben und seine Bands erfahren möchte, dem legen wir seine Autobiographie Blank Generation ans Herz.

7. Juni | Eddie & The Hot Rods – Do Anything You Wanna Do
Eddie & The Hot Rods ist eine Punk- und Pubrockband, die sich 1975 in Essex gründete. Aber wer genau war Eddie? Der Namensgeber war schlicht und ergreifend ein Witz, eine fiktivie Figur, die zu jeder Show mit „auf die Bühne geholt“ und letztlich rausgeworfen wurde, als sein Part in der Band langweilig wurde. Der Name wurde beibehalten, die Band wurde immer erfolgreicher, sodass sie neben AC/DC eine der Resident Bands im Londoner Kensington wurden und eine der heute bekanntesten Punkbands support für sie spielten: die Sex Pistols. Ende 1976 erschien ihr erstes Album und 1977 ihre erfolgreichste Single Do Anything You Wanna Do.
 

31. Mai | The Afrika Korps – Refrigerator Rappin
The Afrika Corps, Punk, Washington D.C., Music To Kill ByAnders als die allermeisten Bands, die wir bisher in unserer Rubrik „Mit Punkrock & Trompeten“ vorgestellt haben, kommen The Afrika Korps nicht aus Großbritannien, sondern aus der US-Hauptstadt Washington, D.C. Der Sänger von den Gizmos, die man vielleicht noch eher kennt, hat hier 1976 ein neues Projekt gestartet, das weniger eine Band war, sondern stattdessen den Ansatz verfolgte, dass jeder in der Szene einfach dazukommen konnte und so lange Teil der Aufnahmen war, wie er Lust hatte. Ihre Musik ist eine Mischung aus Punk und 60s Pop, stark an den Ramones orientiert. 1977 erschien ihr Album Music To Kill By, es gilt als spontanstes Album der amerikanischen Punkszene dieser Jahre.

24. Mai | The Radiators from Space – Television Screen
Radiators from Space Television ScreenGreta Garbage and The Trashcans kennt heute kein Mensch. Das liegt vor allem daran, dass das nur der erste Name war, den Pete Holidai der Band gab, die ab 1976 als The Radiators from Space oder The Radiators and The Rads in die Geschichte als eine der ersten irischen Bands den Punk eingingen. 1975 war Holidai nämlich auf der Suche nach weiteren Bandmitgliedern und schaltete eine Zeitungsannonce, über die Sänger und Gitarrist Philip Chevron stolperte. 1977 veröffentlichten sie ihre erste Single Television Screen und organisierten das Belfield Punk Festival, Irlands erstes Punkfestival. Nachdem aus Mangel an Sicherheitsvorkehrungen dort eine Achtzehnjährige ums Leben kam, blieb weiterer Erfolg aus. Produzent Toni Visconti gab der Band dann den Rest, als er ihren Sound für das zweite Album glatter bügelte als ihnen lieb war. Philipp Chevron war bereits ausgestiegen, bevor es so weit kam. Er feierte 1981 großen Erfolg mit der Folk-Punk-Band The Pogues.

17. Mai | Blunt Instrument – No Excuse
blunt-instrumentDie Londoner Band Blunt Instrument fand sich im Mai 1977 zusammen und mischten nach nur wenigen Wochen im Proberaum direkt die Punkszene der englischen Hauptstadt auf. Ihre Single No Excuse/Interrogation gilt als eine von Punkrocks Best Kept Secrets. Dass großen Songs manchmal schmerzlich verkannt bleiben, passiert tausendfach. Meist gibt es dafür keine einfache Erklärung, doch im Fall von Blunt Instrument war es wohl ein verhängnisvoller Auftritt, bei dem Drummer David Sinclair von seinem Hocker fiel, sich das Handgelenk brach und dadurch die Band erstmal auf Eis gelegt werden musste. Denn als Sinclair wieder fit war, hatte Gitarrist Bill Benfield die Musikerkarriere bereits an den Nagel gehängt und arbeitete stattdessen als Englischlehrer. Zwar wurde ein neuer Gitarrist gefunden, der Name zu London Zoo geändert, der Sound mehr an New Wave orientiert, doch der große Erfolg blieb aus.

10. Mai | The Carpettes – Radio Wunderbar
carpettesThe Carpettes gründeten sich 1977 und veröffentlichten kurz danach ihre Debüt-EP Radio Wunderbar auf dem kleinen Indielabel Small Wonder. Daraufhin traten sie als Vorband von Vibrators, Penetration oder Angelic Upstarts auf und gelangen so zu genug Aufmerksamkeit, um zwei John Peel Sessions spielen zu dürfen. Nach weiteren zwei Alben trennte sich die Band allerdings 1981 schon wieder.

3. Mai | Ian Dury – Sex & Drugs & Rock’n’Roll
ian dury
Sex and Drugs and Rock and Roll war eine der ersten Veröffentlichungen auf dem Stiff-Label, dem Ian Dury sich im August 1977 angeschlossen hatte. Der Song wurde schnell zu einem Klassiker; 19000 Exemplare wurden innerhalb weniger Tage verkauft, doch der Titel sorgte für Empörung in der Gesellschaft. Zwar hatte sich Dury den Slogan nicht selbst aus dem Ärmel geschüttelt, aber ohne Zweifel hat er mit seiner Hymne eine ganze Bewegung auf einen Nenner heruntergebrochen. Die BBC fand diese Leistung eher fragwürdig und setzte den Song auf den Index. Stiff stellte den Verkauf schon nach kurzer Zeit wieder ein – doch wie bei so vielen indizierten Künstler*innen bewirkte das den gegenteiligen Effekt, denn die Presswerke in Mitteleuropa liefen munter weiter und importierte Platten wurden in England zu schwindelerregenden Preisen verkauft.

26. April | Fruit Eating Bears – Chevy Heavy
Chevy Heavy war die Debütsingle der Fruit Eating Bears. Nachdem die Band sich von Tricycle Turn in „obstessenden Bären“ umbenannt hatten, begannen sie im Juni 1977 durch London zu touren und zahlreiche bekannte Punkbands wie The Clash oder The Damned zu supporten. Die Krönung war ihre Position als Headliner des City Rock ‘77 punk festival in Chelmsford. Vic Maile, einer der wichtigsten Produzenten dieser Zeit, wurde auf die Band aufmerksam und nahm ihre Debütsingle auf, die dann 1978 veröffentlicht wurde. Ein Album sollte folgen. Nachdem Maile die Band ohne ihr Wissen und ohne ihr Einverständnis beim Eurovision Song Contest angemeldet hatte und sie tatsächlich gewählt wurden, verweigerten sie eine aufgeblasene Show mit Bühnenoutfits und Make-Up, schlugen einen Plattendeal mit CBS aus, veröffentlichten Door in My Face auf einem kleineren Label und lösten sich aufgrund geringer Verkaufszahlen kurz danach auf.
 

19. April | 999 – I’m Alive
I’m Alive ist die erste Single von 999, einer britischen Punkrockband, die im Dezember 1976 von Nick Cash und Guy Days gegründet wurde. Cash war zu dieser Zeit Mitglied einer Pubrock-Band und Days einer der Musiker, die an den Demoaufnahmen dieser Band mitwirkten. Weil sie noch weitere Instrumente besetzen mussten, schalteten sie eine Anzeige im Melody Maker und lehnten dabei einige heute bekannte Musiker wie Chrissie Hynde (The Pretenders), Jon Moss (Culture Club) und Tony James (Generation X) ab. Stattdessen entschieden sie sich für Jon Watson und Pablo LaBritain. Zwei Jahr zählten sie zu den bekanntesten Band der damaligen Punkszene, bevor 1978 dann endlich ihr Debütalbum folgte. Trotz einiger weniger Wechsel in der Besetzung, haben sie letztes Jahr 40-jähriges Bandbestehen gefeiert und sind noch immer aktiv.

12. April | Buzzcocks – Boredom
buzzcocksWer in England zu dieser verhängnisvollen Zeit Musik machen wollte, aber nicht in London lebte, hatte schlechte Karten, denn die Chance trotzdem bei einem Label unterzukommen war gering. Howard Trafford gab sich nicht damit zufrieden. Mit einem Aushang an der University of Bolton in Greater Manchester suchte er mach Gleichgesinnten, die seine Vorliebe für den Velvet Underground-Song Sister Ray teilten, gab der Band den Namen Buzzcocks, kratzte sich mit seinen Mitstreitern 550 Pfund von Freunden und Verwandten zusammen, veröffentlichte die Debüt-EP Spiral Scratch im Januar 77 einfach selbst – und schrieb damit Geschichte. Es war die erste Punkplatte, die komplett im Alleingang gestemmt wurde, ohne Label im Rücken und weitete den Spirit des Punk somit auf die Produktionsweise aus. Boredom gilt als der bekannteste Song der Platte und gleicht fast einer Prophezeiung: noch am Abend der Veröffentlichung stieg Howard Trafford aus der Band aus – er war gelangweilt von Punkrock.

5. April | Wire – Ex Lion Tamer
Ex Lion Tamer ist der vierte Track vom Debütalbum von Wire. Obwohl Pink Flag nach Veröffentlichung im Dezember 1977 kein Kassenschlager war und sowohl im Rolling Stone als auch beim NME keine hohe Platzierung erzielte, gilt es heute als eines der wichtigsten Post-Punk-Alben, einem Genre, das bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierte. Ihrer Zeit quasi voraus, brachten Wire noch weitere Alben raus, die dem ersten Album beispielhaft folgten. Aber gerade Pink Flag hinterließ einen bleibenden Eindruck bei Kritikern und hatte Einfluss auf verschiedene Genres wie Hardcore, Post-Punk, Alternative Rock und sogar Britpop.
 

29. März | Devo – Mongoloid
Mongoloid war die erste veröffentlichte Single der amerikanischen New Wave-Band Devo. Der Song wurde nach der Erstveröffentlichung ein zweites Mal aufgenommen und schaffte es somit auf ihr Debütalbum Q: Are We Not Men? A: We Are Devo!, das 1978 auf den Markt kam.
Obwohl niemand geringerer als Brian Eno letzendlich derjenige war, der die Scheibe produzierte, drückten auch Iggy Pop und David Bowie Interesse daran aus. Das Lied, in dem es um einen Mann mit Down-Syndrom geht, der ein völlig normales Leben führt, ist das meistgecoverte in der Geschichte der Band.
 

22. März | Snatch – Stanley
Snatch war ein Punk-Duo aus zwei in London lebenden New Yorkerinnen, Patty Palladin und Judy Nylon. Als die beiden eines Tages die Langeweile packte, entschieden sie, sich ihre Zeit mit „was Kreativem“ zu vertreiben – Musik. Die einzige Konstante in ihrer Musik waren die beiden selbst, auch wenn sie immer gern mit weiteren Musikern zusammengearbeitet haben. In London sind sie dabei mit Szenengrößen wie den Sex Pistols und Roxy Music in Kontakt gekommen. Wie aber schon ihr Bandgefüge war auch ihre Veröffentlichungsstrategie recht lose. Songs wurden einzeln veröffentlicht, wenn sie eben fertig waren. Sporadische Gigs, sporadische Singles und sogar eine Kollaboration mit Brian Eno zogen sich von der Bandgründung in 1976 bis zu ihrer Auflösung in 1980.
 

15. März | Johnny Thunders & The Heartbreakers – Born To Lose

The Heartbreakers war eine der ersten Punkbands New Yorks, die sich 1975 um den Sänger Johnny Thunder gründete und daher auch als Johnny Thunder & The Heartbreakers bekannt wurde. Als 1976 die Punkszene in UK ebenfalls einen Aufschwung erhielt, ging das Quartett mit den Sex Pistols auf Europa Tour. Weniger als ein Jahr später veröffentlichten sie ihr erstes und einziges Studioalbum L.A.M.F., das so schlecht produziert war und so wenig Aufmerksamkeit erhielt, dass sich die Band aus Unzufriedenheit im Streit auflöste. Allerdings nicht für lange: für weitere Gigs rauften sie sich 1979 zusammen und waren letztlich bis 1990 aktiv. Frontmann Thunders wurde 1991 tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden und war der Grund für The Heartbreakers letztes Konzert: auf seiner Beerdigung.

 

8. März | Penetration – Money Talks
Penetration war eine der ersten Punkbands Großbritanniens. Gegründet hatte sie der Gitarrist Gary Chaplin, der auf die Idee kam, die Verwaltungsangestellte Pauline Murry, damals zarte 18 Jahre alt, als Sängerin für die Penetrators anzuheuern. Murray war begeistert, hatte selbst schon einige Konzerte der Sex Pistols besucht und war bereit für Riot. Im Jugendzentrum von Newcastle nahmen sie die ersten Demotapes mit einem schnöden Kassettenrekorder auf und ergatterten durch diese einen Platz im Vorprogramm von Generation X, der Band um Punkrocker Billy Idol. Money Talks ist die B-Seite ihrer ersten Single Don’t Dictate, die im September 1977 erschien. Zu Chaplins Unmut geschah das bei Virgin Records, einer Plattenfirma, die dem Gitarristen bei Weitem nicht Punk genug war. Er entschloss sich, die Band zu verlassen und seinen eigenen Weg zu gehen.
Penetration ließ sich Stück für Stück in den Mainstream treiben, was 1979 zu ihrer Auflösung führte. Sängerin Pauline Murray fand eine andere musikalische Berufung für sich: seit über 20 Jahren betreibt sie die Polestar Studios in Newcastle, die aus Proberäumen und einem Tonstudio bestehen.
 

1. März | Dead Boys – Sonic Reducer

Manchmal werden Songs erst zu Klassikern, wenn die Künstler das Zeitliche gesegnet haben. Vielleicht haben es die Dead Boys deswegen geschafft, mit ihrem Track Sonic Reducer in die Geschichte des Punk einzugehen. Die amerikanische Band aus Cleveland gilt als eine der ersten des Genres. Sonic Reducer ist das erste Lied auf ihrer 1977 veröffentlichten Debütplatte Young Loud and Snotty. Im Laufe der letzten vier Jahrzehnte ist es zahllose Male gecovert oder gesampelt worden – darunter von Bands wie Guns’n’Roses, Pearl Jam, Dozer und den Beastie Boys. Geschrieben wurde das Lied von David Thomas und Gene O’Connor. Beide spielten zu dieser Zeit bei Rocket from the Tombs, letzterer wechselte, nachdem die gemeinsame Bandzeit vorbei war, zu den Dead Boys. Das bis dahin unveröffentlichte Lied schaffte es, mit leicht abgewandeltem Text, auf das erste Studioalbum der Dead Boys. Das Thema des Songs könnte den Punk nicht besser einfangen: in ihm besingt das Quintett indirekt den Wunsch, den Punk aus dem Mainstream rauszuhalten und „underground“ zu bleiben. Nicht umsonst ist Sonic Reducer ein geflügeltes Wort in der britischen Umgangssprache für Anti-Mainstream-Musiker geworden.
 

22. Februar | The Jam – In The City
InTheCityAls The Jam im April 1977 ihre Debütsingle In The City veröffentlichten, erreichte sie auf Anhieb die Top 40 der britischen Charts. Die Spitzenpositionen waren der Single zwar verwehrt, aber der Song prägte dennoch das Thema, das von da an das frühe Werk von The Jam dominierte: Hymnen auf die Jugend. Damit schien die Band um den Godfather of Mod Paul Weller einen Nerv getroffen zu haben: alle 18 nachfolgenden Singles schafften es ebenfalls in die Top 40. Und böse Zungen mögen behaupten, die Sex Pistols hätten sich beim Intro von Holidays In The Sun bei der Akkordfolge von In The City bedient…
 

15. Februar | Generation X – Your Generation
generation-x-your-generation-1977-2Generation X sind in der Punkbewegung eigentlich zu vernachlässigen – wenn sie nicht die erste Band eines späteren Rockstars gewesen wären. Damals galten sie als zu glatt, zu melodisch und poppig und bezogen sich zu sehr auf die früheren britischen Popgrößen der 1960er, wie etwa The Beatles, The Kinks oder The Who – ein fatales Vergehen in den Augen vieler Punks, die von Anfang an auch vom Drang zur rigorosen Abgrenzung und Rebellion gegen die Selbstgefälligkeit der Babyboomer-Generation getrieben waren. Sich dann auch noch Generation X zu nennen, konnte fast nur als Provokation verstanden werden.
Doch bevor sie den Begriff überhaupt aus einem Buch über Jugendkultur aus den 60er Jahren entnahmen und als Bandname wählten, waren sie zuerst als Chelsea unterwegs. Im August 76 meldeten sich Gitarrist William Broad, Schlagzeuger John Towe und Bassist Tony James auf eine Anzeige in der Musikzeitschrift Melody Maker, bei der ein Sänger eine Band suchte – die hielt nur kurz, die drei machten schließlich als Generation X alleine weiter. Doch nicht nur in Sachen Besetzung und Bandname gab es grundlegende Veränderungen: William Broad drängte ans Mikrofon und nannte sich von da an… Billy Idol. Ihre erste Single Your Generation erschien schließlich ein Jahr später. Es folgten verschiedene Umbesetzungen, vier Alben und dann die Auflösung im Jahr 1981 – jemand in der Band hatte Größeres vor. Ihr dürft raten, wer.

8. Februar | Desperate Bicycles – Handlebars
desperate bicycles„It was easy, it was cheap – go and do it!“, ist der Schlachtruf, den Danny Wigley am Ende von Handlebars nach nur knapp einer Minute Geschrammel dahinrotzt. Es ist ein Satz, der die Band Desperate Bicycles und ihre Philosophie direkt auf den Punkt bringt: sie gelten als die ambitioniertesten Missionare der DIY-Kultur, haben es sofort verstanden, die Möglichkeiten auszunutzen, die ihnen die Punkbewegung eröffnete. Sie waren zwar nicht die ersten, die ihre Platte selbst veröffentlichten, aber sie waren die ersten, die es auf die Spitze trieben und sich nur gründeten, um auf ihrem eigenen Label Singles herauszubringen. Und so erschien Handlebars mit dem Song Smokescreen im August 1977 auf einer 7“ – beide jeweils einmal sowohl auf der A- als auch auf der B-Seite. Schlicht und einfach weil sie es konnten.
Eine Platte in Eigeninitiative zu veröffentlichen war damit nicht mehr nur ein Mittel zum Zweck, ein notwendiger Schritt auf dem Weg zum Ruhm, sondern war schließlich die Übertragung der Grundgedanken des Punks auf die Produktionsweise. Übersprudelnde Energie, raue Wut und einfache, freie Songstrukturen verdrängten die traditionellen Vorstellungen von Talent und Können beim Musikmachen und die Desperate Bicycles nutzten den Moment, um sich von den Einschränkungen von kommerziellen Ambitionen loszureißen und stattdessen einfach nur Musik zu machen.
 

1. Februar | The Damned – Neat Neat Neat
Neat_Neat_NeatNicht ein, nicht zwei, sondern gleich dreimal waren sie die Ersten. Knapp fünf Wochen bevor die Sex Pistols Anarchy in the UK einforderten, hatten The Damned, die ihre erste allererste Show noch als Support der Pistols gespielt hatten, bereits ihren Status der Unsterblichkeit klar gemacht. Denn sie waren es, die im Oktober 1976 die erste britische Punksingle überhaupt veröffentlichten. New Rose war die dritte 7“, die auf Stiff Records erschein, eines der wichtigsten Punk- und Wave-Independentlabels, und kam mit einer schnellen, rohen Coverversion des Beatles-Song Help! auf der B-Seite.
Beide Songs wurden zum Grundbestandteil ihrer Livesets und New Rose fand sich schließlich auch im Februar 1977 auf ihrer Debütplatte Damned Damned Damned. Und hier hatten sie wieder die Nase vorne, denn keine andere britische Punkband hatte zu diesem Zeitpunkt eine Langspielplatte veröffentlicht. Die zweite Single lieferten sie gleich mit: Neat Neat Neat mit seiner brachialen Geschwindigkeit und treibenden Bassline, die es in Bestenlisten geschafft hat, gilt bis heute als bekanntester Song von The Damned. Ihre Energie brachten sie dann im Frühling des Jahres auf US-Bühnen. Damit waren sie schließlich die ersten Briten, die ihren Punkrock über den Atlantik brachten. Das Triple war komplett.
 

25. Januar | The Clash – White Riot
The_Clash_UKSeit über 50 Jahren wird der Londoner Stadtteil Notting Hill am letzten Augustwochenende in eines der größten Straßenfeste der Welt verwandelt. Ins Leben berufen wurde der Carnival von der afro-karibischen Community um sich selbst zu feiern, vor allem aber auch als Reaktion auf die zunehmenden rassistischen Übergriffe auf die Schwarze Bevölkerung Großbritanniens. Das lokale Event wurde schnell zur Großveranstaltung und gleichzeitig auch zur gefühlten Bedrohung für Recht und Ordnung im Staat. Als 1976 die Polizei deshalb massiv ihre Präsenz erhöhte und mit Racial Profiling und Schikanen den feiernden Menschen den Spaß raubte, kam es zur Eskalation. Nach zwei Tagen musste sich die Polizei schließlich zurückziehen – die Straßenkämpfe wurde für die Schwarze Community in Notting Hill zum wichtigen Zeichen gegen Staatsrepression und institutionalisierten Rassismus.
Für Joe Strummer und Paul Simonen sollte das Wochenende auch gravierende Auswirkungen haben. Ihre Band The Clash kannte damals noch kaum jemand, sie waren wie tausende Andere nach Notting Hill gekommen, um zu feiern. Anfangs beteiligten sich die beiden an den Aufständen – bis sie realisierten, dass sie nicht in der gleichen Position waren. Dass es für sie als weiße Punks ein aufregendes Event war, sie aber nicht die Konsequenzen zu tragen hatten. Dass es nicht ihr Kampf war. Diese Erkenntnis inspirierte Sänger und Gitarristen Joe Strummer schließlich zum Song White Riot, der im März 1977 als erste Clash-Single direkt bis auf 38 der britischen Charts kletterte und den triumphalen Erfolg der kurz darauffolgenden Debütplatte schon dezent vorankündigte. Eine typisch schnelle, laute Punknummer mit einprägsamer Hook und mit einem Appell an die weiße Jugend: Wenn ihr rebelliert, dann gefälligst für einen guten Grund.
 

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