Bratze, Archie Bronson Outfit, The Avett Brothers, The Strange Boys und An Horse

Bratze mit “Korrektur nach Unten”


Preisfrage: Was ergibt ClickClickDecker plus Der Tante Renate? Genau: Bratze! Seit drei Jahren besteht die musikalische Liaison der Elekto-Frickler schon, nach dem Debütwerk „Kraft” kommt jetzt mit „Korrektur Nach Unten” Album Nummer zwei. Übrigens auf dem Label „Audiolith”. Und damit wären wir auch schon beim Kern der Sache. Denn wie jedes Signing auf dem Label, wird auch bei Bratze ordentlich gepoltert. Oder anders gesagt: Es wird gerockravt. Aber: Im Gegensatz zu den gefühlten vier Millionen anderen Bands, die irgendwas mit Gitarren und Wums-Bässen machen, haben Bratze zahlreiche Wortspielereien dabei und somit auch noch was zu sagen. Es wird also gerockravt, allerdings mit Hirn – was wir umso besser finden.

Archie Bronson Outfit mit „Coconut”

Es gibt sie, diese gefährlichen Albumtitel. Gefährlich, weil sie ungewollte Assoziationen zulassen oder latent lächerlich klingen. So geschehen beim Archie Bronson Outfit. Das neue Werk des Trios heißt schlicht: „Coconut”. Und lässt damit die Vermutung aufkommen, es könne sich schlimmes Liedgut darauf verstecken. Eine Cover-Vesion von „Wer hat die Kokosnuss geklaut” beispielsweise. Oder übercrazy Elektrolore-Quatsch. Oder vielleicht sogar der Soundtrack für einen Raffaello-Werbespot. Nein, Durchatmen! Die Briten klingen hier und da zwar recht raffaello-relaxed auf ihrem neuen Werk, sind aber dann doch eher bemüht einen herausragenden Soundbrei zu köcheln und geben gut Gas. Indie-Rock, Bubblegum-Pop und Disco-Hooks verklumpen nicht – wie so oft – sondern bleiben angenehm sämig. Kein Wunder eigentlich. Denn der Maître de Cusine war Tim Goldsworthy. Einer der beiden Köpfe des New Yorker DFA-Labels.

The Avett Brothers mit „I And Love And You”

Früher haben wir immer “Ein Colt für alle Fälle” im Fernsehen gekuckt und dachten uns, ob es wirklich so einen gibt? So einen kernigen Kerl für alle Fälle. Und ja, den gibt es wirklich! Er nennt sich allerdings Rick Rubin und hübscht hauptberuflich Songs und Alben von Musikern auf. Erst im letzten Jahr verhalf der Platten-Colt dem Trio Gossip zum steilen Aufstieg, in diesem Jahr soll dasselbe The Avett Brothers ereilen. (gesprochen: Eywitt) Die Brüder aus North Carolina haben mit ihrem Indie Folk Rock bereits mehr als zehn Alben gefüllt, aber ihr neuestes Werk dürfte dank Rubins Mitmischerei ihr bisher bestes geworden sein. „I And Love And You” strotzt nur so vor dem, was früher einmal Bruce Springsteen ausgemacht hat: Songs zum Hochkrempeln der Hemdsärmel, zum Abstürzen im Lieblingspub, zum Laut-Mitsingen auf dem Konzert. Vielleicht sollte sich der Boss fürs nächste Album auch mal Rubin holen, den Platten-Colt für wirklich alle Fälle.

The Strange Boys mit “Be Brave”

Alles Schwarz/weiß und alle sehen aus wie potentielle Bob Dylans in jungen Jahren. So stellt man sich einen Videoclip der texanischen Band The Strange Boys vor. Ob es den vielleicht sogar schon gibt? Gut möglich. Die Strange Boys werkeln immerhin schon seit 2001 vor sich hin und haben bereits 5 EPS und ein Album veröffentlicht. Mit „Be Brave” steht nun Werk Nummer zwei an und darauf gibt es vor allem eins: Bluesrock, wie er Mitte der sechziger gespielt wurde. Dreckig und rau klingt das, aber den Strange Boys ist noch etwas gelungen, was die wenigsten Retro-Kapellen hinbekommen: „Be Brave” klingt durch und durch authentisch. Wirklich so, als sei es 1967 in einer Hinterhofkaschemme eingespielt worden.

An Horse mit “Rearrange Beds”

Zuhause in Australien war man schon ganz pippi-langstrumpfesk außer Rand und Band. Der Grund: Das Zweiergespann An Horse. Das Duo verfolgt auf seinem Debütalbum „Rearrange Beds” ein ziemliches einfaches, aber umso wirkungsvolleres Prinzip: Gesanglich trifft Boy auf Girl und dazu ertönen eingängige Indie-Pop-Rock-Melodien. Verkürzt könnte man behaupten: An Horse sind die heterosexuelle Variante des kanadischen Duos Tegan & Sara. Zur Musik der aus Brisbane stammenden Duos ist man auf dem fünften Kontinent auf jeden Fall Stolz wie Bolle. Fehlte ja auch im musikalischen Bouquet des Landes. Zwischen ACDC und Empire of the Sun ist ja auch noch ein bisschen Platz.



 

 

19.03.2010

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