Crookers, Nervous Nellie, Black Rebel Motorcycle Club, Men Among Animals und Dan Le Sac vs Scroobius Pip

Crookers mit „Tons Of Friends”

Ausgerechnet “Thunderstruck” von AC/DC. Das was 2006 der erste Remix, den das italienische DJ-Duo Crookers veröffentlichte. Ein Track, dessen Elektro-Stakkato-Beats die Gitarren erwürgten. Das ganz klang übrigens eher nach Handtaschen-House für die Baumarkt-Beschallung als nach wirklich wegweisenden elektronischen Klängen. 2010 sieht das aber ganz anders aus. Denn die beiden Italiener haben sich – ganz dem Titel ihres Debütalbums „Tons of Friends” – Tonnen von Freunden ins Studio geholt. Kelis, Spank Rock, Soulwax oder auch Miike Snow rappen und singen sich die Seele aus dem Leib zu den stellenweise minimalen, stellenweise Italo-poppigen Sounds des Duos. Ihren letztjährigen Clubhit – ein Remix des Kid-Cudi-Songs „Day ‘N’ Nite – haben die Italiener übrigens nicht mehr auf ihr Debütalbum gepresst, was ja als Abwehrhaltung fast schon ein bisschen cool ist. Dafür aber gibt es schon mal einen Vorgeschmack auf die Rapkünste von Rye Rye, ein Ziehkind von M.I.A., deren Debütalbum schon heiß erwartet wird.

Nervous Nellie mit “Why Dawn Is Called Mourning”

Musik für den Waldschrat von heute. Das fällt einem als erstes ein, betrachtet man das Cover vom dritten Album der schwedischen Piano-Popper Nervous Nellie. Allerlei Bäume sind da nämlich abgebildet um auf „Why Dawn Is Called Mourning” einzustimmen. Hätten wir in der Schule aufgepasst, wüssten wir auch, dass es sich dabei um Birke und Tanne handelt und nicht einfach nur um „Baum”. Aber egal… Zurück zum Waldschrat. Also für genau diese Gattung haben die vier Schweden ein Album voller kuscheliger Piano-Pop-Nummern aufgenommen. Wer in den kommenden Monaten einen Trip ins Unterholz wagen sollte oder eben in eine einsame Hütte zieht, für den seien die gelegentlich schwermütigen Klänge der Schweden ans Herz gelegt.

Black Rebel Motorcycle Club mit „Beat The Devil’s Tatoo”

Bei ihren letzten Veröffentlichungen, legte sich so manche Kritiker-Stirn in Falten. Black Rebel Motorcycle Club tauschten auf ihrem 2005er Werk „Howl” E-Gitarren gegen Akustik-Instrumente aus und musikalisch ging’s in Richtung Folk. Eine neue Seite der Band aus San Francisco, die bei Fans und Presse allerdings eher für Irritation sorgte. Jetzt legen Black Rebel Motorcycle Club ihr 6. Studioalbum vor und schon der Name stellt klar, was die Hörerschaft erwartet: „Beat The Devil’s Tattoo” besinnt sich auf alte Stärken der Band – Bluesiger Indierock, zackige Gitarren und kraftvolle Drums – gespielt übrigens von Neumitglied Leah Shapiro, die damit Nick Jago an den Kesseln ersetzt. Die Kritiker-Falten werden hiermit also wieder richtig schön glattgebügelt!

Men Among Animals mit “Run Ego”

Vermodert und gruselig war sie, die Holzhütte, in der die fünf Dänen von Men Among Animals die Songs für ihr neues Album geschrieben haben sollen. Das behaupten die Jungs zumindest immer wieder mal gern in Interviews. Merkwürdig kühl klingen genau deswegen auch die Tracks auf „Run Ego” – was an dieser Stelle als absolutes Lob gemeint ist, denn das Dauer-Intim-Kuscheln mit manchen Bands geht uns mächtig auf die Nerven. „Run Ego” strotzt vor Überraschungen und damit baut das Quintett richtig schön Distanz zum Hörer auf. Hin und wieder geistert eine kleine Technikspielerei vollkommen unerwartet durch die Songs oder ein Talking-Heads-Moment huscht durch den Gesang. Erstaunlich, dass ausgerechnet in alten Hütten immer so frische Alben entstehen.

Dan Le Sac vs Scroobius Pip mit “The Logic of Chance”

Kann eine grandiose Idee noch mal funktionieren? Wir erinnern uns…„Thou Shalt Always Kill” von Dan Le Sac vs. Scroobius Pip war 2007 mit seinem sarkastischen Indie-Hass und seinen textlichen Pointen einer der besten Tracks der Nullerjahre. Nach dem dazugehörigen Album „Angles” folgt jetzt mit „The Logic Of Chance” Werk Nummer zwei. Und ja auch darauf feuert Scroobius Pip fast schon im stream-of-consciousness seine Gedanken raus. Und sofern man den British Accent einigermaßen dekodieren kann, schmunzelt man auch über die Textfetzen. Dan Le Sac hingegen feuert alles unter den Sprechgesang seines Buddies, was auf dem ehemaligen Techno-Label ZYX in den frühen Neunzigern als zeitgenössisch galt. Kurzum: Eigentlich alles beim Alten mit ein bisschen mehr Elektro-Spielereien in den Beats.



 

 

12.03.2010

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