Die besten Alben 2012

BIld von Non Event bei Flickr.com

Und wieder ein Jahr rum. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass Nichts bleibt. Und was könnte bleibender sein als Musik?! (Ok, Gerüche sind angeblich ähnlich bleibend, aber wahrscheinlich doch eher auf der unterbewußten Ebene – zählt nicht.) Also wollen wir euch mal ganz subjektiv vorstellen, welche Alben für uns am bedeutsamsten waren im Jahre 2012.

Wenn eure Lieblinge nicht dabei sind, zögert nicht, sie uns um die Ohren zu hauen. Hier im Kommentarbereich, auf Facebook oder bei Twitter – wir haben unsere derbst vernetzten Lauscherchen immer offen für euch. Auch zwischen den Jahren.

Und wenn euch nicht so nach reden, sondern mehr nach gucken ist, werft doch mal einen Blick auf die tollsten Videos aus 2012, die haben wir nämlich auch für euch zusammengestellt.

 

MILLENNIUM EDITION
von Fraktus

Es ist vielleicht der Coup des Jahres: Das Hamburger Comedy-Trio Studio Braun initiiert die Wiedervereinigung einer Band, die es nie gab. Und geht damit auch gleich noch auf Tour. Die Geschichte einer Band zu erfinden ist eine Sache. Doch um glaubhaft einen Bandmythos zu verkaufen, ist natürlich nichts so wichtig wie die Musik selbst, die Fraktus für die Musikgeschichte angeblich so unentbehrlich macht. Das ist dem Hamburger Trio auf „Millennium Edition“ so gut gelungen, dass man die Stücke des …ähem…„Best-Of“ Albums tatsächlich für einen lang vergessenen Schatz aus den Anfängen der Neuen Deutschen Welle halten könnte. Gesellschaftskritische Nonsenstexte, kalte Beats, Industrieschrott als Instrumente – alle Merkmale der in den frühen 80ern aufkeimenden deutschsprachigen Musikszene sind von Studio Braun perfekt getroffen.

 

DJANGO DJANGO
von Django Django

Es ist mindestens zwei Jahre her, dass ein kleiner Blog namens ‚The Blue Walrus‘ einige Songs einer britischen Band veröffentlichte. Wahrscheinlich bekamen das damals nicht viele Leute mit, aber die, die diese Lieder hörten, waren sich sicher: Da kommt was auf uns zu. Kam aber nicht. Django Django hieß das Quartett, das nach dem kurzen Hype in der Blogosphäre wieder in der Versenkung verschwand. Allerdings nur, um jetzt mit einem Knall in Form des Wahnsinnssongs „Default“ aus dem Unterholz zu preschen. Endlich erschien auch ihr schlicht selbstbetiteltes Debütalbum. Und das ist von vorne bis hinten so gut, so intuitiv, dass man den Mund gar nicht mehr zukriegt. Ein psychedelischer roter Faden schlängelt sich durch 8-Bit, Afro-Pop und Indie-Rock, so brilliant aufgenommen, dass man sich vorkommt wie im musikalischen 3D-Kino – als könnte man jedes Instrument einzeln anfassen! Wenn euch die momentane Musikszene furchtbar langweilt: Django Django ist eure Band.

 

IN OUR HEADS
von Hot Chip

„I feel like In Our Heads is made without any anxiety about how it all fits together, and so it’s in some ways a kind of jumble in to different moods and different sounds. People seem to be telling me, that it works well as a whole and more so than the other records, but I don’t know for what reason that is, there is no grand plan behind it – it might just be that we wrote better songs.” Alexis Taylor ist sich also nicht sicher, warum die neue Platte seiner Band Hot Chip besser funktioniert als die vorherige. Vielleicht zu meinen, weil sie sehr an die ersten beiden Alben der englischen Hipster House-Pioniere erinnert. Oder weil die Band diesmal von Anfang an einen konkreten Plan von ihrem Werk hatte. “We actually wrote all of the songs before we came into the studio, so we knew what we were trying to do. It was not one of those records where you would go into the studio wondering and wasting time, just going in and experimenting with the production of each track – two days by song was the rule.” Heraus gekommen ist eine Platte, die alle Kriterien von Hot Chip-Fans erfüllt: Texte, die bei jeder anderen Band als kitschig verschrien sind? Ja. Einsetzbar auf Ibiza und im Berliner Underground? Ohja. Himmelhoch jauchzend und zu Todebetrübt? Auch das. Hot Chip können eben fast alles…

 

HERE WE ARE
von Citizens!

Indie-Pop ist tot. Die großen Zeiten der Gitarrenbestimmten Melodien liegen zehn Jahre zurück. Heute entfährt dem geneigten Hörer da höchstens noch ein gelangweiltes Stöhnen. Fünf Jungs aus England hauchen dem totgeglaubten Genre jetzt Gott sei Dank neues Leben ein. Ihr Defibrillator arbeitet dabei mit Dub, Afro-Pop und kolumbianischer Volksmusik. Citizens! haben eben ihre eigene Auffassung, wie Musik klingen muss. Sänger Tom Burke dazu: “All you get to hear is music that sounds like it comes out of the same factory. So when we set out to make this record, we wanted it to sound like it came out of a workshop. And that’s why it’s important that there’s a lot of variation in what we do on the record. I enjoy hearing records where people push themselves and are ambitious to see what they can do.” Und deswegen sperrte sich die Band stundenlang mit Schellenringen und Rhythmusinstrumenten im Studio ein, um vielschichtige Geräuschkulissen zu kreieren. Oder sie musizierten mit offenem Fenster, so dass man in einigen Songs die Vögel aus dem Garten ihres schottischen Studios hören kann. Produziert wurde ihr Debütalbum „Here We Are“ übrigens von Franz Ferdinand-Sänger Alex Kapranos. Here they are!

 

THE HAWK, THE BEAK, THE PREY
von Me And My Drummer

Keine Band ist momentan so heiß wie diese. Seit dem Erfolg ihres Songs „You’re A Runner“ mussten die Shows des Berliner Duos Me And My Drummer in immer größere Hallen verlegt werden, das Debütalbum wird sehnlichst erwartet, aber woran liegt’s? Charlotte Brandi und Matthias Pröllochs haben eine Art Zauber in ihrer Musik, den man vielleicht von der britischen Band Lamb kennt. Eine Ruhe, der ein Sturm innewohnt. Drummer Matthias sieht das so: “Wir sind Fans von Songs die sich auftürmen und Spannung erzeugen und sich irgendwann in einem großen Ausbruch entladen. Eigentlich wie ein Gewitter… wir sind eine Gewitter-Band!“ Und dieses Gewitter entlädt sich auf dem Debüt „The Hawk The Beak, The Prey“ nun vollends. Ob ein 30-köpfiger Chor, die facettenreiche Stimme von Sängerin Charlotte, das markante Klavier – Me And My Drummer haben viel hörbares Herzblut in dieses Album gesteckt.

 

BODY FAUCET
von Reptar

Reptar. Nein, die haben sich unmöglich nach dieser Godzilla-Parodie aus ‘Rugrats’ benannt, denkt man wenn man zum ersten mal etwas von dieser Band aus Athens, Georgia hört. Aber 1. Haben sie doch, und 2. Solltet ihr euch diesen Namen gleich mal sehr gut merken. Denn Reptar sind die lebendigste, spannendste und bunteste Band dieses Sommers. Zum einen musikalisch: Das ist Indie-Pop, ja, rhythmisch aber so sehr im Afro-Pop verwurzelt, dass man selbst bei den ruhigeren Songs eben keine Ruhe findet. Dann hätten wir die Stimme von Sänger Graham Ulicny, die klingt mal als würde er in einer Höhle leben, mal hell wie die von Patrice. Und damit kräht er sich durch diese zwölf Songs auf „Body Faucet“, die auch thematisch einfach so anders sind. Es geht um Schwulenikonen, das Gas, das macht das Berge blau aussehen, Planeten…. Naturwissenschaften sind überhaupt das Lieblingsthema dieses Quintetts. Und bevor wir hier jetzt noch euphorischer werden: Kauft euch einfach dieses Album.

 

RISE YE SUNKEN SHIPS
von We Are Augustines

Eigentlich waren We Are Augustines schon mal auf dem Weg ganz nach oben – damals noch zu viert und unter dem Namen Pela. Deren einziges Album heimste viel Kritikerlob ein, doch die Band zerbrach kurz nach Veröffentlichung am Druck der Musikindustrie. Und doch hatten zwei der Bandmitglieder zu viel zu erzählen, als das sie es hätten sein lassen können: eine psychische Krankheit in der Familie, einen Bruder, der sich während der Plattenaufnahmen das Leben nimmt, die Kindheit bei Pflegeeltern. „Rise Ye Sunken Ships“ erscheint da wie ein Schlachtruf, ein Aufschrei gegen das Untergehen. Eric Sanderson und Billy McCarthy arbeiten auf ihrem Debüt ihre Vergangenheit auf und tun das auf eine Weise, die auch hartgesottenen Jungs, die Haare zu Berge stehen lässt. Erdig-warme Rockmusik unter einer der markantesten Stimmen 2012 – wir sind Fans.

 

THE DANGER OF LIGHT
von Sophie Hunger

Sophie Hunger gilt nicht als einfache Person, sie sei – wie die Jazz- und Bluesmusiker eben so sind – eine introvertierte, ernste Frau. Doch trifft man die cosmopolite Schweizerin, ist man überrascht: sie ist keine introvertierte Frau, die ihre Musik überernst nimmt, sondern eine offene, quirlige junge Dame . The Danger Of Light ist das dritte Album der 29jährigen und es fühlt sich an, als hätte Hunger ihren Platz gefunden – entspannt und sexy, melancholisch und scharfzüngig auf Französisch, Deutsch, Englisch und Schweitzerdeutsch präsentiert sie die elf Songs. Angst vor dem Licht, wie ihr Albumtitel es suggeriert, muss sie aber nicht haben: The Danger Of Light trägt die große Geste Sinatras, das Politikum Bob Dylans und den Drive der Aristocats in sich und zeigt in seiner Gesamtheit das Bild einer Musikerin, die mit sich selbst im Reinen ist.

 

SOS – SAVE OLLI SCHULZ
von Olli Schulz

Wie soll man das ganze Ausmaß eines wortgewandten Singer/Songwriter und Entertainer von der Statur eines Olli Schulz nur in Worte fassen? Auf seiner neuen Platte macht er das selbst wohl am besten. Was man erst einmal mit Sicherheit sagen kann: „SOS“ wurde unter der Regie von Moses Schneider aufgenommen, das heißt: Alle Instrumente in einem Raum, die Songs werden live eingespielt. Dadurch wird zum ersten Mal auch auf Platte der Live-Charme des Wahlberliners eingefangen. Diese bewusste „Rohheit“ ist es dann auch, die die Songs unvermittelt auf den Hörer niederprasseln lässt. Dadurch werden die traurigen Songs noch trauriger und die lustigen lustiger. Die unprätentiösen und vielleicht gerade deswegen so großen Texte tun ihr übriges, um „SOS Save Olli Schulz“ zur bisher wohl besten Olli Schulz-Platte zu machen.

 

VISIONS
von Grimes

Man stelle sich das mal vor: Treffen sich DAF, Enya, Vanessa Paradis und die mit der quietschigen Stimme von Die Antwoord – und dann nehmen alle zusammen ein Album auf. Klingt nach einer Überdosis Phantasie, aber Claire Boucher a.k.a. Grimes klingt genauso. Und auch wenn „Visions“ schon ihr drittes Album ist, gilt die Dame als eine der großen musikalischen Hoffnungen des Jahres. Manchmal dauert es eben ein bisschen, bis der Funke überspringt – dafür brennt dieses Album nun umso heller. Tief dunkle und manchmal bunt-schillernde Musik-Betten treffen auf raumgreifende Vocals, IBM trifft Plastik-Pop. Beschreiben kann man diesen Sound nur schwer – lieben dafür umso einfacher.


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25.12.2012

4 Kommentare zu “Die besten Alben 2012”

  1. guthörer

    04. Januar 2013 um 11.24 Uhr

    Interessante Dinge dabei, nicht alles so mein Ding aber zum Glück weitab vom Mainstream.

    Grüße aus Wien & don’t forget:
    guteshoerenistwichtig

    http://guthoerenistwichtig.wordpress.com/2013/01/02/meine-abrechnung-mit-2012-es-muss-gehen-andere-tun-es-doch-auch/

  2. Alexander Willrich - Blog: meine Jahres-Charts der besten Alben 2012

    31. Dezember 2012 um 10.09 Uhr

    [...] haben nun auch ihre Hitlisten veröffentlicht. Die kann man sich bei It’s All Indie und bei FluxFM [...]

  3. sa_hne

    30. Dezember 2012 um 21.20 Uhr

    die ärzte … haha!

  4. Marie

    28. Dezember 2012 um 14.00 Uhr

    Warum ist die neue die ärzte CD nicht dabei? Di gehört auf jeden Fall mit rein!! :) :)

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