
Was macht jemand, der mit seiner Band schon alles erreicht hat? Richtig, er startet eine Solokarriere. Nachdem Thom Yorke schon einige Ausflüge vorgelegt hat, steht nun auch der Schlagzeuger von Radiohead, Philip Selway, in den Startlöchern. Auf seinem Debüt “Familial” findet aber keine Experimental-Schlacht statt, wie man in Hinblick auf seinen Hauptarbeitgeber vermuten könnte. Selway legt hier die Drum-Sticks beiseite und macht Platz für melancholische Akustikgitarren, dezente Elektro-Elemente und seinen meist gehauchten Gesang.

Kein Reggae – keine Rastalocken. Jamaica machen Indierock made in Frankreich.
„No Problem” heißt ihr erstes Lebenszeichen und der Titel scheint Programm zu sein. Das Trio aus Paris Indie-Rockt munter drauf los und macht Musik Marke „unbeschwert”. Am markanten Disco-Sound schraubten keine geringeren als Peter J. Franco und Xavier de Rosnay von Justice. Ein Einfluss, der auf „No Problem” immer wieder durchschimmert. Jamaica verkörpern den typischen Indie-Disco-Sound, wie man ihn schon länger aus Frankreich kennt. Sehr tanzbar, sehr eingängig, aber nicht wirklich neu.
Philipp Poisel mit „Bis nach Toulouse”

Schon der Titel seines 2008er Debüts „Wo fängt dein Himmel an”, ließ vermuten, dass hier mal wieder Songthema Nummer 1 verwurstet wird: Die Liebe! Philipp Poisels zweites Album heißt nun „Bis nach Toulouse” – der Titel also etwas subtiler, inhaltlich ist aber alles beim Alten. Schmachtmusik mit Texten über gebrochene Herzen. Man muss der Fairness halber aber festhalten, dass Philip Poisel verdammt gut schmachten kann. Schon der Opener „Wie soll ein Mensch das ertragen” treibt Liebeskummernden wahrscheinlich Sturzbäche in die Augen. Zum Ende der Platte ist die Taschentuchpackung dann definitiv leer. Aber auch allen anderen, deren Beziehungsleben in Ordnung ist, kann man dieses Album nur empfehlen.
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