Radio Arty mit Henry Woller

…mit den Ohren gucken!

Berlin ist nicht nur Hauptstadt der Musik, sondern auch Hauptstadt der Kunst. Und damit die auch mal zu Wort kommt, reißt Yaneq jeden Donnerstag die Ohren ganz weit auf und lädt sich die passenden Gäste aus der Szene ein.

Er informiert, welche spannenden Künstler gerade in der Stadt sind und welche Vernissage man auf keinen Fall verpassen sollte. Danach wird die maßlose Fülle an Galerien, Vernissagen, Aktionen und Auktionen keinen mehr schocken.

Radio Arty – Kolossale Musik, krasse Kunst und kulturelle Kollateralschäden – eine Stunde MotorFM zum Einrahmen und an die Wand hängen.

Group Material, 125 x 220 cm, Öl / Leinwand, 2010

Group Material, 125 x 220 cm, Öl / Leinwand, 2010

Herbst 
der 
Gammler.
Versuch 
einer
 Biografie.

Eigentlich
 wollte
 ich
 Rockstar
 werden.
 Weil
 aber
 irgendeine
 böse
 (vielleicht
 aber
 auch gute
 )Fee
 mich
 vor
 dem
 beschützt
 hat
 was
 ich
 mir
 wünschte,
 lenkte
 sie
 meine
 Schritte irgendwann,
 so
 vor
 circa
 12
 Jahren
 in
 den
 Künstlerbedarf
 in
 der
 Bergstraße
 in
 Mitte,
 wo ich
 mir
 sofort
 eine
 ein
 mal
 eins‐sechzig
 große
 Leinwand
 und
 Ölfarben
 gekauft
 habe,
 den Laden
 gibt
 es
 heute
 nicht
 mehr.
Daß 
ich
 damit
 eine
 Entscheidung
 getroffen 
hatte,
 wusste ich
 damals
 zum
 Glück
 nicht.
 Jedenfalls
 habe
 ich
 dann
 noch
 ein
 paar
 Jahre
 in verschiedenen
 Combos
 rumgedaddelt
 und
 mich
 nebenbei
 mit
 großer
 Freude
 durch
 die ganzen
 Schrottgebirge
 gepinselt, 
da
 muss 
jeder 
durch.

Erschuetterung, 50 x 63 cm, Acryl u Tusche / Papier, 2010

Erschuetterung, 50 x 63 cm, Acryl u Tusche / Papier, 2010

Genau
 genommen
 muss
 ich
 aber
 sagen,
 das
 mit
 der
 Kunst
 war
 schon
 eine Wiederentdeckung
,
Ich
 habe 
als
 Kind 
immer
 ganz
 viel 
gezeichnet,
galt,
 wenn 
ich
 das
 mal so
 sagen
 darf,
 als
 „Talent”,
 hatte
 aber
 aus
 verschieden
 Gründen
 nie
 sonderliches Interesse
 daran,
 
 mich
 dahin
 gehend
 zu
 professionalisieren
 und
 ließ
 meine
 Gabe veröden.
 Ich
 habe
 mir
 dann
 aber
 später
 irgendwann
 gesagt,
 dass
 das
 ja
 eigentlich
 blöd war
 und
 hab
 dann
 eben
 einfach
 so
 und
 ohne
 große
 Ambitionen
 wieder
 
 angefangen
 zu malen,
 es
 war
 das
 natürlichste
 der
 Welt.
 Eigentlich
 sollte
 das
 ein
 Hobby
 sein,
 neben
 der Musik,
 dann
 wuchs
 sich
 das
 aber
 irgendwie
 aus
 und
 irgendwann
 saß
 ich
 eben
 zu
 Hause, vertieft
 in
 ein
 neues
 Bild
 und
 dachte
 mir:
 Heute
 Abend
 Probe?
 
 Kein´
 Bock
 drauf
 .
 Als dann
 wieder
 mal
 eine
 meiner
 Combos
 das
 Zeitliche
 gesegnet
 hatte,
 habe
 ich
 das geradezu
 als
 eine
 Erlösung
 empfunden
 und
 habe
 mich
 dann
 lustvoll
 in
 das
 schwarze Loch
 einer
 Bohémienexistenz
 fallen
 lassen,
 wie
 sie
 klischeehafter
 nicht
 hätte
 sein können.
 Die 
Einzelheiten 
will 
ich
 mir 
sparen,
 nur
 so viel:
 die
 Ohren
 sind
 noch 
dran.

Ruebnn Acka, 70x100, Tusche, Bleistift und Acryl auf Papier

Ruebnn Acka, 70x100, Tusche, Bleistift und Acryl auf Papier

Dann
 hat
 sich
 über
 die
 Jahre
 so
 eine
 Art
 eigener
 Stil
 zusammengeschoben,
 wobei
 ich sagen
 muß,
 das
 mit
 den
 Zeichnungen
 kam,
 wie
 viele
 gute
 Sachen,
 eher
 so
 aus
 der
 Not heraus.
 Ich
 hatte
 kein
 Geld
 mehr,
 konnte
 mir
 beim
 besten
 Willen
 keine
 Ölbilder
 mehr leisten
 und
 musste
 so
 notgedrungen
 auf
 das
 einzige
 umsteigen,
 was
 ich
 überhaupt
 noch bezahlen
 konnte:
 Schwarze
 Tusche
 und
 Papier.
 Und
 durch
 diese
 Zwangsbeschränkung hat
 sich
 dann
 ein
 ganz
 anderer
 Horizont
 eine
 ganz
 andere
 Herangehensweise
 eröffnet, für
 die
 ich
 bis
 heute
 dankbar
 bin.
 Die
 Schrift
 und
 die
 Wörter
 und
 die
 Texte
 übernahmen plötzlich
 eine
 merkwürdige
 Macht
 in
 den
 Bildern,
 seltsame
 Gebilde
 irgendwo
 im Zwielicht
 zwischen
 Gegenstand
 und
 Ornament
 und
 Slogan
 umkränzten
 klassizistische Figuren
 und
 Architekturbruchstücke
 aus
 dem
 Leichenschauhaus
 der
 Kunstgeschichte. Als
 hätten
 van
 Dyck
 ,
 Beckett
 und
 Takashi
 Murakami
 
 zusammen
 im
 Suff
 ein
 öffentliches Klo
 beschmiert. Diese
 neuen
 Bilder
 fanden
 dann
 auch
 große
 Zustimmung
 in
 meinem Kunstszenenbekanntenkreis,
 der
 sich
 über
 die
 Jahre
 auf
 wundersame
 Weise
 aufgebaut hatte
 und
 ich
 bekam
 dann
 nach
 und
 nach
 immer
 mehr
 und
 immer
 bessere Ausstellungen,
 die
 mir
 eine
 gewissen
 Ruf
 verschafften
 und
 seitdem
 geht
 es
 weiter. Mittlerweile
 habe
 ich
 eine
 reale
 Chance
 reich
 und
 berühmt
 zu
 werden,
 aber
 wen
 juckt das
 schon,
 ob
 noch
 eine
 angepasste
 neokonservative
 Karrieristennase
 im
 Maybach durch
 die 
Gegend
 fährt.

‐Henry
Woller



 

 

18.06.2010

RADIO ARTY

Donnerstag 19 Uhr
Samstag 16 Uhr
Dienstag 0 Uhr

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