Radio Arty mit John Bock und Heiner Frantzen

…mit den Ohren gucken!

Berlin ist nicht nur Hauptstadt der Musik, sondern auch Hauptstadt der Kunst. Und damit die auch mal zu Wort kommt, reißt Yaneq jeden Donnerstag die Ohren ganz weit auf und lädt sich die passenden Gäste aus der Szene ein.

Er informiert, welche spannenden Künstler gerade in der Stadt sind und welche Vernissage man auf keinen Fall verpassen sollte. Danach wird die maßlose Fülle an Galerien, Vernissagen, Aktionen und Auktionen keinen mehr schocken.

Radio Arty – Kolossale Musik, krasse Kunst und kulturelle Kollateralschäden – eine Stunde MotorFM zum Einrahmen und an die Wand hängen.

John Bock, FischGrätenMelkStand, 2010 // Foto: Jan Windszus, © 2010 John Bock

John Bock, FischGrätenMelkStand, 2010 // Foto: Jan Windszus, © 2010 John Bock

Heute (1. Juli) zu Gast bei Yaneq: John Bock und Heiner Frantzen

FischGrätenMelkStand ist der Titel des großen Abschlussprojekts der Temporären Kunsthalle Berlin, das der Künstler John Bock kuratiert. Wie die vorangegangenen von Künstlerinnen und Künstlern kuratierten Ausstellungen stellt auch sein komplexes Konzept eine ausgeprägt subjektive künstlerische Perspektive in den Mittelpunkt.

Für FischGrätenMelkStand hat John Bock eine virtuose Meta-Struktur entwickelt, in der Werke von 62 Künstlern, Architekten und Komponisten installiert werden. Der aus der Milchviehwirtschaft entlehnte Begriff bezeichnet die formale Struktur eines Gruppenmelkstandes und ist titelgebend für die elf Meter hohe Stahlkonstruktion, die auf vier Ebenen unterschiedliche Raumsituationen schafft und die einzelnen Arbeiten in einer Art Gesamtkunstwerk vereint. Die begehbare Installation hat nahezu die Dimensionen eines Berliner Mietshauses, mit einer Grundfläche von ca. 150 qm pro Etage. Die darin eingepasste, provisorisch wirkende Raumarchitektur besteht unter anderem aus einem Materialsammelsurium von Autoreifen, Wellblech, Decken, Netzen, Socken und verbrannten Pizzas.

Im Gegensatz zum klassischen White Cube bietet dieses Szenario den ausgestellten Arbeiten alles andere als einen neutralen Rahmen. Innerhalb der gleichermaßen funktionalen wie grotesken Struktur fusionieren die Kunstwerke mit dem sie umgebenden Raum. John Bock erzeugt in dieser Ausstellung überraschende poetische, formale sowie inhaltliche Verknüpfungen und Widersprüche, die auf Popkultur, Architektur, Film, Wissenschaft und Alltag ebenso Bezug nehmen wie auf Parapsychologie, Musik und Mode. Die Betrachter sind dazu eingeladen, sich darin selbst auf eine Entdeckungsreise zu begeben. In seinen eigenen Arbeiten befasst sich John Bock mit offenen Strukturen, für die er absurde Formen von ebenso verspielter wie zwingender innerer Logik findet. Aus dem Ineinandergreifen verschiedener Medien – Skulptur, Installation, Film, Performance – entsteht sein vielfältiges Werk, innerhalb dessen der Künstler häufig selbst als Protagonist auftritt und in unübersichtlichen, surrealen Versuchsanordnungen seinen Kosmos erläutert. Für FischGrätenMelkStand dreht John Bock dieses Prinzip um und erlaubt dem Betrachter, an seiner Stelle das prekäre Gebilde und die bizarren Raumkonstellationen und –installationen zu erforschen.

John Bock (geb. 1965 in Gribbohm) lebt und arbeitet in Berlin.




FischGrätenMelkStand, Ausstellungsansichten
Temporäre Kunsthalle Berlin 2010
Fotos: Jan Windszus, © Temporäre Kunsthalle Berlin, John Bock



 

 

04.07.2010

RADIO ARTY

Donnerstag 19 Uhr
Samstag 16 Uhr
Dienstag 0 Uhr

Anzeige

Dein Kommentar

Erforderlich
Erforderlich, Wird nicht veröffentlicht

Heute läuft