Radio Arty mit Madeleine Boschan

…mit den Ohren gucken!

Berlin ist nicht nur Hauptstadt der Musik, sondern auch Hauptstadt der Kunst. Und damit die auch mal zu Wort kommt, reißt Yaneq jeden Donnerstag die Ohren ganz weit auf und lädt sich die passenden Gäste aus der Szene ein.

Er informiert, welche spannenden Künstler gerade in der Stadt sind und welche Vernissage man auf keinen Fall verpassen sollte. Danach wird die maßlose Fülle an Galerien, Vernissagen, Aktionen und Auktionen keinen mehr schocken.

Radio Arty – Kolossale Musik, krasse Kunst und kulturelle Kollateralschäden – eine Stunde MotorFM zum Einrahmen und an die Wand hängen.

Kalt, modern und teuer

Meinen Arbeiten liegt die Methode des Sammelns und Weiterverarbeitens zu Grunde.
Meist verwende ich Materialien, wie Holz (Holzlatten, Furnierholz) und Metall, aber auch Alltagsgegenstände und Fundstücke wie Laminat, Stoff, Autoteile, Jalousien, Stuhlkissen und- Beine, etc., die mit Autolack gesprayt, mit Farben überzogen, in ihrer Ausgangsform von mir modifiziert und assembliert werden.

Einerseits belegen die skulpturalen Objekte zwar noch ihre ursprüngliche Funktion, erfüllen diese aber nicht mehr. In einem neuen formalen Zusammenhang verwischt sich die ursprüngliche Bedeutung der Einzelstücke.
Arm veredelt durch beispielsweise Gold- und Silberspray, gebeizt oder getaucht in Hochglanzlack, erfahren sie eine neue Substanz und suggerieren einen Wert, der letztlich symbolisch ist. Vorangehende Ideenskizzen auf Papier, die das Wesentliche einer von mir geplanten Arbeit notieren, helfen den Arbeitsprozess mit dem Material in Gang zu bringen.

Es entwickelt sich beim Zeichnen das Bedürfnis nach einem ganz bestimmten. Wie die Materialien zu mir kommen, ist sehr unterschiedlich, es ist eine Mischung aus Vorgefundenem und Gekauftem, so wie selbst gefertigten Objektteilen.

Die Kombinationsmöglichkeiten widersprüchlicher Materialien komponiere ich direkt am Objekt und fixiere sie daraufhin, oft nur mit Draht, Gaffa Tape, Kabelbindern oder Schrauben, so bleiben sie bewusst fragil. Daraus resultiert das Mobile, das Bewegliche, das immer wieder Neue, so dass die Elemente nicht fix am Objekt sind, sondern sich immer wieder neu im Raum selbst orientieren.

Ich arbeite mit einer von mir ausgewählten Palette aus Substanzen, und übergieße Teile mit industriellen Lacken oder bestäube sie mit Pulvern (Messingstaub, Marmormehl, Harzgranulat, etc). Es ist ein Vorgang der Steigerung oder Dämpfung der jeweiligen Partien des Objekts auf dem ich sie zur Anwendung bringe. Es gibt Teile, die glänzend sind und andere wieder matt. Farben, Substanzen und verschiedene Pulver temperieren den Grad der emotionalen Wirkung, die sie hervorrufen sollen und verleihen ihnen den jeweils beabsichtigten Charakter.

Die Unvollständigkeit der Fundstücke, schroff Zerschnittenes, Zerstörtes, reflektieren für mich die grundlegende Frage alltäglichen Scheiterns. Fehler und Missgeschicke sind spannend für mich, sie selbst können eine neue Arbeit generieren. Antrieb meiner Arbeit sind Zweifel, Enttäuschung und Verlust, modifiziert beleuchte ich diese.

Vorwiegend arbeite ich mit Auto- Werkstattleuchten, die ich entkleide, ihnen ihren Schutz nehme. So wird die Fragilität der Konstruktion sichtbar, konträr ihres eigentlichen Sinnes.

Das fortlaufende Multi-Media Projekt „un chien adalbert” ist eine Kooperation mit dem Künstler Daniel Kannenberg. An verschiedenen Orten erzählt das Aufeinandertreffen skulpturaler Elemente, bewegter Bilder und Ton, die paradoxe Geschichte einer schlafenden und doch hellwachen, französischen Bulldogge.
Die fünf anderen Skulpturen der aktuellen Austellungen suchen verstärkt den Anschluß an den Umraum und oszillieren zwischen Interieur und autonomer, formaler Position.
Madeleine Boschan



 

 

05.08.2010

RADIO ARTY

Donnerstag 19 Uhr
Samstag 16 Uhr
Dienstag 0 Uhr

Anzeige

Dein Kommentar

Erforderlich
Erforderlich, Wird nicht veröffentlicht

Heute läuft