
…mit den Ohren gucken!
Berlin ist nicht nur Hauptstadt der Musik, sondern auch Hauptstadt der Kunst. Und damit die auch mal zu Wort kommt, reißt Yaneq jeden Donnerstag die Ohren ganz weit auf und lädt sich die passenden Gäste aus der Szene ein.
Er informiert, welche spannenden Künstler gerade in der Stadt sind und welche Vernissage man auf keinen Fall verpassen sollte. Danach wird die maßlose Fülle an Galerien, Vernissagen, Aktionen und Auktionen keinen mehr schocken.
Radio Arty – Kolossale Musik, krasse Kunst und kulturelle Kollateralschäden – eine Stunde MotorFM zum Einrahmen und an die Wand hängen.
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Photo:( cc) Stefan Kaz
KUNST IM FICHTEBUNKER IN BERLIN-KREUZBERG
Einen passenderen Ort als den Fichtebunker im beliebten Graefekiez hätten die Veranstalter der Ausstellung „now open for off season.
Endzeiten in der Gegenwartskunst” kaum finden können. Vom 16. Juli bis 22. August 2010 werden in dem geschichtsträchtigen und viele Jahre unzugänglichen Bau Werke zeitgenössischer Künstler präsentiert, die sich dem Thema „Endzeit” widmen. Die Ausstellung ist der Auftakt eines neuen Ortes der Kunst in Berlin.
ALTES THEMA – JUNGE KUNST
„Endzeit” – ein unvergängliches Thema. Von der Erwartung der Apokalypse im Frühchristentum über die verheerenden Ereignisse zweier Weltkriege bis hin zur medienwirksamen Hysterie vor der Jahrtausendwende. Die Erde müsste schon etliche Male explodiert sein, um der Angst aller Untergangsgläubigen gerecht zu werden. Auch in der Kunstgeschichte haben Endzeitvorstellungen eine Jahrhunderte alte Tradition. Von Bosch und Dürer über Goya bis hin zu Dix, sie alle gestalteten Visionen religiöser, gesellschaftlicher oder ganz persönlicher Endzeiten. Wie reagieren Künstler heute, wo Berichte über Finanzkrise, Terror und Naturkatastrophen alltäglich sind, auf derartige Endzeitstimmungen? Mit reinem Zitat? Mit ehrlichem Pathos? Mit der Verarbeitung des individuellen Leids? Oder das vermeintliche Ende gar als Anfang begriffen, als Beginn einer völlig neuen Zeit?
Die Ausstellung versammelt rund 40 Werke von 25 Künstlern, die sich in Malerei, Zeichnung, Installation und Video auf individuelle Weise – mal gegenständlich, mal abstrakt, mal sinnlich, mal konzeptuell – mit dem
weiten Themenfeld „Endzeit” auseinandersetzen.
AUSSTELLUNGS-NEULAND
Konzipiert und organisiert wurde die Ausstellung von der Seminargruppe „Kuratorische Praxis” des Kunsthistorischen Instituts der Freien Universität Berlin unter der Leitung der Kunstwissenschaftlerin und freien Kuratorin Anna-Carola Krausse. Nachdem sich die Studierenden im Herbst letzten Jahres auf das Thema „Endzeit” geeinigt hatten, gingen sie in Kunsthochschulen, in Ateliers und Ausstellungen auf Werksuche. So vereint „now open for off season” nun Arbeiten von Studenten und Meisterschülern der Berliner und Dresdner Kunsthochschulen sowie internationaler, in Berlin lebender Künstler. Einige Arbeiten wurden extra für die Ausstellung geschaffen, viele sind erstmals öffentlich zu sehen.

Markus Hoffmann - Sanctuary - 2006
now open for off season
Endzeiten in der Gegenwartskunst
16. Juli – 22. August 2010
ÖFFNUNGSZEITEN
Do-So, 15-21 Uhr, Eintritt frei,
Hinweis: Raumtemperatur 13-15°C
ANFAHRT
U7 Südstern, M41 Körtestraße

photo: (cc) Stefan Kaz
DER FICHTEBUNKER
Auch der Bunker selbst ist einen Besuch wert. Von außen ist er kaum als solcher zu erkennen, befindet er sich doch im Inneren eines alten Gasometers, das 1874 von einem Schüler Schinkels nach dessen Entwürfen für eine Rundkirche erbaut wurde. Ende 1940 wurde der Industriebau zu einem ungewöhnlich gut ausgestatteten Vorzeige-Bunker umgerüstet. In der Nachkriegszeit als Wohnheim und später als Lager der Senatsreserve genutzt, soll der Fichtebunker – auf dessen Dach sich heute exklusive Apartments befinden – zukünftig als dauerhafter Ausstellungsraum der neu gegründeten museumsWERK gmbh dienen.
DIE KÜNSTLER – eine Auswahl

Bettina Düesberg - OT - 2007
Bettina Düesberg
Ist es Furcht, Spannung oder etwa Überraschung, die das Mädchen auf Düesbergs Gemälde die Hände vor den Mund halten lässt? Wie das weite Themenfeld „Endzeit” selbst, bewegt sich das Titelbild der Ausstellung zwischen Spannung und Erwartung, Hoffnung und Schrecken und schließlich: Anfang und Ende. Der uneindeutige Ausdruck des Mädchens sei wie ein „Spiegel des Betrachters”, abhängig von dessen Charakter und Gefühlslage, meint die 48- jährige Künstlerin. Ein Großteil ihrer Bilder zeigen Menschen: Oft erscheinen sie gespalten und stets feinfühlig psychologisch durchdrungen. Manchmal involviert sie die Besucher ihrer offenen Atelier-Galerie in Kreuzberg sogar in den Malprozess, macht sie zu ihrem Modell oder spontanen Musen.
Diana Sprenger
1981 in Leipzig geboren, studiert an der Universität der Künste in Berlin. In ihren bedrückend persönlichen, den Akt des Malens offen legenden Werken verarbeitet sie ihre veränderte Wahrnehmung des Visuellen an der Grenze zum Erblinden. Immer wieder reibt sie die Motive von der Leinwand, beginnt und empfindet erneut – bis irgendwann aus den Fetzen vergangener Wahrnehmungen ein Ganzes entsteht. Manchmal gegenständlich, manchmal vollends abstrakt. „Was macht die Präsenz eines Menschen aus? Wo hört die Erscheinung einer Person auf und wie geht sie in den Raum über?”, fragt Sprenger. Jedes Gemälde gibt eine eigene, gültige Antwort.
Kan Yamamoto
ist 1981 in Kochi (Japan) geboren und studiert an der UdK Berlin. Es klingt widersprüchlich, wenn Künstler den Bildern nicht mehr trauen. Doch spätestens wenn Andy Warhols „Marilyn” uns zehnfach entgegen lächelt, glaubt man ihrer Miene nicht mehr. „Wir nehmen die Welt unbewusst als ein Zusammenspiel von Bildern wahr. Die Medien bewirken daher eine gemeinsame Weltanschauung, die man für gewöhnlich ‚Realität’ nennt”, sagt Yamamoto. Eben dieser Masse an manipulativen Bildern bedient er sich in seinen multimedialen Werken. Im ausgestellten Videoloop „Heads” lässt er Bilder von Staatsmännern, die gesamte Nationen repräsentieren, überlappen. Ihre Gesichtszüge verschwimmen, werden schemenhaft, wesenslos, nichtig.
Nathalie Becher, Tina Beifuss, Martin Bothe, Bettina Düesberg, Andreas Greiner, Lars Greßmann, Markus Hoffmann, Anne Duk Hee Jordan, Felix Kiessling, Henning Kles, Peter Krüger, Robert Lange, Hilarion Manero, Regina Nieke, Monika Ortmann, Janosch Parker, Philipp Rödel, Daniel Rode, Florian Schmidt, Diana Sprenger, Moritz Stumm, Lars Teichmann, Mikka Wellner, Kan Yamamoto, Wolfgang Zandt.

Tina Beifuss - Strickleiter verkehrt - 2010
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