Ist der Berlin-Hype bereits am Ende?

Kraftklub Fotoquelle: Brainpool

Die sächsische Band Kraftklub hat beim Bundesvision Songcontest mit ihrem Song “Ich will nicht nach Berlin” den 5. Platz erreicht. Und der Eichborn-Verlag bringt ein Buch raus,  das “Vergiss Berlin” heißt. Das reicht schon aus, dass einige Pessimisten bereits fragen, ob das Ende des Berlin-Hypes naht? Anke Müller hat sich eingelesen und reingehört und sagt: alles Quatsch. Berlin ist dicker im Geschäft als je zuvor.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Ich will nicht nach Berlin” ist der Titel, mit dem die sächsische Band Kraftklub gerade versucht, richtig bekannt zu werden. Nach Berlin kommen, müssen sie natürlich auch nicht,  denn Bands, die so klingen wie sie, gibt es in Berlin eh schon genug. Aber was da so als bösartiger Refrain daherkommt, ist ja gar nicht so böse gemeint. Die Kampfansage von Kraftklub richtet sich vielmehr an das Klischee der selbst ernannten Kreativen, die erst seit kurzem in der Hauptstadt sind und was mit Medien machen und deshalb wiederum von denen, die schon länger in Berlin sind, verachtet werden.

Jeder, der nicht in Berlin groß geworden ist, kennt das. Sie gehen nach Berlin zum Studieren, sie gehen nach Berlin, um berühmt zu werden, sie gehen nach Berlin, weil sie es in ihrer Heimatstadt einfach nicht mehr auszuhalten. Alles viel zu beengt und zu provinziell, da muss mal Luft ins Hirn. Völlig normales Phänomen in jeder deutschen Stadt oder jedem Landkreis – von den Jungen mit Abitur geht ein bestimmter Prozentsatz nach Berlin. Die Chemnitzer Jungs von Kraftklub sind natürlich längst nicht die ersten, die sich ironisch mit der Magnetwirkung Berlins auf ihre Altersgenossen beschäftigt haben. Angelika Express haben das bereits 2003 getan.

YouTube Preview Image

Jetzt hat nun aber auch der Eichborn-Verlag eine Reisewarnung für Berlin rausgegeben, die „Vergiss Berlin“ heißt. Das Buch sei eine „längst fällige Abrechnung“, heißt es. Grund genug für einige Journalistenkollegen gleich mal das Ende des Berlin-Hypes nahen zu sehen und einen neuen Sport auszurufen, der da „Über die Hauptstadt lästern“ heißt. Doch dieses Buch ist alles andere als eine Reisewarnung, es ist vielmehr ein launiger historischer Abriss der Stadtwerdung samt einer Auflistung der wirklich beeindruckenden Sehenswürdigkeiten Berlins wie der öffentliche Nahverkehr oder die Berliner Clublandschaft.

Tja, was ist das jetzt also nun? Anti-Berlin-Titel von Büchern und Songs werden als Kaufanreiz genutzt? Dann muss es irgendwo auch eine Zielgruppe dafür geben. Sind es wirklich die Zuhause-Gebliebenen, die man höchstens noch zu Weihnachten in der alten Heimat antrifft und die inzwischen wirklich was fürs deutsche Bruttoinlandsprodukt tun? Oder ist das jetzt wieder nur diese typische Berliner Arroganz, eines Zugezogenen? Ist eigentlich auch egal, denn Neid muss man sich auch verdienen.



 

 

30.09.2011

Anzeige

2 Kommentare zu “Ist der Berlin-Hype bereits am Ende?”

  1. Sahneschnitte

    02. Oktober 2011 um 14.09 Uhr

    Zumal diese Kinder in ihren Uniformpolos mit Markenlogo so Antiszene sind, dass ich mir von ihnen nichtmal den Weg zum nächsten Kino zeigen lassen würde und erst Recht keine Szenetips geben lasse. Dorf bleibt eben Dorf, auch im Geiste – das merkt man aber auch bei den Zugezogenen in Berlin.

  2. Johannes

    01. Oktober 2011 um 16.47 Uhr

    Sachsen setzen keine Trends, sondern rennen ihnen immer lange hinterher, das war schon immer so. Bei denen ist der heutige Berlintrend erst in zehn Jahren angesagt.

Dein Kommentar

Erforderlich
Erforderlich, Wird nicht veröffentlicht

Heute läuft

Hier sind's