“LEGO Friends”: Da ist die Mädchenwelt noch in Ordnung

In den Spielzeugläden sieht man in der Regel sofort, in welcher Ecke Spielsachen für Jungs und in welcher die für die Mädchen zu finden sind. Lillifee, Barbie, Kuscheltiere – bestes Indiz dafür, dass es um Mädchenspielzeug geht – die Farbe Pink. Je größer der Schmerz fürs Auge – desto besser. Nach dem Überraschungsei für Mädchen kommt nun auch Spielwarenhersteller LEGO auf den Trichter. Seit Kurzem gibt es die Bausatzserie LEGO Friends.

Mia, Emma, Andrea, Stephanie und Olivia – die fünf Freundinnen sind das neue Must-Have bei kleinen Mädchen. Ihre Themenwelt heißt „Heartlake City“ – natürlich mit Traumhaus, Geländewagen, Pferdeanhänger, Baumhaus und Bühne.

Clevere Rotzgören wie die feuerrote Frederike, Pippi Langstrumpf oder die rote Zora – in Heartlake City nicht vorgesehen. Mädchen machen lieber das, was Mädchen halt so machen: Kuchen backen, in den Schönheitssalon gehen, Cabrio fahren. Das ist vor allem eins: stereotyp.

Die LEGO Girls sind der Verkaufsschlager 2012 bei LEGO . 2.8 Millionen Spielfiguren sind bereits in die Mädchenzimmer eingezogen. Der Markt an Kinderspielzeug ist satt, die Kinderzimmer der Republik sind voll davon – neue Zielgruppen wollen erschlossen werden. Und wer schon 12 Barbies im Schrank hat – der freut sicher auch über Mia, Emma oder Andrea.

Das hat man natürlich zuvor sogar wissenschaftlich untersucht. Kritik aus der Genderforschung hagelt es trotzdem: Rosa Spielzeug begünstigt ein konservatives Männer-Frauen-Klischee. Von Pink-Infinzierung wird gesprochen und vor einer Diktatur der Lillifees gewarnt. Das rosafarbene Überraschungsei – von Ferrero im Spätsommer auf den Markt gebracht – kommentiert das Frauenmagazin EMMA böse: “Ei love rosa? Ei kotz gleich!”

Neurobiologen sagen: Unser Gehirn wird vor allem durch unsere Umwelt geformt. Wenn also fünfjährige Mädchen nach ihrer Lieblingsfarbe gefragt werden, sagen sie natürlich „rosa“, wenn sie entsprechend geprägt wurden.

Dabei hat die Farbe kulturgeschichtlich betrachtet einen ziemlichen Sprung gemacht, so Genderforscherin und Autorin Stevie Schmiedel: Bis in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts galten Rot und Rosa als Farben der Könige und der Macht und wurden daher traditionell den Jungen zugeordnet.

Die Mädchen trugen Blau, die Farbe der Jungfrau Maria. Im Grunde wurden also einfach nur die Farben getauscht – die Rollen sind in Spielzeughausen immer noch die gleichen…

 

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27.12.2012

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