Singuhr Hörgalerie

Wummernde Bässe kennt man ja eigentlich nur aus dem Berghain, oder anderen Berliner Clubs. Dass ein still-gelegter Wasserspeicher ebenso laut sein kann – auch ohne Party – dass kann man momentan im Prenzlauerberg erleben. In den unterirdischen Katakomben am Senefelder Platz lockt nämlich seit gestern eine Klanginstallation ins Dunkle. In der Singuhr Hörgalerie startete „Ewige Dunkelheit“ – eine akustische Ausstellung von Robert Henke. Was passiert, wenn ein Wasserspeicher nach Berghain klingt?

Zusammen mit Kurator Carsten Seiffarth streifen wir durch die dunklen Gänge des alten Wasserspeichers im Prenzlauerberg. Bis 1910 war er noch gefüllt mit über 10.000 m³ Wasser. Heute ist er leer und doch gefüllt mit wabernden Klängen. Denn diese Woche startete die Doppelausstellung von Robert Henke und Gordon Monahan. Letzterer kommt aus Kanada und hat den kleineren Teil des Speichers gestaltet. Von den Backsteindecken hängen an Klaviersaiten befestigt, runde Metallplatten durch einen Motor, entstehen dann Klänge.

Nach einer kleinen Runde, geht’s weiter zum großen, runden Wasserspeicher, da wo Robert Henke kurz vor Eröffnung noch an seiner akustischen Installation „Ewige Dunkelheit“ arbeitet.

Hierbei spielt er die Töne nach mathematischen Gesetzen, die jeweils einen neuen Akkord bilden. Henkes Klangerlebnis besteht aus virtuell geschaffenen Orgelpfeifen – 13 Stück an der Zahl. Dazu kommt ein tiefer Bass, der den kühlen dunklen Raum erschüttert. Nur ein paar rote Neonröhren weisen den Weg durch die nachhallenden Sounds. So einfach durchschlendern, wird nicht jedem gelingen. Denn taucht der Bass in eine tiefere Frequenz ab, vibriert die Flüssigkeit in den Ohren, die für den Gleichgewichtssinn zuständig ist. Aber ein kurzer Ausfallschritt ist da schon alles, was passieren kann. Es ist vielmehr aufregend sich von Bass und Orgeln durch die düsteren Gänge leiten zu lassen.

Zu Vergleich ist der Bass mit dem im Berghain, nur das er weitaus mehr Raum einnimmt und präsenter ist.

Ungesehen von den ersten Besuchern, die sich in den alten Wasserspeicher wagen, tüftelt Henke weiter an den vielen Kabeln im Hinterzimmern. Denn eigentlich, so sagt er, kann der Bass noch viel mehr.

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Autor: David Krause



 

 

 

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05.07.2012

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