Was wurde aus dem Vollbart

Bart

photo (cc): Abulic Monkey @flickr.com

Noch fünf Tage bis Heilgabend. Und da beschäftigt sich Heiko Reusch heute mit einer Sache, die trendy Hipster-Männer genauso beschäftigen wird, wie eben auch den durchschnittlichen Kleinkunst-Verkäufer auf Wochenmärkten. Erstere hingegen suchen dann vielleicht einen Drogeriemarkt auf. Letztere machen einfach so weiter. Es geht um eine modische Erscheinung, die nach jahrelangem Höhenflug nun kurz vor dem Aus stehen soll. Zumindest wenn man dem investigativst möglichen Journalismus Glauben schenkt: Dem Männermodemagazin GQ.

Ein kurzer Blick genügt. Und wir Männer wissen, was uns so zu interessieren hat. Titelthema: „Was Frauen Wollen – Das Topmodel Rebecca Mir verrät’s und ein Forscher überprüft’s“.

Und dann noch eine Strecke über die Luxussuite von Thomas Gottschalk und die Ansage „Mercedes wird cool!“ Dieter Zetsche erklärt wie.

Die aktuelle Dezember-Ausgabe der GQ hat die Welt wieder ein bisschen begreifbarer für mein Testosteron gemacht. Doch die Heile-Welt der aktuellen Ausgabe dürfte im Januar schon wieder vorbei sein. Die GQ wagt ihn. Den Abgesang auf den Vollbart.

Jetzt der offizielle Text dazu: „Zurückhaltung ist angesagt – in der Welt der Trends stets ein Zeichen für Krisenzeiten. Was folgt ist eine Rückbesinnung auf das Schlichte. Soll heißen: 2012 geht der Mann wieder glatt rasiert oder mit einem ultrakurzen, akkurat gestutzen Dreitageschatten. Individualisten lassen ihn bis auf eine Länge von maximal drei Zentimetern wuchern.“

Vorbei also die Zeit der visuellen Bart-Kommunikationen. Bedeutete der Haarwuchs doch schon bei unseren Urahnen: Mann ist im Forpflanzungsalter. Oder um es mit der Denke der GQ zu formulieren: Mann ist allzeit bereit.

Vorbei also die Zeit, als sich die Hipster-Religion mit göttlicher Allmacht schmücken konnte. Jesus hatte ja schon einen Bart – zumindest wird er so in der Kunst ab dem vierten Jahrhundert dargestellt. Die heilige Dreifaltigkeit von Bart, Nerdbrille und Karohemd, sie ist ins Wanken geraten.

Vorbei auch die Zeit der klaren Abgrenzung zum Durchschnitt-Adel und Klerus. Erstere waren oft glatt rasiert im krassen Gegensatz zum Volk auf dem Feld. Bei letzteren hingegen war Rasieren lange Pflicht, weil Bärte den Sakramentsempfang stören.

Und zuguterletzt auch vorbei die Zeit als dem Mann von heute etwas Gelehrtes anhaftete. Philosophen ließen seit der Antike das Barthaar sprießen. Man scherrte sich nicht ums Rasieren, hatte man doch wichtigeres zu tun: Zu denken. Daraus entstand dann mit der Zeit die einfache Gleichung: Wer Vollbart, der Philosoph.

Tja, zuletzt gesehen wurde der Bart beim Verfasser dieses Beitrags. Da bleibt er auch. Bin eben der Hipster-Holzfäller hier. Die GQ kann mich mal.

Hier der Beitrag zum Anhören:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Autor: Heiko Reusch



 

 

19.12.2011

Anzeige

Dein Kommentar

Erforderlich
Erforderlich, Wird nicht veröffentlicht

Heute läuft

Hier sind's