
Am Samstag war ja „Welttag der Zeitschriften“. Als Mehr als 3600 Titel gibt es in Deutschland, mit einer Gesamtauflage von 15,1 Millionen Exemplaren. Eine Zeitschrift, die bestimmt jeder von uns schon mal gekauft hat, ist die BRAVO: heiß geliebt und verehrt in unserer Jugend und Kindheit. Heute kräht kaum noch ein Hahn mehr nach dem Blatt, es gibt sie aber immer noch auch noch 55 Jahren hat. Anke Müller hat reingeguckt.
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Es sind nur noch etwas mehr als 390.000 Leser, die wöchentlich die BRAVO kaufen. Vor 15 Jahren waren es noch eine Millionen Leser mehr. Die BRAVO hat Federn lassen müssen und das nicht ohne Grund. Zu spät setzt sie sich auf Trends oder verpasst sie gar, ordnet falsch ein und verlässt sich deshalb auf Altbewährtes: Stars und sexuelle Aufklärung. Verantwortlich für letzteres: Dr. Sommer, was schon seit Jahrzehnten von einem Team um Sozialpädagogin Margit Tetz gemacht wird.
Als die BRAVO im August 1956 erstmals am Kiosk für 50 Pfennig zu kaufen ist, sind solche Gespräche noch vollkommen undenkbar. Heintje und Freddy Quinn sind auf dem Cover und drei Jahre später gibt es sogar den ersten Starschnitt in Lebensgröße von Brigitte Bardot mit lasziv zur Seite gelehnte Hüfte. Der erste Antrag auf Indizierung ist das Ergebnis. Bis wirklich mal eine BRAVO verboten wird, vergehen aber noch 13 Jahre. Grund: eine Anleitung zum Onanieren. Denn in den 60er beginnt die Zeitschrift mit dem Knigge für Verliebte erste Aufklärungsversuche. Weil bis dato tabuisiertes Vokabular wie Glied und Scheide verwendet wird, laufen Eltern und Kirche Sturm. Zu Hochzeiten bekommt die BRAVO 3000 bis 5000 Briefe pro Wochen, inzwischen sind es nur noch etwa 400.
Erste Deutschland-Tour der Beatles organisiert
Mit der weiteren Fokussierung auf Popmusik sichert sich die BRAVO die Marktführerschaft bei den jungen Lesern für die nächsten Jahrzehnte. Das Blatt organisiert die erste Beatles-Deutschland-Tour – allerdings gilt die Band da schon als Fab Four. Also keine Experimente bei der Berichterstattung über Musik – bei den Sex Pistols fragt die BRAVO in den 70ern sogar noch: Was sind das bloß für Typen? Allerdings sind sie bei anderen Trends wie New Wave schneller, der Ton ist allerdings oft despektierlich. Sie wird aus der Musikikone Debbie Harry – Sängerin von Blondie – in der BRAVO einfach nur die heiße Tante.
Der späteren Fragmentierung von Musikstilen und Subszenen kann die Bravo nicht mehr gerecht werden und versucht deshalb auf mehreren Hochzeiten zu tanzen. Neben BRAVO TV, werden “BRAVO Girl”, “BRAVO Sport” und später auch das Magazin “BRAVO Screenfun” an den Kiosk gebracht. Die verbliebenen noch knapp 400.000 Leser der klassischen Bravo versucht das Medienunternehmen Bauer zumindest an den Verlag zu binden. Wer also aus dem Dr. Sommer-Beratungsalter hinausgewachsen ist, soll dann mit Fotostrecken von Celebrities und Homestories von Casting-Sternchen bitte zum nächstälterem Peoplemagazin “Intouch” wechseln.
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