Foto: KPM

Turaluralu: Altes Handwerk – Keramikerin

▷ Letzte Änderung: 2014-03-17
By Sophie [FluxFM] |

Wir stellen euch hier bei FluxFm in loser Reihe junge Menschen vor, die ein altes Handwerk pflegen. Diesmal hat Zarah-Louise Roth in einer 250 Jahre alten Porzellan-Manufaktur eine gerade mal 25-jährige Keramikerin getroffen.

Christin Herzig arbeitet als Industrie-Keramikerin/Modelltechnik in der KPM, der Königlichen Porzellan-Manufaktur, sie hat im August ausgelernt und ist übernommen worden. Die 25- jährige Sächsin hat letztes Jahr einen Preis als beste Auszubildende Berlins gewonnen. Volle Punktzahl in der IHK-Abschlussprüfung, das ist selten. Trotzdem: Christin bleibt bescheiden:

„Es ist einfach die Begeisterung für den Beruf. Ich habe schon den zweiten Beruf hier in der Firma durch, vorher bin ich Porzellanmalerin gewesen. Das hier ist auf alle Fälle mein Steckenpferd.“

 

Vase wird per Hand mit feinen Mustern bemalt

Foto: KPM

Nur eine handvoll Azubis hierzulande schließen jährlich die Ausbildung zum Industrie-Keramiker ab. Und das, obwohl der Beruf und der Arbeitsalltag so abwechslungsreich ist, wie man es sich nur wünschen kann. Christin erklärt:

„Ich bin diejenige, die Modelle herstellt. Also ich kann die drechseln, das heißt drehen, modellieren oder auch gießen, bearbeiten…“

Und das 5 Tage die Woche ab 6 Uhr morgens. Dabei modelliert sie nicht nur Tassen, Eierbecher und Teller. Sie „richtet auch ein“ – das hat aber nichts mit Möbeln zu tun:

„Das heißt, ich mache Einrichtungen. Einrichtungen sind die Formen für die Formen. Weil, wenn man ein Keramstück gießt, braucht man ja eine Form dafür.“

Diese Einrichtungen sind entweder aus Gips oder Epoxidharz, das ist ein langlebiger Kunststoff.

„Oder es kommen mal solche Schmankerl, die ich meinem Ausbilder zu verdanken habe, wie z.B. dieser Willy Brandt. Da konnte ich mal Modellieren üben, und zwar in Übergröße.“

 

Keramikerin steht neben Willy-Brandt-Büste

Die Willy-Brandt-Büste ist die Abschlussarbeit der Keramikerin.

Die Büste des Ex-Kanzlers aus weißem Porzellan schmunzelt die Keramikerin den Tag über vom Fensterbrett aus an. Christin Herzig erklärt, was man mitbringen muss für den BerufÖ:

„Also auf alle Fälle ein gutes Auge und kreatives Geschick. Durchhaltevermögen, weil vor allem hier in dem Bereich in der Modellwerkstatt muss man auch schnell mal Rückschläge einstecken und wieder neu anfangen. Und ansonsten sollte man auf alle Fälle ein bisschen Kraft haben, weil die Einrichtungen sind zum Teil ziemlich schwer.“

Nicht zu vergessen: Spaß am Tüfteln und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.

„Wenn die Maße dann stimmen, so wie das historische Modell ist, kann ich anfangen, das Relief zu machen. Das wird dann immer hin und her gegossen, bis es irgendwann passt. Immer positiv-negativ denken. Und dann wird das auf das Modell, auf den Rohling aufgebracht. Dann wird das wieder in eine Form gegossen, und in der Form ist dann das Relief. Da gieß ich mir dann wieder ein neues Modell… Also es ist wirklich immer ein Umdenken. Das muss man zum Beispiel auch können.“

 

Gipsform mit Relief

Relief giessen

Christin Herzig besucht auch im Urlaub Porzellan-Manufakturen, etwa in Wien oder Dänemark. Wenn das Geld reicht, würde sie gern mal eine chinesische Manufaktur besuchen, in Hongkong. Aber erstmal hat sie andere Pläne:

„Ich werde am 1. April heiraten, kein Scherz. Steht auch schon im Ring drin.“

 

Teller wird mit KPM Stempel markiert

Foto: KPM


Die traditionsreiche Porzellanmanufaktur befindet sich in der Wegelystraße 1, 10623 Berlin. Es gibt eine Ausstellung und eine Schauwerkstatt, bei der man den Malern und Keramikern bei der Arbeit zusehen kann. Außerdem kann man im Outlet vor Ort günstig Porzellan mit winzigen Mängeln kaufen.

 

Redaktion

Zarah-Louise Roth
Wortredaktion
Spezialgebiete: Weltverbesserung, Festivals, Essen.

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