Jan Windmeier und Tobert Knopp aus dem Turbostaat. (Foto: FluxFM)
Jan Windmeier und Tobert Knopp aus dem Turbostaat. (Foto: FluxFM)

Turbolonia bei FluxFM | Turbostaat im FluxFM-Interview

▷ Letzte Änderung: 2016-01-29
By Marc Augustat |
Im Radio:
30. & 31. Januar 2016,
Wochenendspecial – jede Stunde ein Song
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91uF4w9mSlL._SL1500_ Die Kategorie Punk reicht nicht aus, um das Phänomen Turbostaat einzugrenzen. Und so richtige Punks mit Iro und Nietengürtel sind auf ihren Konzerten eh die wenigsten. Da muss man schon weiter ausholen, um der Band nahezukommen.

Gegründet 1999 in Husum, spielen sie Anfang der 2000er Jahre zwei stürmische Deutschpunk-Alben ein, die noch relativ stark an die Bands der Hamburger Subkultur-Ikone Jens Rachut erinnern.

Mit der Hilfe des Produzenten Moses Schneider erfinden Turbostaat sich und das Genre 2007 auf der Platte Vormann Leiss neu. Weniger verzerrte Gitarren, eine fast perfekte Produktion und ein Major-Deal hätten den einen oder anderen Fan abschrecken können. Spätestens nach dem ersten Refrain des Openers wird aber klar, das hier eine Band ihren eigenständigen Sound gefunden und einen kleinen Meilenstein vorgelegt hat.

Die ungebrochene Energie ziehen sie seitdem aus dem verdichteten Songwriting, das brillante Gesellschaftsanalysen und bildreiche Poesie in kompakten Hooks zusammen führt. Ihre schweißtreibenden Konzerte gelten als Sportveranstaltungen, nach denen man ohne Wechselklamotten und Halsbonbons echt doof dasteht.

Als wäre die Messlatte nach Vormann Leiss nicht hoch genug, schmeißen die Nordmänner zwei weitere Alben hinterher, die von Fans und Kritik mindestens genau so gut aufgenommen werden. Jetzt, knapp siebzehn Jahre nach ihrer Gründung, steht Platte Nummer Sechs ins Haus. Auf Abalonia galt es, den Texten mehr Raum zu geben, um sich narrativ zu entfalten. Zur puren Untermalung degradiert werden die instrumentalen Kompositionen dadurch nicht. Und keine Angst, die Liebe zu guten Punchlines haben Turbostaat nicht verloren.

 


Interview mit Jan und Tobert von Turbostaat

 

An den meisten Stellen bleiben die Texte auf Abalonia interpretationsfähig, ja sogar -nötig. Und Schablonen zur Erklärung der Songs will man laut Sänger Jan Windmeier auch nach wie vor nicht geben:
 

 
Weil die Musiker über Deutschland verteilt wohnen, trifft man sich nicht häufig, aber dann umso intensiver zu Songwriting- und Probesessions. An den Abenden dieser Musikferienlager werden dann auch Ebsens Texte gemeinsam erarbeitet.
 

 
Obwohl sich das Thema Tod verdächtig oft auf die Platte geschlichen hat, ist diese, was die Texte angeht, kein Konzeptalbum. Aber sie fängt durchaus über längere Strecken die Gedanken Ebsens zur diffusen Gemütslage Europas der Jahre 2014 und 2015 ein. Und Nachrichten ohne das Sterben an den europäischen Außengrenzen sind nun mal selten geworden, so dass der Tod in zeitgenössischen politischen Songs wohl eine Rolle spielen muss.
Zurück zur Musik, in manchen Songs kann man Sänger Jan Windmeier nun tatsächlich singen hören, so richtig mit verschiedenen Tonhöhen und ohne sich mit der Stimme zu überschlagen. Aber er selbst will sich immer noch nicht als Sänger verstehen:
 

 
Nicht nur am Gesang wurde fleißig gearbeitet. Auch was die Dynamik und das Sounddesign angeht, hat man an verschiedenen Schrauben gedreht. Mit ihrem Stammproduzenten Moses Schneider wollte man neue klangästhetische Wege gehen und entschied sich für die legendären Hansa Studios in Berlin. Darauf hat vor allem einer gedrängt:
 

 
Sogar das Erbe der Platten, die ihre Erschaffer von den Hansa Studios aus zu Weltruhm verhalfen, kann man Abalonia anhören. Moses Schneider wusste genau was er wollte und warum das Studio am Potsdamer Platz dafür der richtige Ort war:
 

 

Turbostaat (Foto: Andreas Hornoff)

Turbostaat (Foto: Andreas Hornoff)


Was im Studio besonders optimiert wird, kann live aber auch besonders in die Hose gehen. Da steht zum Beispiel bei dem Song „Eisenmann“ ein fast gesprochener Refrain über einem trommelfeuernden Schlagzeug, was auf der Bühne nicht so leicht umzusetzen sein wird.
 

 
Also alles beim Alten und doch vieles neu. Bis zur aktuellen Tour ist noch Zeit, um zu rätseln oder zu googlen, was oder wo Abalonia sein soll. Vielleicht ist es das Land, in das die Fliehenden ziehen, um doch nie anzukommen. Oder das Reich der Toten. Vielleicht ist es auch einfach nur eine Pension in Maine, USA. Wer es für sich raus gefunden hat, kann am 1. April besonders selbstsicher mitsingen, dann präsentieren wir euch die Band im Huxleys. Moment mal, so eine große Location? Ist jetzt der Wohlstand ausgebrochen?
 

 
Eine Sache, die die Staatsmänner auch gut können, ist es, sich besonders skurrile Titel auszudenken. Um eines zum Abschluss ein für alle Male zu klären: Ist der Name des Songs „Bei Fugbaums“ (Vormann Leiss, 2007) an die berühmte Kieler Vogelspinne Herr „normal Hää“ Fugbaum angelehnt?
 

 

 


Und wer es gerne etwas detaillierter haben möchte, wir haben Jan und Tobert im Wochenendspecial Song für Song die neue Platte vorstellen lassen.

Und wer noch immer nicht genug hat: die Roland und Marten waren am 29.1.2016 zu Gast im FluxFM-Studio und haben auch noch übers Album gequatscht.
 

Musikredaktion

Marc Augustat
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