Matthew Caws von Nada Surf (Foto: Sophie Euler)
Matthew Caws von Nada Surf (Foto: Sophie Euler)

“Vom Kleinwagen zum Ferrari” | Nada Surf im FluxFM-Interview

▷ Letzte Änderung: 2016-03-04
By Marc Augustat |

So lässt’s sich leben. Wenn Daniel Lorca nicht bei Nada Surf Bass spielt, guckt er auf seiner Farm auf Ibiza dem Gemüse beim Wachsen zu. Schlagzeuger Ira Elliot hat es nach Florida verschlagen und Sänger Matthew Caws ins englische Cambridge. Das sind natürlich tolle Lebensentwürfe, aber leidet die Band nicht unter diesen enormen Distanzen? Ja und nein. Matthew Caws sieht die Vorteile, schließlich ist trotz der Umstände das neue Album You Know Who You Are entstanden:

 

 

519O19fnSaL Um nicht ganz alleine schreiben zu müssen, hat sich der schon graumelierte, aber immer noch mit jugendlichem Enthusiasmus ausgestattete Sänger mit Dan Wilson zusammen gesetzt. Der ist ein profilierter Songwriter in Los Angeles und hat unter anderem Adeles Ohrwurm Someone Like You geschrieben. Nada Surf klingen mit Wilsons Hilfe aber nicht wie Adele – der “Melody-Jedi” (Zitat Matthew Caws) hat ihnen nur gezeigt, wie man beim Texteschreiben zu sich selbst findet:


 

Eine andere Neuheit im Setting der Band besteht aus Fleisch und Blut und hat einen Namen, einen relativ bekannten sogar. Doug Gillard hat in der amerikanischen Indie-Szene schon so seine Spuren hinterlassen, bei Guided By Voices zum Beispiel. Jetzt ist er bei Nada Surf und wenn man Matthew Caws fragt, macht sich das natürlich auch bei den neuen Songs bemerkbar:

 

 


 

Nicht nur bei der Indie-Formation hat sich einiges getan. In den USA herrscht Wahlkampf und das ganze Land steht Kopf. Donald Trump pflügt mit allerhand politischem Sprengstoff die Medienlandschaft um und erkämpft sich seine Aufmerksamkeit. Viele Amerikaner sind aber skeptisch und auch Matthew Caws hat bei dem republikanischen Polemiker kein gutes Gefühl:

 

 

Er hat nicht nur eine Erklärung für den Erfolg von Trump, sondern auch warum die “Revolution” von dessen linken Gegenspieler Bernie Sanders nicht wirklich zünden will:

 

 

Nada Surf haben sich Ende 2015 an der Play It Forward-Kampagne von Eagles Of Death Metal beteiligt. Dafür haben einige Bands den EODM-Song I Love You All The Time gecovert, darunter Kings Of Leon, Liam Lynch und eben auch Nada Surf. Die Einkünfte sollen den Angehörigen der Opfer der Pariser Terroranschläge gespendet werden, unproblematisch ist die Geschichte aber nicht. Schließlich ist EODM-Sänger Jesse Hughes selbst ein ziemlich kontroverser, teilweise rechtsgerichteter Typ. (Jesse Hughes Ansicht, dass lockere Waffengesetze viele Konzertbesucher vor dem Tod bewahrt hätten, ist aber erst nach Aufzeichnung dieses Interviews bekannt geworden.) Damit umzugehen ist für Matthew Claws nicht leicht:

 

 

In dem gesamten neuen Nada Surf-Album steckt weniger Politik als in diesem Interview-Artikel. Trotzdem merkt man, wie engagiert Matthew Caws an die Sache heran geht. Mit der gleichen Energie hat er sich auch ins Songwriting geworfen. Ebenso checkt man bei You Know Who You Are schnell, dass die Zeit der musikalischen Experimente vorbei ist. Anscheinend haben sie mit dem 2010er Album If I Had A Hi-Fi, das komplett aus Coversongs besteht, genügend herumprobiert. Studio-LP Nummer acht bietet dagegen wieder die volle Essenz der Nada Surf-DNA.

 

 

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Marc Augustat
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