(Screenshot Zukar-Video)
(Screenshot Zukar-Video)

Zuckerstückli von Firas Alshater

▷ Letzte Änderung: 2016-02-15
By Sophie [FluxFM] |

Deutschlands neuer Youtube-Star wird er genannt, der Syrer Firas Alshater. Sein Clip „Who are those Germans“ geht gerade viral, wie man so schön sagt. Kein Wunder: das Video ist lustig, richtig gut gemacht – und endlich kommt mal ein geflüchteter Mensch selbst zu Wort. FluxFM-Redakteurin Julia Oberlohr hat Firas getroffen:
 

 
Fast jeder kennt ihn inzwischen – Firas, wie er auf dem gestreiften Sofa sitzt und fragt, wer diese Deutschen eigentlich sind… im ersten Teil seiner Youtube Reihe ZUKAR. Im gleichen Video steht er, mit langem Bart und verbundenen Augen auf dem Alexanderplatz. Vor ihm ein Schild: “Ich bin syrischer Flüchtling. Ich vertraue dir – vertraust du mir? Umarme mich.”

Es dauerte zwar ein bisschen aber dann nach einigen Versuchen haben die Leute doch angefangen, mir eine Umarmung zu geben… und noch eine, und noch eine… Wenn die Deutschen, mit etwas anfangen, dann hören sie überhaupt nicht mehr auf.

Sympathisch und lustig kommt Firas in seinem Video rüber – und das ist auch nicht anders, wenn man ihm persönlich im Interview gegenüber sitzt. Mit Blick auf die Spree.

Mikrofoncheck:

Julia: “Sag doch mal was…”

Firas: “Sieht richtig gut aus, kann man von hier schwimmen gehen, direkt..? Bist du schon mal geschwommen?

Julia: “Äh, in der Spree – ne noch nie.”

Firas: “Nicht geschwommen, aber jemand gerettet. Einen Obdachlosen, der betrunken reingefallen war. Dann hab ich ihn einfach rausgenommen.”

Julia: “Wow, Kompliment. War’s kalt?”

Firas: “Arschkalt. Minus 5.”

Seit zweieinhalb Jahren lebt Firas in Berlin. Filme hat er schon zu Hause in Syrien gemacht. Videos und Fotos, Dokumentationen über die Situation vor Ort, über den Krieg sozusagen. Deswegen wird Firas auch eingesperrt und gefoltert. Von seiner Arbeit abbringen kann ihn das allerdings nicht. Als er wieder frei kommt, ist er als Reporter bei “Inside Syria” dabei, einem Filmprojekt von Jan Heilig aus Berlin. Und über diesen Kontakt landet Firas dann auch in Deutschland. Wo er studiert und weiter Filme macht, Filme mit Botschaft:

“Integration wird klappen – irgendwann. Doch es braucht Zeit. Du kannst sagen, dass Firas gut integriert ist, weil er Alkohol trinkt, Schweinefleisch isst und einen Integrationskurs gemacht hat, aber so ist das nicht. Meine Erfahrung ist, dass solange ich die Leute akzeptiere wie sie sind und sie mich, dann ist das die einfachste Integration sozusagen.”

Das mit der Akzeptanz scheint erstmal mehr als gut zu klappen – über 10.000 Youtube-Follower in nur 2 Wochen. Ein Ansporn für neue Projekte.

“Ich hab überhaupt nichts gegen Katzen. Aber… die nehmen meinen Job weg. Sie bekommen viel mehr Klicks auf Youtube als ich. Ohne was zu machen. Sie können überhaupt nicht selber filmen. Das ist ungerecht.”

Ende der Woche soll das neue Video online gehen und wer Firas mit Zuckerstückli versorgen und unterstützen will: auf zukar.org. Findet ihr alle Infos und natürlich die Clips, die es bisher schon gibt.

Redaktion

Julia Oberlohr
Spezialgebiet: Kultur, Politik, Stadtleben und alles, was sonst noch so anfällt.

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