100er Bus, Foto: Alexander Brust

100er Bus: Stadttour für „Arme“

▷ Letzte Änderung: 2014-08-06
By Diana Hagenberg [FluxFM] |

Berlin brummt. Touristen torkeln zu jeder Tag- und Nachtzeit durch die Stadt und freuen sich, weil hier also so cheap ist und man so schön frei trinken und feiern kann. Viele von uns sind hergezogen und nennen sich jetzt selbstverständlich Berliner. Deswegen jetzt mal eine Erinnerung daran wie es ist, Berlin zu erkunden:

Alexander Brust hat sich passend zur Urlaubszeit seinen Wanderrucksack umgeschnallt und sich vorgenommen, die Stadt noch einmal als Tourist zu erleben. Ganz oben auf der Programm stehen dabei natürlich die Sehenswürdigkeiten. Für die teure, geführte Bustour hat er kein Geld. Deshalb ist er in die längst bekannte inoffizielle Alternative eingestiegen – den 100er Bus.

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Da rauscht er an, der gelbe Doppeldeckerbus. Vorne drauf steht in großen Zeichen: 100 S+U Bahnhof Zoologischer Garten. Das ist das Ziel. Obwohl – das ist eigentlich eher der Weg dorthin: massenweise Sehenswürdigkeiten. Un das zum Preis eines BVG-Tickets. Tim wartet an der Bushaltestelle und ist vom 100er begeistert:

„Das ist eine schöne Alternative zu den normalen Stadtrundfahrtbussen, weil er einfach alle wichtigen Routen und Punkte abfährt.“

Also rein in den Bus und los gehts. Erster Halt: Haltestelle Alexanderplatz. Hier wartet schon ein ganzer Pulk Reiselustiger auf seine Stadtrundfahrt. Auch Reiner steigt ein. Er fährt zum ersten Mal mit dem 100er und ist nicht überrascht, dass hier soviel los ist:

„Der steht in jedem Touristenführer.“

Und wer die Infos nicht aus Lonely Planet und Co. hat, dem haben es Hostel, Hotel oder Freunde gesteckt. Kurz: Die Tour ist stadt- oder besser gesagt weltbekannt. Der beliebteste Platz ist oben, ganz vorne. Von hier lässt es sich richtig gut sightseen. Matthias hat es sich mit seinen Eltern in der Pole-Position gemütlich gemacht:

„Wir hätten mit der U-Bahn fahren können, aber weil die beiden zu Besuch sind, habe ich mir gedacht, dass wir mal die Stadttour für die Armen fahren.“

Na gut, es gibt viel zu sehen, aber viele Informationen gibt es nicht. Vielleicht doch lieber eine geführte Tour? Nicht für Jan, Zugezogener und offensichtlich Auskenner:

„Also ich traue mir zu, meinen Gästen mehr über Berlin und die interessantere Dinge zu sagen, als die geführten Busse.“

Auf der Strecke zu den Touristen-Hot-Spots platzt der Bus schließlich aus allen Nähten. Es steigen zwar ab und zu auch Leute aus, aber die Strömung geht eindeutig in die andere Richtung. Am Reichstag stürmt sogar eine ganze Reisegruppe den 100er. Thomas ist genervt. Er ist mit seinen drei kleinen Jungs unterwegs – draußen sind über 30 Grad:

„Zum Kotzen! Da steht, dass der Bus klimatisiert ist. Und ist es hier drinnen klimatisiert? Nicht wirklich, oder? Nein. Und natürlich ist Berlin als Millionenstadt ziemlich voll, aber dass es so voll ist …“

Um sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten, weicht so Mancher in den Türbereich aus. Der Busfahrer macht jedoch eine Ansage, den Türbereich zu verlassen. Aber gefühlte 98 Prozent der Fahrgäste verstehen das Busfahrergenuschel nicht. Gut, dass Max heute mal wieder dabei ist. Er hilft gerne beim Übersetzen. Zum 12. Mal ist er in Berlin zu Besuch – und liebt die Stadt und die Fahrt mit dem 100er:

„Es ist hier eigentlich immer ganz lustig, weil irgendwie alles genial ist. Dieses Zusammenspiel aus diesen ganzen Sachen macht die Stadt so genial, wo ich dann sage: Da fahre ich wieder hin, weil es geil ist.“

Endhaltestelle Zoologischer Garten. Das Ziel. Nach knapp 30 Minuten. Aber der Weg dorthin war eindeutig spannender.

Redaktion

Alexander Brust
Spezialgebiet: Stadtleben, Aktuelles und alles, was sonst noch so anfällt.

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