American Football – American Football II | Spätzünder

▷ Letzte Änderung: 2016-12-21
By Fabian [FluxFM] |

Es ist überall so, nicht zuletzt bei der Musik: Manchmal braucht man einfach länger. FluxFM Spätzünder beschäftigt sich deshalb mit Alben, die uns erst auf den zweiten Hördurchlauf so richtig ans Herz gewachsen sind. Egal, ob’s um alte Perlen oder aktuelle Beats geht, schließlich kennt auch die Liebe auf der zweiten Rille kein Alter. Diesmal beschäftigen wir uns mit:

American Football – American Football II

Wie das von Pitchfork so hochgelobte Album eigentlich klingt, gibt’s hier in Beitragsform zum Nachhören:

71uF6Ua3mtL._SL1200_Viele Bands der so genannten vierten Emo-Generation haben innerhalb der vergangenen Jahre die besten Alben ihrer Karriere herausgebracht. Foxing etwa, TTNG oder Into It. Over It., um nur drei zu nennen. Sie alle haben musikalisch einen kleinsten gemeinsamen Nenner, der leider viel zu selten beachtet wird. Was diese relativ jungen Emo-Bands verbindet und was sie vor allem von den teils unhörbaren Schmink-Emo-Generation der Nullerjahre unterscheidet, ist der unverkennbare Einfluss einer verschollen geglaubten Band namens American Football. Das komplexe und filigrane Gitarrenspiel der genannten Bands, die Affinität zu Post- und Mathrock – all das kommt von der Band aus Chicago.

Als American Football 1999 ihr erstes Album herausbringen, interessiert sich damals kaum jemand für ihre verschachtelten Gitarrenmelodien. Der Trend im Emo geht längst Richtung Glitzer-Gothic-Pomp à la My Bloody Valentine oder Fall Out Boy. Für die Fragilität von Bands wie American Football, The Promise Ring oder Braid ist da kein Platz mehr. Doch Qualität setzt sich eben durch und über die Jahre entdecken immer mehr Kids die Platte für sich.

Ab 2010 herum sprießen plötzlich mehr und mehr Bands aus dem Boden, die ihre klagenden Lyrics mit Mathrock-artigen Passagen untermalen. Dabei werden die Gitarren umgestimmt, ein Kapodaster aufgespannt, Tapping häufig eingesetzt (also das Antippen der Saiten oben auf dem Griffbrett mit beiden Händen). Ohne selbst aktiver Teil zu sein, haben American Football eine komplette Szene geschaffen: Twinkle-Emo ist geboren.

American Football beobachten aus dem Off, wie sich ihr Debüt immer besser und besser verkauft. Wegen der hohen Nachfrage beschließt das Quartett 2014 noch einmal durchzustarten und wird für ein englisches Mathrock-Festival direkt als Headliner gebucht. Von der Hysterie der Fans ermutigt, nehmen American Football tatsächlich noch ein Album auf: American Football II.

Dass man bei diesen Erwartungshaltungen das Original nicht toppen kann, ist vorprogrammiert. Doch allein das Niveau des Juwels von 1999 zu halten, ist schon ein kleiner Geniestreich.

Musikredaktion

Marc Augustat
Musikredaktion
Spezialgebiet: Streams are my reality
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