Knowmads Business School

Auf zur Hippie-Uni: Knowmads Business School

▷ Letzte Änderung: 2014-04-09
By Diana Hagenberg [FluxFM] |

Wenn man immer gesagt bekommt, was man zu tun hat, verlernt man darüber nachzudenken, was man selbst will. Und weil es fürs Nachdenken keine Leistungspunkte gibt, macht es ein gestresster Student nicht. Das findet der niederländische Universitäts-Dozent Pieter Spinder und gründet 2010 eine private Uni, an der das Lernen anders funktionieren soll als in den gewöhnlichen Lehranstalten – die Knowmads Business School.

Unser Redaktions-Quoten-Hippie Zarah-Louise Roth hat sich mit einem Mitarbeiter der etwas anderen Uni in Amsterdam unterhalten.

Stellt euch vor, ihr studiert an einer Uni, an der es weder Klausuren noch Noten gibt und ihr selbst eure Lehrpläne schreibt. In der Knowmads Business School in Amsterdam funktioniert das Lernen genau so. Jake Esman arbeitet dort als sogenannter Tribe Leader mit und für die Studenten:

„Wir sind keine anerkannte Bildungseinrichtung. Vom Staat bekommen wir weder finanzielle Hilfen, noch die Lehrpläne gestellt. Die Meisten, die zu uns kommen, wollen herausfinden, wer sie sind und was ihre Aufgabe im Leben ist. Wenn sie ankommen, bekommen sie deshalb von uns die totale Freiheit und einen sicheren Raum, um sich auszuprobieren.“

Die Studenten werden Knowmads genannt – Know wie das englische Wort für Wissen. Ein Knowmad soll kreativ und innovativ sein und mit allen und jederzeit arbeiten können. Statt in Klassen sind sie in so genannten Tribes – Stämmen – organisiert. Jake Esman erklärt:

„In Jäger-Sammler-Gesellschaften gab es keine Lehrpläne. Nichtsdestotrotz waren die Leute wahnsinnig gut im Lernen. Weil man spielerisch und aus einer inneren Motivation heraus gelernt hat. Und jeder konnte alle in der Gesellschaft notwendigen Aufgaben erfüllen. Man gestaltete die Gesellschaft durch Nachahmung und Spiel. Und nun werden die Menschen seit 100 Jahren durch vorgegebene Lernmuster gezwängt, die nicht besonders produktiv sind.“

Knowmads

Jeder, der die 5500 Euro Gebühr für das Studienjahr aufbringt und zwischen 20 und 35 Jahre alt ist, kann sich bewerben. Zur Zeit studieren um die 20 junge Leute aus einem Dutzend Nationen an der 2010 gegründeten Schule. Und so sieht eine typische Woche der Knowmads aus: Montag halb zehn wird erst mal gemeinsam gefrühstückt…

„…nach dem Frühstück machen wir das wöchentliche Check-In, wo wir uns im Kreis aufstellen und jeder seinen Plan für die Woche vorstellt. Danach haben alle Zeit für ihre Projekte. Dienstags werden Workshops angeboten, mittwochs bieten die Stammesführer Unterstützung bei den Einzel- oder Gruppenprojekten an. Und Freitags ist ein offener Tag, da kommen Gastredner. Und abends wird dann oft mal gefeiert.“

Meist beginnt der Tag um 9 Uhr, die Letzten gehen oft erst um 23 Uhr abends. Das erste halbe Jahr, sagt Esman, müssen viele erst mal alles vergessen, was sie vorher gelernt haben:

„Es geht um das Verlernen, weil die konventionelle Schule die Kreativität der Leute kaputt macht. Frag dich selbst: Was willst du tun? Und die Leute können das nicht beantworten. Wir haben welche, die gleich loslegen, aber manche sitzen auch drei Monate auf dem Sofa und sagen: Ich hab echt keinen Plan, was ich tun soll.“

Nach dem Selbstfindungsjahr wissen die Absolventen der Hippie-Uni – wie die Knowmads Business School auch genannt wird – mehr über nachhaltiges Unternehmertum. Natürlich ersetzt das Jahr keine Ausbildung oder Studium. Dennoch: Eine Absolventin arbeitet heute bei Volkswagen in der Innovationsabteilung, andere haben eine Cateringfirma für Slowfood gegründet. Im besten Fall verlassen sie die Uni als kreative, flexible Menschen, die wissen, was sie wollen und wie sie die Welt vielleicht ein Stück besser machen können.


Wenn ihr neugierig geworden seid, schaut auf die Internet-Seite der Knowmads Business School, oder in den Youtube-Kanal der Schule. Ihr könnt euch auch für ein 2-Tage-Test-Studium in Amsterdam bewerben.

Redaktion

Zarah-Louise Roth
Wortredaktion
Spezialgebiete: Weltverbesserung, Festivals, Essen.

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