Hans Jørgen Wiberg, Photo by Thelle Kristensen, Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)

Be My Eyes

▷ Letzte Änderung: 2015-02-16
By Marc Augustat |

Habt ihr schon mal überlegt, euer Augenlicht zu verleihen? Vermutlich nicht. Klingt ja auch komisch – kann man aber machen. Und zwar an blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderung, ganz spontan, in Situationen, in denen die schnell mal kurz Hilfe brauchen. Das ganze funktioniert mit einer App, die jetzt gerade herausgekommen ist: Be My Eyes heißt sie.


Hier könnt ihr den Beitrag 7 Tage lang nachhören:

„Vielleicht fragt ihr euch, wie blinde Menschen im Alltag klarkommen. Na, die Antwort ist einfach, auch nicht so anders wie ihr. Wir machen Musik, gehen zur Schule, wir gehen zur Arbeit – ihr seht was ich meine… aber manchmal sind die einfachsten Dinge schwierig – und wir brauchen ein Paar Augen.“

So bringt es das Video zu Be My Eyes auf den Punkt – und genau hier setzt die App auch an: bei Bedarf bietet sie Menschen mit Sehbehinderung visuelle Unterstützung und bringt so sehende und blinde Menschen zusammen – im Videochat. Wer Interesse hat, lädt die App runter, und schon kann’s losgehen. Jedenfalls früher oder später…

„Du kannst nicht wirklich viel tun, außer warten. Denn wenn du dich als sehender Freiwilliger meldest, dann sagst du: ok, ich bin bereit. Und wenn dann eine blinde Person Hilfe braucht, bekommst du eine Nachricht. Wenn du Zeit hast, antwortest du, wenn nicht, dann nicht – und ein anderer übernimmt.“

Sagt Hans Jørgen Wiberg, der Däne hat das Ganze entwickelt. Menschen mit Sehbehinderung können die App sofort nutzen. Ihre Anfrage geht an Tausende Freiwillige hinaus. Per Video wird eine Verbindung zu einem sehenden Helfer hergestellt – der beschreibt dann, was er auf dem Bildschirm sieht.

„Das funktioniert bei vielen Dingen, in der Küche, beim Einstellen der Waschmaschine oder wenn du einen Brief bekommst und wissen willst, ob der wichtig ist oder nicht… dann bekommst du visuelle Unterstützung. Und zwar sofort.“

Egal, ob man sich ein Foto beschreiben lassen will und beim Kochen die Info braucht, was in der Dose drin ist oder das Haltbarkeitsdatum schon abgelaufen ist. Eigentlich war die App vor allem für den Gebrauch zu Hause gedacht, wo es Wlan gibt und gute Beleuchtung. Doch auch outdoor hat sie sich schon bewährt.

„Eine Frau hat uns erzählt, dass sie die App benutzt hat, als sie aus dem Bus ausgestiegen ist, um den richtigen Eingang und die richtige Türklingel zu finden.“

Wiberg hat selbst eine Sehbehinderung und viele blinde Freunde – die sich auch vorher schon mit Videotelefonie Hilfe geholt haben. Aber da ist man darauf angewiesen, dass einer der Freunde gerade Zeit haben. Das ist bei Be My Eyes anders, eben weil die Community so groß ist. Irgendeiner ist da immer online. Weitere Informationen findet ihr auf der Internetseite www.bemyeyes.org.

Redaktion

Julia Oberlohr
Spezialgebiet: Kultur, Politik, Stadtleben und alles, was sonst noch so anfällt.

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