Blonde Poison (Bildrecht: Brotfabrik)

Blonde Poison in der Brotfabrik

▷ Letzte Änderung: 2018-09-20
By Ann-Kathrin [FluxFM] |

Das Theaterstück Blonde Poison von Gail Louw wird seit Jahren weltweit aufgeführt – nur in Deutschland fand es bisher keine Bühne. Blonde Poison erzählt die wahre Geschichte von Stella Goldschlag. Der Jüdin die im Nazideutschland als sogenannte „Greiferin“ für die Gestapo arbeitete, um selbst der Deportation nach Auschwitz zu entkommen. Diese Woche kommt das Stück endlich nach Berlin: Am Freitag feiert Blonde Poison Premiere in der Brotfabrik. FluxFM Redakteurin Jasmin Kröger war bei den Proben dabei – die beim Regisseur zuhause stattfinden.


Mittagszeit in der Eisenacherstraße – Jasmin Kröger ist hier mit dem Regisseur Robert Chevara und der Schauspielerin Dulcie Smart verabredet. Bei einer Tasse Tee erzählt mir Robert, dass es für Dulcie und ihn unheimlich schwer war für das Stück eine Berliner Bühne zu finden:

Also haben wir beschlossen: Wir machen das jetzt selbst. Das hieß aber auch, dass wir es so günstig wie möglich halten mussten. Als erstes haben wir beschlossen, dass wir bei ihr oder mir proben. Ich habe sowas seit Jahren nicht gemacht – aber ich muss sagen es ist toll und für mich ist es die Essenz von Theater, was wir hier machen.

„Zu komplex“ bekommt der renommierte Londoner Regisseur immer wieder von den Häusern zu hören. Zu komplex – oder berührt die Inszenierung vielleicht doch ein Tabu? Eine Mittäterin im Nazideutschland sympathisch darzustellen? Eins lässt sich dabei besonders schwer verkaufen: Stella bereut ihre Taten bis zum Ende nicht. Diese Kühle bringt ihr den Namen blondes Gift ein, nachdem das Stück benannt ist. Die bildschöne Stella wird gerne als eiskalte Femme fatale dargestellt, eine Männerverschlingende Lebefrau, die über Leichen geht um ihre Haut zu retten. Das Stück will dieses Bild ergänzen. Und fragt: wer war Stella Goldschlag?

Eine sorglose Zwanzigjährige aus Westberlin, mit goldenen Locken, einem breiten Lächeln und dem Ehrgeiz, einmal Jazzsängerin zu werden. Jüdischsein ist nichts, womit sie sich sich identifiziert, eine auferzwungene Identität, die lebensgefährlich wird. Auf dem Ku’Damm wird bald geflüstert – nicht mit Stella reden – die ist eine Greiferin, die verpfeift dich bei der Gestapo. Gespielt wird Stella von Dulcie Smart. In einer One-Women-Show durchlebt sie ihre Geschichte. Nur in einem seidenen Nachthemd bekleidet, schreitet Dulcie durch Roberts lichtdurchflutete Altbauwohnung und übt ihren Monolog

Sie ist nicht nur Hauptdarstellerin sondern auch CO-Produzentin. Sie finanziert das Stück mit Robert aus eigener Tasche, denn beide sind sich sicher das Stück ist aktueller den je. In der Auseinandersetzung mit Stellas Geschichte kommen die Zuschauer*innen nicht drumherrum, sich diese Fragen zu stellen: Wie hinterhältig könnte ich werden, wenn es um mein eigenes Leben geht? Was macht Nationalismus mit Menschen? Wer sind wir und wer sind die anderen und wer bestimmt, wer dazu gehört? Und plötzlich sind wir nicht mehr in den 40ern, sondern mitten im 21. Jahrhundert.

Redaktion

Jasmin Kröger
Spezialgebiet: Bieryoga, Cher und Milchalternativen

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