Europawahl No.9 – UK Independence Party (UKIP)

▷ Letzte Änderung: 2014-05-23
By Diana Hagenberg [FluxFM] |

Die Europawahl ist gestartet. In den Niederlanden und Großbritannien die Wähler bereits ihre Kreuzchen machen. Offizielle Ergebnisse dürfen EU-weit erst am späten Sonntagabend veröffentlicht werden, wenn auch die letzten Wahllokale in Italien geschlossen haben – aber die Umfragen und erste Prognosen zeigen: in beiden Ländern könnten rechtsextreme Parteien stark dazugewinnen. In Großbritannien die UK Independence Party, kurz UKIP. Julia Oberlohr hat sie mal etwas genauer unter die Lupe genommen.

„I want no flag, no anthem, no Mr. Rompuy, no European Comission. I want Europe out of the European Union.“

Ganz Europa soll also raus aus der EU, wenn es nach Nigel Farage geht, dem Chef der UKIP – Flagge, Hymne, EU Ratspräsidenten Herman Van Rompuy und die EU-Kommission bräuchte dann natürlich auch keiner mehr. Seit 15 Jahren sitzt Nigel Farage im EU-Parlament und fällt dort immer wieder mal unangenehm auf. Wenn er beispielsweise ebengenannten Herrn Rompuy beleidigt, als Mann mit dem Charisma eines „feuchten Lappen mit dem Gehabe eines kleinen Bankangestellten“.

Farage nimmt kein Blatt vor den Mund – und er ist durchaus eloquent und rethorisch geschickt, er weiß, wie man radikale Botschaften verpacken muss. Großbritannien soll raus aus der EU, das ist das Hauptanliegen der ultrakonservative UKIP und auch sonst ist sie vor allem eines: Anti. Gegen Einwanderer, gegen Sozialstaat, gegen Erneuerbare Energien.

„We are not a racist party, it is in no way racist to say, we should control the quality and quantity of people who come into this country.“

Seine Partei sei nicht rassistisch, betont Farage und bittet gern mal zum Gruppenfoto, auf dem er sich dann mit UKIP-Mitgliedern verschiedenster Herkunft und Hautfarbe umgibt. Trotzdem, verbale Entgleisungen seiner Parteikollegen stehen an der Tagesordnung: homophob, fremden- oder frauenfeindlich, oder schlicht schwachsinnig. Farage selbst wettert in einem Interview gegen rumänische Einwanderer – pro forma entschuldigt er sich später für seine Formulierung.

„I could have been clearer, but you know what? In life sometimes, we get things wrong.“

In bester Populistenmanier eben, hetzen und dann einen halbherzigen Rückzieher machen. Die Strategie scheint aufzugehen. Bei der letzten Europawahl erreichte die UKIP 16 Prozent und ist weiter auf Erfolgskurs. Auch ganz offensichtliche Widersprüche können Farage anscheinend nichts anhaben: er warnt vor Ausländern, die den Briten die Jobs wegnehmen würden – zugleich beschäftigt er seine Frau, die Deutsche ist, als seine Sekretärin. Im Gegensatz zu anderen Einwanderen würde seine Frau keinem Briten den Job wegschnappen, davon ist Farage überzeugt, weil ohnehin kein anderer als Sekretär für ihn arbeiten wolle.

Auch die etablierten Parteien in Großbritannien nehmen die UKIP inzwischen ernst: Premier Cameron hat sich in diesem Wahlkampf erstmals direkt an die UKIP-Wähler gewandt hat, ein absolutes Novum. Die UKIP einfach links liegen lassen wie bisher, das traut sich keiner mehr. Eine neuen Studie zufolge wollen 60 Prozent der UKIP-Wähler der Partei auch nach der Europawahl treu bleiben. Wenn sich das bewahrheitet, dann könnte es im britischen Parlament ungemütlich werden, insbesondere für die konservativen Tories.

Redaktion

Julia Oberlohr
Spezialgebiet: Kultur, Politik, Stadtleben und alles, was sonst noch so anfällt.

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