Cover "Seekers and Finders" von Gogol Bordello.

Gogol Bordello – Seekers and Finders | Spätzünder

▷ Letzte Änderung: 2017-12-06
By Ann-Kathrin [FluxFM] |

Es ist überall so, nicht zuletzt bei der Musik: Manchmal braucht man einfach länger. FluxFM Spätzünder beschäftigt sich deshalb mit Alben, die uns erst auf den zweiten Hördurchlauf so richtig ans Herz gewachsen sind. Egal, ob’s um alte Perlen oder aktuelle Beats geht, schließlich kennt auch die Liebe auf der zweiten Rille kein Alter. Diesmal beschäftigen wir uns mit:

Gogol Bordello – Seekers and Finders

Vor rund 10 Jahren fiel Kollegin Aysche Wesche eine Platte in die Hände: „Gyppsy Punks: Underdog World Strike“. Ja, die Damen und Herren versprechen nichts Geringeres als die Revolution der Unterdrückten. Bescheidenheit ist nicht ihr Ding. Die Rede ist von Gogol Bordello. Und Aysche? Die war sofort schock-verliebt! Wann und wieso diese Liebe eingeschlafen ist, kann sie rückblickend nicht erklären. Mit dem neuen Album Seekers and Finders hat sie die Band wieder entdeckt. Vergleicht man die Platte mit den frühen Werken ist die deutlichste Veränderung vielleicht ein Mehr an Komposition und ein Weniger an wirrem Etno-Punk. Der düstere Song „If I Ever Get Home Before Dark“ hätte auf Super Taranta 2007 wie ein Alien gewirkt.

Aber Gogol Bordello wäre nicht Gogol Bordello, wenn der energiegeladene Drive gänzlich verschwunden wär. Es gibt sie noch, die Markenzeichen a la quietschender Geige, Akkordeon-Power und rumpelnden Beats. Schon der Opener „Did It All“ macht das klar und dürfte eingefleischte Fans sofort überzeugen.
Der Song zeigt: Gogol Bordello ist eine Band, die sich treu bleibt – oder besser: ihrem Frontman treu bleibt. Denn was die Band ausmacht ist schnell und in zwei Worten erklärt: Eugene Hütz. Der Weltenbummler und selbst erklärte immigrant Punk mit dem imposanten Schnauzer. Beim jüngsten Werk hat er erstmals auch die Produktion übernommen. Immer auf der Suche nach neuen Einflüssen reist Hütz um die Welt – und bringt von seinen Reisen auch gern mal spontan das ein oder andere Bandmitglied mit. So kommts, dass die Bühne bei den legendären Live-Auftritten stets gut gefüllt ist – und die Einflüsse kaum an beiden Händen abzuzählen sind: Dub, Rock, Balkan Folk, Salsa, Tango Reggae – und immer wieder: Punk.

Hütz versteht es, die verschiedenen Musikstile aufzunehmen und ein mal durch den Gogol-Wolf zu drehen. So klingen die Songs mal nach einem wilden Ritt, mal nach einer Ballade. Wie der Titelsong, „Seekers and Finders“, ein Duett mit Regina Spektor. Zwei musikalische Welten treffen aufeinander: ihre sanfte Stimme und sein raues Organ – heraus kommt ein gänzlich unaufgeregtes Stück und echter Ohrwurm-Anwärter. Entstanden ist das Album auf Reisen zwischen Osteuropa und Lateinamerika – richtig Rund sei es laut Hütz aber erst in New York geworden. Und das hört man. Die vielen Einflüsse werden akzentuierter platziert als auf den älteren Platten. Damit vereint das mittlerweile siebte Studioalbum das Beste aus Alt und Neu. Aysche hat „Seekers and Finders“ an eine alte Liebe erinnert, die so schnell nicht mehr einschlafen wird.

Redaktion/Moderation

Aysche Wesche
Wortredaktion
Spezialgebiet: Stadtleben, Politik und Kultur.
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