Frisch gepresst: Jake Bugg - Hearts That Strain
Frisch gepresst: Jake Bugg - Hearts That Strain

Jake Bugg – Hearts That Strain | Frisch gepresst

▷ Letzte Änderung: 2017-09-01
By Marcus Latton |

Die Intro schreibt, das neue Jake Bugg-Album wäre „schal und schnöde“. Ihr könntet gar nicht falscher liegen, liebe Kolleg*innen! Hearts That Strain ist wunderbar; soft und buttrig wie ein Mamba-Kaubonbon bei Sonnenuntergang auf der Modersohnbrücke.

Aufgenommen hat Bugg die Platte in Nashville in den American Sound Studios. Mit der dortigen Hausband, die schon für Elvis in Tasten und Saiten griff. Geholfen haben außerdem Matt Sweeney und Dan Auerbach. Der eine Produzent für Künstler wie Neil Diamond und Eagles of Death Metal, der andere für Lana Del Rey. Dan Auerbach ist zudem bekanntermaßen Black Keys-Mitglied. Ob es die Stadt war oder die erfahrenen Musiker: Hearts That Strain ist im Gegensatz zu Buggs bisherigen Alben so viel ruhiger und zurückgelehnter. Die jugendliche Aggressivität ist dem 23-jährigen Engländer größtenteils abhanden gekommen. Der Song Burn Alone ist dieses Mal das höchste an Drive, was der Hörer vorgesetzt bekommt.

Wer den Plattenschrank seiner Eltern gut kennt, der wird hier durchgängig ein warmes Gefühl in der Magengegend bekommen. Es gibt psychedelische Wabereffekte wie bei den Small Faces, romantisches Fabulieren wie bei den Carpenters, Erinnerungen an ABBAs Fernando und oft muss man an Songwriter Al Stewart denken.

Seit seinem Debüt 2012 ist Jake Bugg unheimlich gewachsen. Zum einen persönlich: Der kleine verstimmte Junge, der im Interview früher die Zähne nicht auseinander bekommen hatte, kann mittlerweile auch mal einen Witz machen. Und dann natürlich musikalisch: Ausgehend von einer Art Punk-Folk, der durch seine charakteristische Stimme getragen wurde, hat er in den letzten Jahren orchestriert, gesungen und ausprobiert. Mit Hearts That Strain hat er wie mit den vorherigen Platten wieder neues Territorium betreten.

Dass das jetzt eher in Richtung Yacht-Rock geht, kann man im Vergleich zu vorher schnöde und langweilig finden. In sich ist es aber eine Weiterentwicklung und eine Öffnung, die Jake Bugg glänzen lassen und uns Entspannung bringen.

 

Musikredaktion

Melanie Gollin
Musikredaktion & Programmplanung,
entdeckt neue Musik und kann super Kuchen.

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