James Murphy
James Murphy

James Murphys Subway Symphony

▷ Letzte Änderung: 2014-02-28
By Diana Hagenberg [FluxFM] |

Hierzulande ist man es ja gewohnt, dass die Ticketkontrolle in der U-Bahn persönlich erfolgt: Ein mehr oder weniger freundlicher Kontrolleur fordert einen auf, den Fahrschein vorzuweisen. In New York City ist das anders: Man muss durch ein Drehkreuz -und wenn man Fahrschein scannt, ertönt ein Piepsen. Das ist nicht besonders hübsch – um nicht zu sagen, nervig. Ein Mann will das jetzt ändern: James Murphy von lcd soundsystem. Julia Oberlohr hat die ganze Geschichte:

 

Nerviges Piepsen und Gefiepe – so klingt es, wenn während der Rush Hour die Massen durch die Drehkreuze in der New Yorker U-Bahn drängen. Und dabei könnte sich das Ganze so schön anhören, jedenfalls wenn es nach Musikproduzent und DJ James Murphy geht.

„Es ist eine ziemlich harte Stadt, eine teure Stadt, aber in der U Bahn, da sind alle gleich, das ist pures New York. Ich habe ja eine Art Liebesbeziehung mit der Subway, sie ist das beste an New York.“

Aber eben akustisch noch nicht wirklich ausgereizt: Jedesmal, wenn ein Fahrgast sein Ticket am Drehkreuz scannt, piepst es und zwar in drei Varianten. Die bedeuten: Durchgang gewährt, Ticket nochmal scannen oder Ticket ungültig. Murphy hat sich überlegt:

„Wenn man bedenkt, dass die ganze Information schon in den Drehkreuzen steckt, warum machen wir daraus nicht einen schönen Klang, einfach etwas Angenehmes.“

Und zwar eine Subway Symphony. Und er hat natürlich den passenden Masterplan:

„Ich möchte für jede Station in New York ein ganz charakteristisches Notenset komponieren. Wenn die Leute dann erwachsen werden, und später in ihrem Leben ein Stück Musik hören, dann sagen sie: ah, das klingt wie Union Square.“

Abgesehen von nostalgischen Aspekten würde die Subway Symphony aber auch noch ganz praktische Vorteile bringen – im Idealfall würde man nie mehr die eigene Station verschlafen.

„Wenn du da ankommst, würdest du ein paar Töne hören – du könntest den aktiven Teil deines Gehirns ausschalten, aber du würdest die Töne deiner eigenen Station hören, würdest dein Buch zur Seite legen und aussteigen.“

Subway Symphony Screenshot2

Subway Symphony Screenshot2

Seit fast 15 Jahren verfolgt Murphy sein Projekt von der Subway Symphony, bis jetzt ist er beim zuständigen Verkehrsunternehmen allerdings auf taube Ohren gestoßen: zu teuer und aufwändig, heißt es von dort. Nun stehen umfassende Renovierungsarbeiten an – und Murphy sieht seine Chance gekommen. Er hat eine Petition gestartet, um die Verantwortlichen zu überzeugen. Denn in Wahrheit sei das Projekt sowohl technisch als auch finanziell relativ einfach umzusetzen.

 

Alle Infos zum Projekt gibt es unter subwaysymphony.org. Und wer mit der New Yorker Subway nicht so viel anfangen kann, für den hat James Murphy noch etwas anderes parat – er scheint ja wirklich jede Menge Zeit zu haben: seinen eigenen Espresso. Den kann man online kaufen, bei bluebottlecoffee.com, er heißt „House of Good“.

 

Redaktion

Julia Oberlohr
Spezialgebiet: Kultur, Politik, Stadtleben und alles, was sonst noch so anfällt.

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