Station 17 live (Foto: Sebastien Cuvelier, Pressefreigabe)
Station 17 live (Foto: Sebastien Cuvelier, Pressefreigabe)

Jeder kann Musik bei Station 17

▷ Letzte Änderung: 2016-03-21
By Fabian [FluxFM] |

Seit knapp 30 Jahren zählen sie zu den festen Größen im vielfältigen musikalischen Kulturangebot in Hamburg. Sie spielten bereits mit Fettes Brot, Stereo Total, DJ Koze und den Toten Hosen – um nur mal eine kleine Auswahl zu nennen. Aber das schönste an Station 17 ist zweifelsohne, dass dort Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam völlig ungezwungen Musik machen können. Das ungewöhnliche weltoffene Projekt wurde von unserer Redakteurin Aysche Wesche genauer unter die Lupe genommen.

Hier gibt es den Beitrag zum Nachhören in voller Länge:


Begonnen hat Station 17 1988 in einer Wohngruppe für geistig behinderte Menschen – der Wohngruppe 17. Dort arbeitete Kai Boysen damals, während seine Karriere als Independent-Musiker stagnierte, als Nachtwächter, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Idee zu der Band entstand eher durch Zufall, wie Kai Boysen sich erinnert:

Dann liegst du halt in deinem Zimmer und kannst nicht schlafen und nebenan fangen Menschen mit geistiger Behinderung nachts an zu singen und Geräusche zu machen. Und ich dachte: „Hey, das möchte ich jetzt gerne mal mit meinen musikalischen Ideen oder denen von meinen Freunden zusammen bringen.“ So entstand sozusagen die Kernidee der inklusiven künstlerischen Zusammenarbeit

Gründungsmitglied Kai Boysen blieb 14 Jahre lang als Gitarrist bei Station 17. Sonst eher ungewöhnlich für die Band, die innerhalb von 27 Jahren und acht Alben bereits etliche neue Musiker willkommen geheißen hat. Zwar gibt es durchschnittlich zehn Bandmitglieder, doch diese wechseln desöfteren. So funktioniert schließlich inklusive kreative Zusammenarbeit.

Mittlerweile existiert Station 17 bereits in der vierten Generation. Auch stilistisch geht es abwechslungsreich zu: Von Rock über Electro bis Pop gibt es kaum ein Genre, dem sich das Projekt noch nicht angenommen hat. Unterstützung bekamen sie dabei nicht selten von Deutschlands musikalischer Speerspitze. Den Song Lila Pause nahmen sie beispielsweise mit DJ Koze auf, in Regenbogen sind die Jungs von Fettes Brot am Mikrofon zu hören:

 

Frittenbude, Die Toten Hosen, Stereo Total, Einstürzende Neubauten – sämtliche Musiker aufzuzählen, die Station 17 bereits unterstützten, würde hier den Rahmen sprengen. Sie alle eint wahrscheinlich die Faszination für die ungewöhnliche Arbeitsweise der Band. Die Texte entstehen etwa nicht selten einfach durch freie Assoziation oder aus Gesprächen. Zum Beispiel beim Song Fach Denken mit Text von Birgit Hohn, wie sich Kai Boysen erinnert:

Als Birgit grade mal nichts einfiel, fragten wir sie „Ach Birgit, wie funktioniert eigentlich das Denken?“ Dann fing sie an, ganz laut darüber nachzudenken und das Ganze war dann ein ungefähr 20 Minuten langer Text, der alle möglichen Facetten des Denkens behandelte.

Kurzum: Der Musik von Station 17 wohnt eine ganz eigene und mitreißende Offenheit und Neugierde inne, die man sonst selten erlebt. Zum Glück gibt es in der großen Welt immer wieder Neues zu entdecken, so dass die wechselnden kreativen Köpfe hinter der Band hoffentlich noch lange weitermachen. Kai Boysen ist zwar mittlerweile nicht mehr als aktiver Musiker dabei, bleibt der Band jedoch bis heute eng verbunden. Heute leitet die Barner 16 GmbH, eine Plattform für die unterschiedlichsten Bands und diverse Nebenprojekte wie Tanz, Theater und Videokunst.

Wer sich mehr von Station 17 anhören will, wird auf der Bandcamp-Seite fündig. Und auf der Homepage von Barner 16 gibt es alles weitere Wissenswerte zu lesen.
 

Redaktion/Moderation

Aysche Wesche
Wortredaktion
Spezialgebiet: Stadtleben, Politik und Kultur.
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