Himmel über Berlin (Foto: Felicitas Montag)

Kauf dein Gewissen frei mit CO₂-Kompensation

▷ Letzte Änderung: 2019-01-10
By Lena Mempel |

Fliegen, Autofahren, Heizen: Rund elf Tonnen Kohlendioxid verursacht im Schnitt jeder Deutsche pro Jahr. Wer sein schlechtes, umweltbewusstes Gewissen beruhigen will, kann mithilfe eines CO₂-Kompensators seinen ökologischen Fußabdruck verringern. Das bedeutet: Geld wird an ein Umweltschutzprojekt gezahlt, damit am Ende wieder alles klimaneutral wirkt. FluxFM-Redakteurin Filli Montag hat recherchiert, wie sinnvoll und seriös das Ganze ist.


Im Sommer geht’s nach Paris. 110 Euro Hin- und Zurück zahle ich mit dem Zug, wenn ich früh buche und ein Sparpreisticket ergattere. Die Reise dauert 18 Stunden- Hin- und zurück. Mit dem Flieger zahle ich 20 Euro weniger und brauche gerade mal 4 Stunden. Beim Fliegen spare ich Zeit und Geld, warum sollte ich also mit dem Zug reisen? Schließlich kann ich mich auch freikaufen von meiner Umweltsünde! Zahlreiche Unternehmen bieten an, den CO₂-Vebrauch zu ermitteln: Für meinen Flug von Berlin nach Paris komme ich auf etwa 430 Kilogramm Kohlenstoffdioxid. Kompensiert wird mein Verbrauch mit Umweltschutzprojekten: Hierfür werden in der Regel Ausgleichszertifikate an der Börse gekauft, sagt Stefan Fischer von Stiftung Warentest:

Diese Zertifikate sind wiederum hinterlegt mit Projekten, durch die CO₂ eingespart werden kann. Es geht da vor allem um Energieffizienz und erneuerbare Energien. Es gibt dann für die Projekte unabhängige Zertifizierer, die sich anschauen, was mit dem Geld, was man spendet, gemacht wird.

Sprich: ob tatsächlich auch Bäume in Bolivien gepflanzt, Solarlampen in Indien gekauft oder Windkrafträder in Nicaragua aufgestellt werden. Die Preise für die Kompensation schwanken aber je nach Anbieter. Der Preis hängt zum einen vom Zertifikat ab, von der Qualität, aber auch von der Art, wie der Preis ermittelt wird. Einige Anbieter berücksichtigen nur den CO₂ Ausstoß, andere achten zum Beispiel auch darauf, wie sich die Ruß-, Wolken- oder Schwefelbildung auf das Klima auswirken. Wer sicher gehen will, ob ein Anbieter seriös ist, sollte darauf achten, wie das Geld verteilt und in welche Projekte investiert wird. atmosfair, Klima-Kollekte und Primaklima schneiden zumindest bei Stiftung Warentest am besten ab:

Das sind zumindest Organisationen, die einen Qualitätsanspruch haben, die transparent offenlegen, wie sie mit dem Geld umgehen. Also sie können sich deren Websites anschauen und finden dort ausführliche Infos zu den Projekten und die sind auch so geführt, das nicht eine Person das Sagen hat, sondern es eine gewisse Kontrolle gibt.

Klar ist aber auch: Gar nicht fliegen hilft der Umwelt mehr, als fliegen und kompensieren. Deshalb habe ich auch den Zug nach Paris gebucht, aber ich gebe zu: 10 Euro Kompensation zu zahlen, wäre mir leichter gefallen, einfach weil’s bequem ist.

Euren persönlichen, ökologischen Fußabdruck könnt Ihr HIER berechnen lassen.

Redaktion

Filli Montag
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