Kim Gordon – „Girl in a band“

▷ Letzte Änderung: 2015-04-13
By Sophie [FluxFM] |

Kim Gordon kennt ihr als Bassistin, Sängerin und Songwriterin der Noise Rocker Sonic Youth. Heute erscheint die Autobiographie Kim Gordons Girl in a band auf deutsch bei Kiepenheuer& Witsch. Zarah-Louise Roth hat schon mal für euch reingelesen:

Kim Gordon - Girl in a Band

Eins vorweg: Kim Gordons Autobiographie „Girl in a band“ ist keine Geschichte über Sonic Youth. Kim Gordon:

„Es sollte eine Geschichte über mich und meine Entwicklung werden. Außerdem wollte ich, dass es ein Porträt über das Los Angeles der 60er/70er Jahre und das New Yorker der 80er/90er Jahre wird.“

In einem Interview mit der Huff Post antwortet die Autorin auf die Frage, warum sie gerade jetzt ihre Memoiren geschrieben hat:

„…keine Ahnung, Rock Star Memoiren sind wohl die neuen Platten oder so. Patty Smiths Buch kam ja auch gut an. Ich hatte nie vor, meine Autobiographie zu schreiben. Aber ich wollte meine Erfahrungen der letzten Jahre konstruktiv verarbeiten. Wenn einem so etwas traumatisches widerfährt, schaut man eben automatisch zurück auf sein Leben und überlegt, wie man dorthin gekommen ist, wo man ist…“

Mit traumatischem Erlebnis meint Gordon die Trennung von Ehemann und Bandkollege Thurston Moore. Nach 30 Jahren Band, 27 Jahren Ehe und 17 Jahren gemeinsamer Erziehung von Tochter Coco. Ein harter Bruch in ihrem Leben. Und so beginnt das Buch mit dem Ende. Kapitel 1:

[…] Als wir an diesem Abend zu unserem letzten Konzert auf die Bühne kamen, drehte sich alles nur um die Jungs. Äußerlich hatten wir und in den letzten 30 Jahren eigentlich nicht verändert. Wie es in uns aussah, war jedoch eine völlig andere Geschichte […]

 
14.11.2011: Beim letzten Auftritt von Sonic Youth in Sao Paulo regnet es in Strömen. Thurston und Kim reden nicht miteinander und schauen sich auf der Bühne nicht einmal an. Im Buch beschreibt sie das ernüchternde Ende so:

[…] Eine Beziehung, die jeder für glücklich, normal und stabil hielt, die jüngeren Musikern Hoffnung machte, sie könnten die irrwitzige Welt des Rock’n’Roll unversehrt überleben, war jetzt nur noch ein weiteres typisches Beispiel für eine gescheiterte Ehe: ein Mann mit Midlifecrisis, eine andere Frau, ein Doppelleben. […]

Dann springt die Geschichte an den Anfang, zu Gordons Kindheit mit ihren Akademikereltern, ihrem Bruder Keller, der später schizophren wird. Sie erzählt von ihren frühen musikalischen Vorbildern wie Joni Mitchell – und ihren Freunden – wie Kurt Cobain. Kapitel 34:

[…] Es ist komisch, wie oft ich an Kurt denke. Er war immer empfänglich für jede Liebenswürdigkeit, mit seiner verletzlichen, passiven Seite. Auf der Bühne war er furchtlos, aber auch erschreckend. […]

Kim Gordons Autobiographie liest sich als poetisches, offenes Zeugnis einer furchtlosen aber zurückhaltenden Frau, die nach 30 Jahren Musikkarriere ohne Koketterie von sich sagt: Ich bin keine Musikerin. Der Titel des letzten Sonic Youth – Studioalbums The Eternal liest sich nach der Lektüre und dem Ende der Band wie ein Trost: „Alles vergeht… Die Musik aber, die wird bleiben.“

Ganz ohne ihre Musik müsst ihr ja nicht leben. Kim Gordon macht seit dem Ende von Sonic Youth mit Bill Nace unter dem namen Body/Head experimentelle Gitarrenmusik. Außerdem erschien 2012 YOKOKIMTHURSTON, ein gemeinsames Album von Kim Gordon, Thurston Moore und Yoko Ono.

Redaktion

Zarah-Louise Roth
Wortredaktion
Spezialgebiete: Weltverbesserung, Festivals, Essen.

… zum Profil

Ein Kommentar

  1. Stefan says:

    Hi Zarah, danke für das Reinschnuppern in ihre Autobiographie. Als Fan bin ich quasi gezwungen, mir ihre Autobiographie zu holen und das werde ich auch tun. Danke nochmal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.