Kleine Berliner Kiezbibliotheken in Not

▷ Letzte Änderung: 2014-07-04
By Diana Hagenberg [FluxFM] |

Ich weiß nicht wie es euch geht – aber gerade als Kind und Jugendlicher war ich wirklich häufiger Gast in meiner Stadtbibliothek. Denn groß Geld, um sich Bücher selbst zu kaufen hatte man noch nicht – und in den endlosen Reihen der Bücherei stand einem ein schier unerschöpflicher Vorrat an Lesematerial zur Verfügung. Ohne eine Stadtbibliothek hätte ich vermutlich nie den Geschmack an Büchern gefunden. In Berlin geht es diesen wichtigen Kulturspendern aber zunehmend an den Kragen: Laut Statistischem Bundesamt musste mehr als die Hälfte der Berliner Stadtteilbibliotheken aus Geldmangel in den vergangenen Jahren schließen. 84 gibt es derzeit noch. Zarah- Louise Roth über kleine Berliner Kiezbibliotheken in Not.


Kiezbibliotheken sind ein geschützter Raum, der nach und nach verloren geht – gerade für Kinder und gerade in sozialen Brennpunkten. Manuela Werner leitet den Kinderbereich in der Mittelpunktbibliothek am Kottbusser Tor in der Adalbertstrasse in Kreuzberg. Für sie sind Bibliotheken mehr als Orte der Ruhe, wo man arbeiten kann:

„Dort kann man hingehen, ohne zu konsumieren, um auch gerade hier einen geschützten Raum zu bieten, wo Menschen jeglicher Herkunft sich aufhalten können. Das ist sehr sehr wichtig und gerade in diesem Bereich haben wir auch einen großen Zulauf.“

Bildungsprozesse begleiten, Lesekompetenz und Sprachbildung fördern, Hausaufgabenbetreuung, Kooperationen mit Schulen und Kitas, Volkshochschultreffs – das alles findet statt in den Kiezbibliotheken. Manuela Werner:

„Das ist hier auch ein Ort der Kommunikation, des Treffens und des Miteinanders. Wir sind hier im Kiez auch ganz stark vernetzt. Und das sind nicht nur wir: Es gibt mittlerweile viele Bibliotheken, die in ihrem Kiez eine ganz spezielle Rolle haben.“

Der Mittelpunktbibliothek in der Adalbertstrasse droht zwar nicht konkret die Schließung, aber Kürzungen sind auch hier angesagt. Härter trifft es da die Bona-Paiser-Bibliothek um die Ecke in der Oranienstraße – die sollte dicht gemacht werden. Frauke Mahrt-Thomsen hat die Bücherei viele Jahre geleitet. Als sie von der drohenden Schließung erfuhr, hat sie sich gewehrt. Frauke Mahrt-Thomsen:

„Daraufhin haben wir eine Bürgerinitiative gegen die Schließung der Bona-Paiser-Bibliothek gegründet. Dann haben wir von der besonderen Möglichkeit eines Einwohnerantrags erfahren und haben dafür 1500 Unterschriften bis Anfang April gesammelt.“

Das reicht, damit sich die Bezirksverordnetenversammlung mit dem Anliegen der Einwohner befassen muss. Eine klare Mehrheit stimmte dort gegen die Schließung. Vorerst. Frauke Mahrt-Thomsen:

„Zwar ist auch jetzt die Existenz der Bona-Paiser-Bibliothek nur für eine Übergangsfrist von etwa einem Jahr gesichert. Aber natürlich würde ich sehr nachdrüklich sagen: Wehrt euch!“

Wie es nach dem Jahr Aufschub weitergeht, entscheidet dann wieder die Bezirksverordnetenversammlung. Aber erst nach der Sommerpause.


Wer sich gegen die Schließungen wehren möchte: 1500 Unterschriften von Einwohnern des betreffenden Bezirks reichen, damit die jeweilige Bezirksverordnetenversammlung das Thema auf die Agenda nehmen muss.

Redaktion

Zarah-Louise Roth
Wortredaktion
Spezialgebiete: Weltverbesserung, Festivals, Essen.

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