L'herbivore "Fleisch"theke (Foto: Jonny Theuerl)

L’herbivore – Berlins erste vegane Fleischerei

▷ Letzte Änderung: 2016-03-24
By Nina [FluxFM] |

Vegane Geschäfte und Restaurants liegen voll im Trend. Sogar vegan heiraten kann man heutzutage. Eine Geschäftsidee, die in diesem Zusammenhang unser besonderes Interesse geweckt hat, ist die erste vegane Fleischerei Berlins L’herbivore in Friedrichshain. FluxFM-Foodspezialistin Zarah-Luise Roth hat sich die tierlose Fleischtheke mal genauer für euch angeguckt.

 

Die Presse nennt den Laden „Berlins erste vegane Fleischerei“. Jonny Theuerl und Eric Koschitza sehen ihren Laden L’herbivore eher als Saitanproduktion mit angeschlossenem Bistro. L’herbivore heißt übrigens Pflanzenfresser und genau die werden hier glücklich und satt. Alles ist vegan und zu 100% bio-zertifiziert: vom Sojahack über die Lupinenburger bis hin zum veganen Gyros.

Der modern-minimalistisch eingerichtete kleine Laden mit Frischetheke bietet Platz für 15 hungrige Gäste. Mittagessen wie Schaschlik, Häckbällchen mit Sauerkraut oder Seitanburger mit Salat kosten um die 6€. Seitan ist übrigens wie Tofu auch keine Erfindung von Food-Hipstern der Nullerjahre, sondern eine jahrhundertealte asiatische Esstradition, erzählt Eric Koschitza:

„Es ist eine eigene Esskultur, die sich nicht hinter irgendwelchen Fleischprodukten verstecken muss. Deswegen sind wir eigentlich auch nicht so sonderlich scharf darauf, dass unsere Produkte ständig in Konkurrenz mit Fleischprodukten gesetzt werden.“

Nur, weil man sich tierlos ernährt, will man noch lange nicht auf deftige, würzige Speisen verzichten, findet auch Jonny Theuerl:

„Wir stehen auf Grillen, ich steh‘ auf Raucharoma, auf Röstaromen. Und deswegen hab ich früh angefangen, mir meinen Seitan selbst zu kochen. Dann kamen wir nach und nach auf die Idee, dieses Produkt auch an andere zu verkaufen. Und ich hab es noch nie verstanden, warum es dieses Klischeebild gibt vom Veganer, der nur seinen Kohlrabi röstet.“

Den Trend, dass große Fleischereiunternehmen jetzt auch mit Fleischersatzprodukten à la „Schmeckt wie Salami“ oder „Vegi-Chicken Nuggets“ auf den Markt drängen, sieht Eric kritisch:

„Man unterstützt halt den Konzern, der mit Massentierhaltung fast sein ganzes Geld verdient, damit, dass man vegetarische Produkte bei ihm kauft. Das geht meiner Meinung nach nicht.“

Bei L’herbivore bekommt man stattdessen regionale, vegane Produkte mit Bio-Siegel. Preislich können sie mit den Supermärkten mithalten – nur, dass eben mehr Handarbeit und Liebe drinsteckt. Und das gute Gewissen gibt es gratis dazu.

Man kann bei den beiden auch Caterings für bis zu 50 Leute buchen. Und bald wollen sie ihre Produkte, wie den Seitan-Lupinen-Koriander-Muskat-Bratling, auch in Bio-Supermärkten wie der LPG vertreiben. Die Maschinen in der großen Küche sind groß genug.

L’herbivore | Facebook
Petersburger Str. 38
10249 Berlin

 

Redaktion

Zarah-Louise Roth
Wortredaktion
Spezialgebiete: Weltverbesserung, Festivals, Essen.

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