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Monumente | 50 Jahre WBS 70 Platte

▷ Letzte Änderung: 2020-01-15
By Mila Weidelhofer |

Sie steht in Cottbus „Zentrum“, Leipzig „Grünau“ und in Berlin „Marzahn“.
Die Wohnungsbauserie 70 ist die Standardplatte der ehemaligen DDR.
Zu ihrem 50. Geburtstag hat FluxFM-Redakteurin Mila Weidelhofer nachgeforscht, was die Platte so beliebt gemacht hat.


Den Beitrag gibt’s hier zum Nachhören:

Quadratisch, praktisch, einheitlich. 1970 entwickeln die Architekten Achim Felz und Wilfried Stallknecht das berühmteste Plattenraster der DDR: 1.20m x 1,20m. Ihr Ziel: Schnell neuen Wohnraum schaffen.

Dr. Hanno Hochmuth vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam:

„Das hatte sehr viel damit zu tun, dass es eine große Wohnungsnot gab nach dem Zweiten Weltkrieg. Die wurde zunächst angegangen mit traditioneller Bauweise. Wenn man sich zum Beispiel die Stalinallee in Berlin anschaute: Das war extrem prestigeträchtig, aber auch extrem teuer. In den 60er Jahren ging die DDR dann dazu über, das Bauen billiger zu machen und zwar durch industrielle Vorfertigung und indem man vorgefertigte Platten verwendete.“

Früher sagte kaum jemand „Platte“

650.000 Wohnungen der Bauserie 70 werden in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft und prägen das Aussehen der DDR grundlegend.
Die Durchschnittswohnung: 61qm, 3 Zimmer, kein Balkon. Der Ausbau einer Wohnung dauert durchschnittlich nur 18 Stunden. Die Miete: 109 DDR-Mark.
50 Jahre nach ihrer Geburt hat sich der Diskurs um die Platte verändert.

„In der Zeit ihrer Entstehung galten die als total modern und tatsächlich als wichtige Antwort auf das Wohnungsproblem. Damals sagten auch die wenigsten Leute ‚Platte‘. Das ist ein Begriff der erst in der Nachwendezeit aufgekommen ist. Wo insbesondere die Großsiedlungen in Marzahn oder Hellersdorf in Verruf gekommen sind oder ein ganz anderes Image bekommen haben als zu DDR-Zeiten.“

Der Planungsfehler: Viele Wohnungen, aber keine Infrastruktur

Gut geschnitten, ordentlich beleuchtet: Vor der Wende ist eine Wohnung im Plattenbau noch heißbegehrt. Die Bewohner verschaffen sich Individualität mit farbenfrohen Balkonen. Und trotzdem: Beim Bau wird ein wichtiges Detail übersehen…

„Viele Menschen, die eingezogen sind in diese Neubaublöcke, zogen ein und fanden nicht all zu viel vor. Was hinterher hinkte war die Infrastruktur. Die Kultureinrichtungen und Verkehrseinrichtungen. Das ist heute total anders. Heute sind auch die Bäume ausgewachsen, die dort rumstehen. Deshalb kann ich auch verstehen, dass die Leute heute mit ihrem WBS 70 Wohnungen ein Heimatgefühl verbinden.“

Am Ende spiegelt die WBS 70 in der DDR das wieder, wonach sich einige ihrer Bewohner lange sehnten: Die Einheit.

Wortredaktion

Mila Weidelhofer
Wortredaktion
Spezialgebiet: Feminismus, Innenpolitik, Rückrufe und Feierabendbier auf der Dachterrasse”

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