PainStation (Foto: Anton Stanislawski)
PainStation (Foto: Anton Stanislawski)

no pain no game – schmerzhafte Ausstellung im Museum für Kommunikation

▷ Letzte Änderung: 2016-03-01
By Nina [FluxFM] |

In Videospielen kann man ja bekanntlich tausend Tode sterben, ohne dass es irgendwelche realen Konsequenzen hat. Man startet eben das Level neu und weiter geht’s. In der Sonderausstellung no pain no game des Künstlerduos //////////fur//// läuft das etwas anders: Hier werden Fehler beim Spiel im echten Leben bestraft – mit Schmerz. FluxFM-Redakteur Anton Stanislawski hat sich ins Berliner Museum für Kommunikation aufgemacht und ist dort mal seiner masochistischen Ader auf den Grund gegangen.

 

Meine linke Hand liegt zitternd auf einem Metallschalter, meine rechte spielt nicht weniger zitternd den Videospiel-Klassiker Pong. Der Pixelball kommt auf meinen Schläger zu und… ARGH!

Ich verfehle ihn. Sofort werde ich bestraft, eine kleine Gummipeitsche drischt erbarmungslos auf meine schutzlose Hand ein. Als Folterinstrumente hat das Spiel außerdem Hitzewellen und Stromschocks auf Lager. Die Runde geht so lange, bis man aufgibt. Volker Morawe hat sich diese Quälerei ausgedacht:

“Im Groben gesagt ist diese Arbeit damals aus der Thematik Videospiele und Gewalt entstanden. Und uns hat gereizt, ein Spiel zu bauen, wo man nicht nur Leute umbringen kann und es passiert nichts. Du bekommst nicht einfach ein neues Leben, nein, du hast die Konsequenzen wirklich sehr direkt zu tragen.”

Volker Morawe und sein Kollege Tilman Reiff bilden das Künstlerduo //////////fur////. Nicht alles in ihrer Ausstellung no pain no game ist zum Glück so schmerzhaft. Gleich nebenan steht ein monströses Gerät, in das die Besucher von unten ihre Köpfe stecken können. Nach meinen Erfahrungen von gerade eben wackeln mir zwar etwas die Knie, aber was soll’s.


 

Ich stecke Hals über Kopf in einem Flipper und sofort geht das Spiel los. Eine klassische Partie Flipper aber mit völlig neuer Perspektive: First Person View mit unschlagbarer Grafik. Jedes Einzelne der Ausstellungsstücke ist interaktiv und will bespielt werden. Volker Morawe erzählt:

“Unsere Spezialität ist eigentlich das Kreieren von humoristischen Artefakten, sehr oft im Game-Kontext. Und es geht darum, nicht nur den Daumen auf dem iPad oder Smartphone zu benutzen, sondern wir versuchen alternative Interaktions-Schnittstellen zu bauen.”

Mal muss ich um einen riesigen Bildschirm auf dem Boden rennen, um eine Schlange im Spiel Snake zu steuern, mal werde ich von einem digitalen Trainer zur Schnecke gemacht, wenn ich nicht im richtigen Rhythmus auf einen Boxsack eindresche. Oder mein Gesangstalent ist gefragt: Zwei Mikrofone stehen sich gegenüber vor einer Box, in der ein Kipplabyrinth eingelassen ist. Volker Morawe und ich müssen eine Kugel hindurch steuern – allein mit unseren Stimmen.

Die Grenzen zwischen Kunst, Spiel und grottenschlechtem Gesang verwischen bei dieser Ausstellung. Ist aber letztlich auch völlig egal, denn sie macht Spaß. Und zwar nicht nur leidenschaftlichen Gamern: Selbst die Museumswärter haben Gefallen an der Ausstellung gefunden, wie ihre geröteten linken Hände verraten.
 

no pain no game
16.03. bis 26.06.2016

Museum für Kommunikation Berlin
Leipziger Str. 16
10117 Berlin

 

Redaktion

Anton Stanislawski
Spezialgebiet: Politik, Kultur, Internetkram

… zum Profil

Weitersagen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.