Silvana (Foto: Mantaray Film)

Silvana Imam – Die Pop-Love-Story des Jahres

▷ Letzte Änderung: 2018-08-22
By Ann-Kathrin [FluxFM] |

Silvana Imam ist Schwedens aktuell relevanteste HipHop-Künstlerin. Mit ihren knallharten Texten kämpft sie für Feminismus, gegen jede Form von Repression – und steigt in nur einem Jahr zur Ikone einer ganzen Generation in Skandinavien auf. Die Doku mit dem gleichnamigen Titel: Silvana begleitet den Durchbruch und Fall der Künstlerin – und zeigt eine der größten Pop-Love-Story des Jahres. Ob sich der Gang ins Kino lohnt? FluxFM-Redakteurin Jasmin Kröger verrät es euch.

Hier gibt’s den Beitrag von Jasmin Kröger zum Nachhören:


Ich bin Pussy Riot auf 176 cm, ich lasse Regenbogenfarben über Schweden regnen und bringe die Revolution von Stockholm bis Saudi Arabien

Das sind etwa Songtexte von Silvana Imam. Tak, Shoukran, Dekotie – Schwedisch, Arabisch und Litauisch. So bedankt sich die Künstlerin 2014 auf einer Preisverleihung im schwedischen Fernsehen. Die Sprachen beschreiben die Herkunft der Rapperin: Ihr Vater ist Syrer, die Mutter kommt aus Litauen – in Schweden wächst sie auf. Immer wieder bekommt die drahtige, hellblonde Frau zu hören: „Du siehst ja gar nicht aus wie eine Rapperin.“ Genervt von der Engstirnigkeit zieht Silvana auf die Bühne und zerfetzt alles, was ihr Schmerz bereitet.

Hart und kompromisslos prangert sie Patriarchat, Islamfeindlichkeit und Homophobie an – und wird damit rasend schnell von der Underground-Künstlerin zum Shootingstar. Alleine diese Geschichte hätte für eine Doku mit Gänsehauteffekt gereicht. Aber dann verliebt sich Silvana auch noch in Schwedens größten Popstar: Beatrice Eli. Die Kamera hält drauf – von der ersten Begegnung, Verlegenheitsgesten der sonst toughen Rapperin, bis zum Liebesgeständnis. Die Medien drehen durch: Beatrice und Silvana werden zu Beyoncé und Jay-Z der schwedischen Popwelt und führen gemeinsam eine lesbische Revolution an.

Die beiden fangen gemeinsam auf die Bühne zu gehen. Für ihre Fans wird ein Traum wahr. Im Publikum: kreischende Girls – krasser als auf jedem Backstreet Boys Konzert. Silvana und Beatrice sind für junge Frauen im Land genau das, was sie in ihrer Jugend selbst gebraucht hätten: Ein Vorbild, das nirgends so richtig rein passt. Gleichzeitig hadert Silvana mit der vielen Aufmerksamkeit:

„Männer nehmen sich den Raum – sie müssen nicht dafür kämpfen. Sobald eine Frau auftaucht, die es geschafft hat, wird sie verehrt wie eine Gottheit. Was ist mit den anderen Frauen, die damit nicht klarkommen?“

Auch Silvana zerbricht an dem ihr aufgedrückten Heldinnen-Stempel. Sie fühlt sich ausgebrannt, kann nicht mehr. Ihr Manager sagt alle Konzerte ab.

Ob sie das Heldinnen-Cape an den Nagel hängt oder wie ein Phoenix aus der Asche aufsteigt, könnt ihr ab dem 23. August selbst sehen. Und zwar mit ganz klarer Guck-Empfehlung. Selten gab es ein emotionaleres und ästhetischeres Plädoyer für Freiheit, Gleichheit und Schwesterlichkeit. Viele werden sich fragen: Silvana Imam – warum höre ich von der erst jetzt?

Redaktion

Jasmin Kröger
Spezialgebiet: Bieryoga, Cher und Milchalternativen

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