"... wird von allen gegessen." Weil: sharing is caring!
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SirPlus – ein Projekt zur Rettung von Lebensmitteln | Krautfunding

▷ Letzte Änderung: 2017-05-05
By Constanze [FluxFM] |

Name: SirPlus
Funktion: ein Projekt plus Laden zur Rettung von Lebensmitteln
Krautfunding: Startnext

Etwa die Hälfte aller Lebensmittel landen in Europa im Müll, allein in Deutschland sind es rund 20 Millionen Tonnen im Jahr. Jetzt kann man natürlich böse auf die anderen schimpfen oder sich auch mal selbst an die Nase fassen. Raphael Fellmer hat genau das getan und anschließend SirPlus gegründet. Jetzt braucht er Unterstützung – Aysche Wesche weiß wofür.

Ihr möchtet den Beitrag von Redakteurin Aysche Wesche lieber hören? Kein Problem:


Ich finde ich bin sehr privilegiert – oder die meisten hier in Europa. Wir haben Bildung, wir leben in Frieden, haben genügend Essen und haben gleichzeitig weltweit 800 Millionen Menschen, ein Achtel der Weltbevölkerung, die jeden Tag hungrig zu Bett gehen.

Raphael Fellmer sucht einen Weg, wie er sich gegen solche Missstände engagieren kann – in seinem Rahmen und mit seinen Mitteln. Die Antwort kommt prompt ins Haus geflattert: in Form einer Hochzeitseinladung nach Mexiko.

Ich hab mich dann irgendwann entschlossen, auf eine Reise zu gehen von Holland nach Mexiko, per Anhalter und zwar ohne Geld, um auf die Ungerechtigkeit und Verschwendung von Ressourcen, insbesondere von Lebensmitteln, hinzuweisen. Und diese geldfreie Reise mündete dann in einem fünfeinhalbjährigen Geldstreik, bei dem ich halt auf die Problematik aber auch auf Lösungen hinweisen wollte.

Geldstreik heißt in Raphaels Fall, dass er fünfeinhalb Jahre ohne einen Cent lebt.
Zur Hochzeit nach Mexiko kommt er natürlich nicht mehr rechtzeitig, Lösungen hat er nach der Reise aber viele im Gepäck. 2012 gründet er Foodsharing, ein Lebensmittel-Retter-Netzwerk, in dem sich mittlerweile 26.000 Foodsaver engagieren. Zusammen haben sie 8 Millionen Kilogramm Lebensmittel gerettet, also quasi eine Viertelmillion Mahlzeiten, die an Bedürftige weitergereicht wurden. Und das alles ehrenamtlich. Jetzt steht das nächste Projekt an. Dass ausgerechnet Raphael jetzt Geld via Crowdfunding sammelt, klingt fast paradox. Aber die Idee ist es ihm Wert und auch bei ihr dreht sich alles ums Retten von Lebensmitteln:

Man muss einfach ehrlicherweise entlang der gesamten Wertschöpfungskette, also gerade angefangen bei den Landwirten, wo zwischen 10 und bis zu 50 Prozent sogar der Lebensmittel, die angebaut werden, gar nicht erst in den Handel gelangen, weil sie eben zu krumm, zu groß, zu klein oder von Hagelschäden ect. betroffen sind. Dann gibt’s Logistikunfälle und dann gibt’s Fehlbestellungen. Also sprich, bis es dann irgendwann im Supermarkt ist, fällt eben schon sehr viel an, was auch die Tafel und Foodsharing gar nicht managen können. Da geht’s um palettenweise Lebensmittel, die dann auch schnell wieder in den Kreislauf müssen.

Und dafür braucht es ordentlich Logistik: große Fahrzeuge, Kühlräume und ein professionelles Team. Deshalb gründet Raphael zusammen mit zwei Freunden vor 10 Monaten SirPlus, ein Netzwerk, das genau das tut. Zusätzlich zur Plattform will das SirPlus-Team jetzt einen Laden in Berlin gründen, einen Food-Outlet-Store, wenn man so will. Der wird die Welt nicht ändern, aber vielleicht gibt er dem einen oder anderen Menschen einen Denkanstoß. Und das ist Raphael nach wie vor mehr wert als alles Geld der Welt:

Wenn wir in den Supermarkt gehen, wollen wir ja, dass es da alle Lebensmittel das ganze Jahr eigentlich über verfügbar gibt und zwar nicht nur die frischen, sondern auch die haltbaren Waren. Klar fällt dann auch irgendwo viel vom Teller runter, damit es dieses sehr üppige Angebot überhaupt ständig geben kann. Und wir haben eben gesagt, dass wir den Leuten mit SirPlus quasi gerette Lebensmittel regional und saisonal anbieten, was halt gerade anfällt. So kann jeder mit seinem Essen, das er konsumiert, was dazu leisten, damit weniger verschwendet wird.

Das Essen soll bei SirPlus bis zu 70 Prozent günstiger sein als im herkömmlichen Supermarkt und nach Hause liefern lassen kann man es auch. Wie eine Biokiste, nur halt mit aussortiertem Essen. Für die Koordination plant Sirplus eine eigene Software, die sie gern mit gemeinnützigen Organisationen teilen wollen. Und nach Berlin geht es dann in den Rest der Welt. Oder fast. Erst mal mit Food-Outlet-Läden in weiteren deutschen Städten. In ferner Zukunft denken die drei Jungs aber auch international.

Wenn ihr SirPlus unterstützen möchtet, geht einfach auf Startnext. Je nach Spende winken euch dort schöne Goodies für eure finanzielle Mithilfe.

Redaktion

Aysche Wesche
Wortredaktion
Spezialgebiet: Stadtleben, Politik und Kultur.
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