Kino in der Brotfabrik (Foto: Sophie Euler)
Kino in der Brotfabrik (Foto: Sophie Euler)

SKF – Staffel 2 | Das singende, klingende Filmchen

▷ Letzte Änderung: 2017-04-03
By Sophie [FluxFM] |
Im Radio:
27. März – 2. April 2017

Die geneigte FluxFM-Hörerschaft ist per se sehr musikinteressiert und kann eigentlich nie genug Input über LieblingskünstlerInnen und Musikkultur bekommen. Deswegen präsentieren wir: Das singende, klingende Filmchen. FluxFM stellt euch Musikfilme, Dokumentationen und Biopics vor, die ihr euch zur musikalischen Weiterbildung unbedingt ansehen solltet. In dieser Woche startet Staffel 2.


This Is Spinal Tap

Wie geil muss doch das Rockstar-Leben sein! Man tourt durch die ganze Welt, spielt jeden Abend vor jubelnden Fans und die Groupies reißen sich um einen. Zumindest hat sich Regisseur Rob Reiner das Musik-Business so vorgestellt. This Is Spinal Tap heißt der Film, in dem er eine Band auf Tour begleitet. Der Clou: die Band ist nicht nur ein wandelndes Klischee – sie gibt’s auch überhaupt nicht. FluxFM-Redakteur und heimlicher Hair-Metal-Fan Fabian Broicher stellt euch die Mockumentary vor:

Handlung

Spinal Tap sind DAS GROSSE DING in der Hardrock-Szene der Achtziger. Mit ihren ziemlich vulgären Songs treffen sie total den Zeitgeist. Sie spielen umjubelte Konzerte… zumindest an guten Tagen. Die Wahrheit sieht nämlich eigentlich ganz anders aus. In den Sechzigern hatten sie mit Listen To The Flower People mal einen Mega-Hit. Aber seitdem hecheln sie den Trends eher hinterher. Als Regisseur Rob Reiner sie auf ihrer Amerika-Tournee begleitet, ist die Band so ziemlich am Ende. Lead-Gitarrist Nigel Tufnel versteht sich nicht mit der Freundin von Sänger David St. Hubbins. Basser Derek Smalls ist sowieso andauernd zugedröhnt und kommt meist mit der Bühnenshow überhaupt nicht klar. Und bei Drummern hat die Band auch kein gutes Händchen. Sie sterben nämlich – ALLE! Einer explodiert spontan, der nächste erstickt an Erbrochenem – allerdings nicht an seinem eigenen. This Is Spinal Tap zeigt einen ungeschönten, echten Blick hinter die Kulissen des Rock-Business…

Hauptdarsteller

Auch wenn die Story noch so real klingt, This Is Spinal Tap ist eine Mockumentary. Also ein fiktionaler Film als Doku verpackt. Trotzdem haben zuerst alle geglaubt, die Band gäb’s wirklich. Das liegt vor allem an den tollen Schauspielern. Darunter Harry Shearer, der bei den Simpsons gleich ein Dutzend Rollen spricht. Als Gaststars sind unter anderem Billy Crystal und „Die Nanny“ Fran Drescher zu sehen.

Humor

Machen wir’s kurz: der Film ist zum Totlachen! Jedes – aber auch wirklich JEDES Klischee über etwas minderbemittelte Rockmusiker wird bedient. Es ist einfach herrlich, wenn die Band sich backstage auf dem Weg zur Bühne verläuft. Oder wenn das Cover für ihr neues Album von der Plattenfirma kurzerhand als „zu sexistisch“ abgetan wird. Und es dann mit komplett schwarzem Cover erscheint. Oder wenn eine sehr romantische Pianokomposition von Nigel Tufnel als eine Mischung aus Bach und Mozart beschrieben wird.

Highlight

Davon gibt’s einige. Viel zu viele um sie alle hier aufzuzählen. Aber vor allem ein Spruch hat’s geschafft, zum geflügelten Wort unter Musikern auf der ganzen Welt zu werden. Nämlich wenn Nigel Tufnel ganz stolz seinen Verstärker präsentiert. Bei denen gehen die Lautstärke-Regler nämlich eigentlich bis 10. Doch Spinal Tap sind natürlich eins lauter: „These go to eleven!“

Den Beitrag zu „This Is Spinal Tap“ könnt ihr hier anhören:

Onlineredaktion

Fabian Broicher
Spezialgebiet: Website, Progressive Rock & Energy-Drinks.

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Who is Harry Nilsson (And Why is Everbody Talking Bout Him?)

Harry Nilsson gilt als fünfter Beatle und doch kennt ihn heute kaum noch einer. Wie ein großer Songwriter sich selbst zerstörte, das untersucht unser heutiges Singendes Klingendes Filmchen – vorgestellt von Melanie Gollin.

Handlung

Die Geschichte von Harry Nilsson ist keine leichtfüßige, keine leicht zu ertragene. Es ist die eines sehr talentierten Songwriters, der Sonne, aber noch viel mehr Schatten gesehen hat. Zwischen Grammygewinn und Sucht war alles dabei.

Hauptdarsteller

Robin Williams, Yoko Ono, Van Dyke Parks, Randy Newman, Produzenten und Studiomusiker, die ihre Erinnerungen an Harry Nilsson teilen. Nur sein bester Freund Ringo Starr fehlt, der hat es nach eigener Aussage nicht ertragen, über Nilsson zu reden.

Highlight

Neben allem anderen: Der Titel. Neben dem vor allem in der Mariah Carey Version bekannten Song „Without You“, hieß Harry Nilssons größter Hit „Everybody’s talkin‘ bout me“. Und die Doku heißt Who is Harry Nilsson and Why is Everbody Talking Bout Him?. Verstehta?! Clever.

Heulfaktor

Durchgehend. Zu sehen, wie sich Nilsson selbst zerstört, weil er nicht die Anerkennung bekommt, die er verdiente oder zumindest gebraucht hätte, ist herzzerreißend. Das mutwillige Stimmbänderzersingen mit John Lennon kann man sich schon nur noch hinter vorgehaltener Hand angucken.

Happy End

Leider nein, ganz im Gegenteil. Aber seht selbst.

 
Den Beitrag zu „Who is Harry Nilsson (And Why is Everbody Talking Bout Him?)“ könnt ihr hier anhören:

Musikredaktion

Melanie Gollin
Musikredaktion & Programmplanung,
entdeckt neue Musik und kann super Kuchen.

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The Ramones: Rock’N’Roll High School

1979 sind die Ramones immer noch nur so semi-erfolgreich unterwegs. Tommy Ramone hat keine Lust mehr zu touren und verzieht sich lieber als Produzent hinter das Mischpult. Als Drummer kommt Marky Ramone in die Band und als die Ramones dann auch noch in einem Kinofilm auftauchen sollen, stehen die Zeichen erstmal auf „rosig“. Der Film Rock’N’Roll High School wird aber ein Reinfall und die Ramones dümpeln weiterhin in den kleinen Clubs vor sich hin. Mittlerweile sind sie Legenden des Punks. Und der Film hat durch seine Amateurhaftigkeit nichts an Charme verloren – findet zumindest Kollege Martin Gertz.

Hauptdarsteller

Joey Ramone, Johnny Ramone, Dee Dee Ramone und Marky Ramone

Handlung

An der Vince Lombardi Highschool gibt es ein Problemchen. Die Schüler haben keinen Bock auf Schule und interessieren sich nur für Rock’N’Roll und Parties. Um die Schule wieder unter Kontrolle zu bringen, will die neue Direktorin hart durchgreifen. Sie testet Rockmusik an Mäusen und das Ergebnis ist erschreckend. Die Mäuse ziehen sich Lederjacken an und sind nicht mehr die possierlichen Tierchen, die sie mal waren. Zur gleichen Zeit versucht die Coolste der Schule, Riff Randell, für alle Schüler Ramones Tickets zu besorgen, denn die kommen bald in die Stadt. Außerdem will Riff ihren heißgeliebten Ramones einen selbstgeschriebenen Song zeigen: Rock’N’Roll High School.

Humor

Zum größten Teil ist der Streifen ungewollt komisch. Die Schauspieler sind nicht unbedingt erste Sahne, außerdem haben die Ramones so wenig Text, dass es echt erstaunt, dass sie selbst den nicht so richtig auf die Kette kriegen. Joey Ramone kann sich zum Beispiel einfach nicht den Namen des Lehrers Mr. McGree merken. Mr. Bllllböwöwo…natürlich

Highlight

Ganz klar die Auftritte von Joey, Johnny, Dee Dee und Marky. Diese hingerotzte Scheißegal-Attitüde ist einfach Gold wert. Und wenn die Ramones auf der Bühne stehen und ein paar Songs schmettern, tröstet das über die ein oder andere filmische Länge hinweg. Außerdem gibt es im Streifen viele Kleinigkeiten im Hintergrund zu entdecken und der Soundtrack ist wirklich super: neben den Ramones sind zum Beispiel auch Chuck Berry, Alice Cooper, Paul McCartney und Devo zu hören.

Happy End

Rock’N’Roll und Jugend, das ist ein unschlagbares Zweiergespann. Da kann auch die fieseste Schuldirektorin nichts ausrichten. Und wenn die Jungs und Mädels dann auch noch Unterstützung von den Ramones bekommen, dann – ganz klar – fliegt alles in die Luft.

Den Beitrag zu Ramones Rock’N’Roll High School könnt hier anhören:

Redaktion & Moderation

Martin Gertz
Spezialgebiet: Bart zwirbeln, Basketball, Blumen

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The Berninger Brothers und auch ein bisschen The National: Mistaken for Strangers

Wer ältere Geschwister hat, kennt das: sie sind einem immer ein Stück voraus, sind cooler als man selber und man wird da nie rankommen. Denkt man zumindest. So ging es Tom Berninger, dem kleinen Bruder von Matt Berninger, dem Leadsänger von The National. 2010 begleitet Tom The National auf ihrer High Violet-Tour, 3 Jahre später kommt Mistaken for Strangers in die Kinos. Es ist eine etwas andere Banddokumentation geworden – vorgestellt von Sophie Warmbrunn.

Hauptdarsteller

Tom Berninger und sein großer Bruder Matt Berninger. Zwischendurch geht es auch mal um Matts Band The National.

Handlung

Tom ist ein Typ ohne Plan, der noch nie etwas zu Ende gebracht hat. Sein Bruder Matt kann sich diese Planlosigkeit nicht länger ansehen. Also heuert er ihn als Roadie für seine kommende Tour an. Schade nur, dass Tom in dieser Rolle miserabel ist. Er trinkt mehr als dass er Kabel aufrollt. Aber er hält seine Handkamera auch auf alles, was ihm unter die Finger kommt. Denn Toms Plan ist: eine Doku über die Band zu machen. Er schneidet die Konzerte mit, redet mit der Band- bis ihm auffällt, dass es sich immer um dieselbe Sache dreht: seinen Bruder. Mehr und mehr verschiebt sich der Fokus auf die Beziehung zwischen ihm und Matt.

Humor

Tom sagt selber, er fühlt sich als würde er von außen in eine ganz andere Welt schauen. Und wenn die Welt von The National mit der von Tom kollidiert, liegt das auf der Humorskala irgendwo zwischen Fremdschämen und Situationskomik.

Heulfaktor

Der ist hoch. Außer ihr habt ein Herz aus Stein. Denn Tom zeigt in dem Film all seine Unsicherheiten, Ängste und Peinlichkeiten. Und wenn er diese mal gerade nicht überspielt, wirkt er nicht mehr unfreiwillig komisch, sondern verdammt fertig.

Havin Matt as my older brother…kind of…sucks because he’s a rockstar and I’m not. And it has always been that way.

Highlight

In der letzten Szene sehen wir Matt während eines Konzerts ins Publikum springen. Wie im Wahn singt er Terrible Love und läuft immer weiter durchs Publikum. Direkt hinter ihm rennt Tom, der die Kabel seines Mikros sortiert und seinem Bruder den Rücken freihält. Wenn das nicht Liebe ist, weiß ich auch nicht.

Happy End

Der Film lässt einen mit einem wohlig warmen Gefühl im Bauch zurück. Tom hat endlich was zu Ende gebracht, nämlich genau diesen Film, und Matt ist stolz auf ihn.
 
Den Beitrag zu „The National: Mistaken for Strangers“ könnt ihr hier anhören:

Patti Smith: Dream Of Life

Patti Smith ist gerade erst 70 geworden und wird im August noch einmal nach Deutschland kommen. Vielleicht zum letzten Mal, aber wer könnte es ihr verübeln, schließlich hat Smith ein äußerst ereignisreiches Leben als Musikerin, Poetin und Leitfigur hinter sich. Einen kleinen Einblick gibt euch: Patti Smith: Dream Of Life.

Handlung

Steven Sebring hat Smith zwischen 1996 und 2007 mit der Kamera begleitet und zeichnet ein unglaublich intimes Porträt, das die Karriere und das Leben einer Poetin erzählt.

Hauptdarsteller

Patti Smith und Wegbegleiter, ihre Eltern, ihr Sohn, aber hauptsächlich Patti Smith.

Heulfaktor

Eigentlich nicht und doch ständig. Smith ist ein eindeutig sehr verletzlicher Mensch, selbst all die Schicksalsschläge, die hinter ihr liegen, konnten ihr Wesen nicht bitter und hart machen. Das Englische hat dafür ein Wort: pure. Das kann einem schon die Tränen in die Augen treiben.

Highlight

Patti besucht ihre Eltern, ihre Mutter sagt, es wäre noch Essen im Kühlschrank, aber Patti hat keinen Hunger. Ihre Mutter wiederholt, es wäre noch Essen im Kühlschrank. Patti hat keinen Hunger. Schnitt. Patti isst. Wenn Mutti sagt, es wird gegessen, wird gegessen, auch die Godmother des Punk eben nur ein ganz normaler Mensch.

Happy End

Es gibt kein richtiges Ende in dieser Dokumentation. Smith lebt ja noch und ist mopsfidel. Es bleibt ein melancholisches Gefühl und viel Liebe für eine starke Künstlerin mit offensichtlich sehr zarter Seele.
 
Den Beitrag zu „Patti Smith: Dream Of Life“ könnt ihr hier anhören:

Musikredaktion

Melanie Gollin
Musikredaktion & Programmplanung,
entdeckt neue Musik und kann super Kuchen.

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