Foto: Romy Sickmüller

Stattbad Wedding – jetzt ist es endgültig vorbei!

▷ Letzte Änderung: 2015-07-29
By Sophie [FluxFM] |

Seit gut einer Woche ist es endgültig klar: Das Stattbad Wedding ist tot!
Der Club ist schon seit drei Monaten raus, die Open Walls Galerie ist auch gleich weggezogen. Aber das ist längst nicht alles. Im alten Schwimmbad in der Gerichtstraße im Wedding gibt’s noch einen ganzen Kosmos, für den es jetzt auch aus und vorbei ist. Alle müssen raus, keiner darf bleiben. Und zwar schnell. Am 27. Juli 2015 war der erste offizielle Stichtag für die Räumung – so will es der Besitzer. FluxFM-Redakteurin Romy Sickmüller hat die dort ansässige Raumfahrtagentur besucht.

 

Foto: Romy Sickmüller

Foto: Romy Sickmüller

Ein kaputtes Elektrofahrrad liegt traurig in der Ecke. Niemand darf mehr rein, um es zu reparieren. Daneben ein 3D Drucker, bunte Stoffrollen, und sogar ein Labor für Gen-Analysen. Seit 4 Jahren ist das Werkstatt-Kollektiv Raumfahrtagentur zu Hause im Stattbad Wedding – 30 Kreative auf 200 qm. Einer von ihnen ist Softwareentwickler Markus Schubert:

„Die Raumfahrtagentur ist mein Heimat-Hacker-Space und mein Wohnzimmer. Das ist toll, so einen Ort zu haben, wo die Leute auch mal um die Ecke denken, nicht nur geradlinig.“

Maximilian Bauer   Foto: Romy Sickmüller

Maximilian Bauer
Foto: Romy Sickmüller

Noch gut zwei Wochen bis zur harten Landung in der Realität: Bis zum 15. August dürfen sie noch bleiben – auf einen Aus- oder Umzug deutet bis jetzt aber noch nichts hin. Raumfahrtagentur-Chef Maximilian Bauer:

„Wir sind kein Büro mit Computer und Drucker, das einfach in neue Räume umziehen kann, sondern eine Werkstatt. Es ist unheimlich schwierig, neue Räume zu finden und diesen ganzen Umbau zeitlich und finanziell zu bewerkstelligen.“

Im Mai hatte das Bauamt von Mitte das Gebäude geschlossen. Grund: mangelnde Sicherheit beim Brandschutz und den Fluchtwegen. Der Stattbad-Club ist daraufhin sofort umgezogen, ein paar andere Mieter auch.

Die Raumfahrtagentur dagegen hat noch ein wenig Rest-Hoffnung. Sollte der Besitzer doch noch sanieren und umbauen, könnten sie vielleicht bleiben. Die Genehmigung für den Umbau gab’s bereits 2012. Beim zuständigen Baustadtrat Carsten Spallek trifft das auf Unverständnis:

„Alles das, was vor 3 Jahren gefordert wurde, um Betrieb zu ermöglichen, ist bis dato nicht umgesetzt worden. ich bin sauer, enttäuscht und ich glaube auch dass insbesondere die Kultur- und kreativschaffenden richtig verarscht wurden.“

Vier Millionen würde eine Sanierung kosten. Stattbad-Besitzer Arne Piepgras gibt den schwarzen Peter weiter, will seinerseits Fördergelder vom Senat, um das ehemalige Bad zu einem Kultur- und Eventhaus auszubauen. Das klingt alles nicht danach, als ob es für Maximilian Bauer und die Raumfahrtagentur noch eine Zukunft gäbe in der Gerichtsstraße 65 in Wedding.

„Es war klar, dass sich was entwickeln wird, dass es so schnell geht oder in dieser Form, dass war nicht abzuschätzen. Jetzt Räumung ist sinnlos, wenn danach Leerstand ist und nichts passiert.“

"Raumfahrtagentur" von innen (Foto: Romy Sickmüller)

„Raumfahrtagentur“ von innen (Foto: Romy Sickmüller)

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