Friedelstraße, Neukölln, Nina Maul
Foto: Nina Maul

Die Friedelstraße in Neukölln | Flux im Kiez

▷ Letzte Änderung: 2017-06-21
By Konstantin [FluxFM] |

Am 21. Juni zelebrieren wir die Fête de la Kiez mitten im Reuterkiez, mitten in einem Viertel, das wahnsinnig viele Facetten zu bieten hat. Um euch einen kleinen Überblick zu verschaffen, haben sich unsere FluxFM-Redakteurinnen Aysche Wesche und Nina Maul schon mal etwas genauer in der Gegend umgeschaut und stellen euch eine zentrale Straße im Kiez vor: die Friedelstraße (>> Eine Karte mit allen Läden aus dem Beitrag findet ihr hier).


Die Friedelstraße boomt. Gut fünf Gehminuten entfernt vom aufgeregten Treiben am Hermannplatz erstreckt sich die Straße von der Sonnenallee im Süden bis zum Maybachufer, dem nördlichen Ende von Neukölln. Die Graffitis reichen von künstlerisch wertvoll… bis mit dem Daumen ausgerutscht. An der Ecke zur Weserstraße genießt man bei Txokoa baskische Tapas – direkt gegenüber in der Fußballkneipe Herthaner werden die Biergläser poliert.

Wenige Meter weiter stehen zwei Grabbeltische vor einem Second-Hand-Laden, doch die Türen sind verschlossen. Die Besitzerin muss den Laden aufgeben – die Mieten sind zu teuer geworden. Damit ist sie in der Friedelstraße nicht allein. Auch dem selbsverwalteten sozialen Zentrum Friedel54 wurde gekündigt, am 29. Juni soll geräumt werden. Pressesprecher Matthias Sander erzählt:

“Für Gewerbe bedeutet dieser Druck und die Nachfrage nach Wohn- und Nutzraum, dass Eigentümer einfach die Mietverträge von Gewerberäumen kündigen können und den oder die Nächstbeste*n nehmen, der oder die mehr zahlen kann. Das ist dann in der Regel eine kommerzielle Einrichtung und so ein Kiezladen kann da anscheinend nicht mithalten.”

Nicht weit entfernt liegt ein Sex-Shop. Mit seiner roten Fassade sieht er aus wie ein Überbleibsel aus den 80ern. Gleichzeitig ist er Orientierungspunkt für Vinylliebhaber, denn direkt nebenan ist die Neukällner Filiale von OYE Records. Am nördlichen Ende der Friedelstraße wird das Nebeneinander von Alt und Neu besonders deutlich: Der Grieche Taverna Odysseus an der Ecke Sanderstraße ist seit mehr als 35 Jahren in Familienhand. Nebenan bei Fräulein Frost reicht die Schlange bis vor die Tür – die Eissorte Apfel-Grieß ist an diesem Tag besonders beliebt. Charlotte Pauli hat ihr Café vor acht Jahren eröffnet, als es kaum andere Läden in der Straße gab:

“Es hat halt immer zwei Seiten. Für unser Geschäft ist es toll, dass sich die Straße so entwickelt hat. Es zieht ja auch die Leute zu uns ins Eiscafé. Auf der anderen Seite merken wir aber ja auch, dass die Mieten steigen.”

Diese Meinung teilen die meisten Ladenbesitzer*innen in der Friedelstraße. Es sei schöner geworden, bunter, man träfe die unterschiedlichsten Menschen. Seit Anfang des Jahres gibt es Fräulein Brösels Schnapserwachen im vorderen Raum der Galerie Gold. Fräulein Brösel selbst wollte gezielt in die Friedelstraße. Sie war lange schon begeistert von der künstlerischen Atmosphäre und dem Nachbarschaftsgefühl, sieht aber auch die andere Seite:

“Es ist schon so, dass die Leute auch denken, ‘Mensch es passiert hier so viel, klar es ist schön, aber wie lange dürfen wir noch bleiben?’ Man merkt schon so ein bisschen diese angespannte Grundhaltung.”

Noch gibt es sie, die typisch Neuköllner Mischung in der Friedelstraße. Das beste Beispiel findet sich gleich zwei Hauseingänge entfernt beim Trödelmarkt Zaher, der Kiezladen, wie er von Anwohnern liebevoll genannt wird: Faxgeräte, Türmatten, Traumfänger türmen sich bis an die Decke – alles zu Billigpreisen. Der Ladenbesitzer bleibt gelassen:

“Wir sind ein Teil vom Kiez und das, was den Kiez ausmacht, was den Kiez gestaltet. Sozusagen Bestandteil.”

Redaktion

Aysche Wesche
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