UKW-Abschaltung? Lieber nicht... (Foto: Constanze Kaul)

UKWeg – UKW Abschaltung in Norwegen

▷ Letzte Änderung: 2019-02-14
By Mila Weidelhofer |

Als erstes Land überhaupt hat Norwegen sich vor zwei Jahren vom UKW-Radio verabschiedet. Zum World Radio Day hat FluxFM Redakteurin Mila Weidelhofer einen Blick in den Norden geworfen wie es läuft und ob das vielleicht auch etwas für uns sein könnte.



Der 11. Januar 2017 soll ein Glücksdatum sein. Die norwegische Regierung wagt als erste weltweit den Schritt in die digitale Zukunft. Um 11:11 Uhr Ortszeit wird feierlich die Ultrakurzwelle [UKW] im Morden Norwegens abgeschaltet. Der Grund dafür ist gleichermaßen simpel wie ökonomisch, sagt Janina Wildermuth, Radiomoderatorin aus Norwegen.

„Weil man in Nordnorwegen sehr viele hohe Berge hat, wurden FM-Transmitter auf den Bergen aufgestellt, damit überhaupt ein Signal durchkommt. [Die Regierung] hat dann gesagt: ‚Hey, das kostet so viel Geld und es sind so viele Transmitter. Wir ersetzen die einfach durch DAB+ Transmitter‘.“

Die digitalen Empfänger kommen gut an. Knapp vier Millionen Geräte werden landesweit verkauft und das bei gerade mal fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Aus einer revolutionären Idee entwächst trotzdem ein mittelgroßer Skandal, sagt Janina Wildermuth.

„Ich habe es selber gemerkt, als ich von Schweden rüberkam mit dem Auto. Huch, plötzlich habe ich keinen Radiosender mehr. Dann komme ich ein bisschen näher an Oslo ran, dann hatte ich vier Radiosender, genau vier FM-Radiosender im Auto. Alles andere ist weg. Ich habe kein DAB+ als Autoradio und die meisten haben das auch noch nicht. Deshalb sagen viele DAB+ kam viel zu früh.“

Dazu kommen ländliche Funklöcher und instabile Signale. Etablierte Sender in Großstädten wie Oslo und Trondheim finden den Wechsel zu DAB+ zeitgemäß und praktisch. Die Klangqualität wird gesteigert und ihre Sendefläche vergrößert. Kleine Sender haben es schwieriger. Bei einer UKW-Frequenz zahlen sie jährlich eine gewisse Summe, für eine limitierte Reichweite. Bei landesweiter Ausstrahlung wie DAB+ steigen entsprechend die Kosten.

„Einige Radiosender sind auch einfach verschwunden. Momentan gibt es die Regel: Bis 2021 dürfen einige Sender noch auf FM senden und dann nicht mehr und das liegt daran, dass sie nicht genug Geld auftreiben können und sich beworben haben, dass sie noch weiter senden dürfen auf UKW.“

Das Resümee nach zwei Jahren DAB+ ist ernüchternd. Wenn die norwegische Regierung tatsächlich fortschrittlich und ökonomisch gehandelt hätte, wären sie von UKW direkt auf Internetradio umgestiegen.
Eine Hoffnung haben die selbsternannten UKW-Rebellen in Oslo noch. Sie fordern: Eine Verlängerung der letzten freien Frequenzen bis 2031.

Wortredaktion

Mila Weidelhofer
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Spezialgebiet: Feminismus, Innenpolitik, Rückrufe und Feierabendbier auf der Dachterrasse”

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