Bild (Ausschnitt): Wildundgeflügelt / Pinkstinks
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Verbot von sexistischer Werbung

▷ Letzte Änderung: 2016-04-29
By Nina [FluxFM] |

Sex Sells – das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Sagen vielleicht schon, zeigen wird bald schwierig. Zumindest wenn der Vorschlag zum Verbot von sexistischer Werbung durchgesetzt wird. Der Entwurf ist das Resultat jahrelanger Lobby-Arbeit der Organisation Pinkstinks und hat es nun in die Agenda der SPD geschafft. Der Verbotsentwurf löste eine hitzige Diskussion aus. Aber worüber wird eigentlich gestritten? Geschmacksfragen? Das notwendige Verhindern von Diskriminierung? Oder geht’s am Ende um unser aller Meinungsfreiheit? FluxFM-Redakteurin Jasmin Kröger hat mit Vertretern der Pro- und Kontra-Seite gesprochen.


Werbung aus den 50ern. Ihr geht’s besser, denn SIE darf ja backen! Wirkt grotesk? Mit einem kurzen Lagecheck im 21. Jahrhundert vergeht aber das Lachen. Immer noch sind Frauen universal als Deko-Elemente einsetzbar. Fröhlich wirbt sie, oder auch nur einzelne ihrer Körperteile, für alles von Wasch- bis Bohrmaschine. „Na und“, sagen die einen. „Geht gar nicht“, sagen die anderen. Einer von den anderen ist Nils Pickert von der Organsiation Pinkstinks:

„Wir sind nicht gegen Nackte. Wenn man zum Beispiel eine Sauna mit nackten Menschen bewirbt, macht das ja Sinn. Aber wenn ich Hundefutter und Bodenbeläge mit halbnackten Frauenkörpern bewerbe, muss man sich schon fragen, wo da die Freiheit drin liegt, genau dies zu tun.“

Nils Pickert hat den Vorschlag für das Verbot entworfen, der nun von Heiko Maas übernommen wurde und bei der SPD zur Abstimmung steht:

“Konkret im Katalog enthalten ist, wenn Menschen aufgrund ihres Geschlechts, Eigenschaften, Fähigkeiten und sozialen Rollen in Familien und Berufen zugeordnet werden. Oder z.B. auch wenn sexuelle Anziehung als ausschließlicher Wert von Frauen dargestellt wird. Oder wenn Frauen auf einen Gegenstand zum sexuellen Gebrauch reduziert werden.”

Das sei alles eine Frage des Geschmacks, findet Dr. Ralf Nöcker, Geschäftsführer des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen. Er warnt vor einer staatlichen Regulierung und findet, hier sollte lieber die Selbstkontrolle greifen:

“Mal gefällt das dieser Gruppe nicht, dann jener Gruppe nicht. Dann will Bayern keine Dortmund-Werbung mehr… Das ist jetzt ein bisschen lächerlich, aber ich will nur sagen, dass wir so durch die Hintertür in Zensurgeschichten reinkommen, die ich hier nicht haben will.”

Für Pickert von Pinkstinks sind Werbung und Meinungsfreiheit zwei paar Schuhe, weil uns allen bewusst ist, dass Werbung manipuliert. Deshalb schreiben wir „Rauchen tötet“ auf Zigarettenpackungen. Deshalb darf Burger King nicht sagen, dass sie besser als McDonalds sind. Deshalb dürfen Minderjährige in der Werbung auch nicht zum Trinken von Alkohol aufgefordert werden:

“Das bedeutet, wir sind nicht die, die erfunden haben, dass man Werbung begrenzen soll, sondern wir wollen das Gesetz nur um einen diskriminierenden Punkt erweitern.”

Das sei überflüssig, meint Dr. Ralf Nöcker dazu. Schließlich wäre Sex Sells deutlich auf dem Rückzug und kaum ein/e seriöse/r WerbermacherIn würde noch auf diese Strategie setzen. Ja, seit den 50ern hat sich was getan – und trotzdem:

“Im letzten Jahr hat Lidl ein Bierfass mit einer nackten Frau drauf rausgebracht, darauf stand der Slogan ‘Fass mich an!’ Und dann wundert man sich, dass man in einer Gesellschaft lebt, in der Frauen wie Dinge behandelt werden, und davor stellt man sie wie Dinge neben Dinge, um die Dinge zu bewerben.”

Wir lernen, an Bikiniwerbung ist grundlegend nichts auszusetzen. Aber Frauen als sexuell verfügbar, als eher für den Haushalt zuständig, oder als weniger technisch begabt zu zeigen ist schlichtweg Diskriminierung. Und Diskriminierung ist in einer gleichberechtigten Gesellschaft eben keine Frage des Geschmacks.

Redaktion

Jasmin Kröger
Spezialgebiet: Bieryoga, Cher und Milchalternativen

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