"Wir sind die Welle" begleitet fünf Freunde von der Außenseiterclique zur Jugendbewegung. (Quelle: Netflix)
"Wir sind die Welle" begleitet fünf Freunde von der Außenseiterclique zur Jugendbewegung. (Quelle: Netflix)

Wir sind die Welle | Breitbild

▷ Letzte Änderung: 2019-10-28
By Ron |

Ein Regime, wie den Nationalsozialismus, kann es heute nicht mehr geben. Eine klassische Aussage. Das Schulexperiment The Third Wave bewies schon 1967 das Gegenteil. Dieses Experiment ist Vorlage des Romans Die Welle von Morton Rhue, zuletzt 2008 mit Jürgen Vogel als diktatorischem Lehrers verfilmt. Mit Wir sind die Welle gibt es ab 1. November eine neue Version der Geschichte als Netflixserie. Die macht einiges anders, sagt FluxFM-Serienjunkie Ron Stoklas. Er hat sie vorab gesehen.



Gegen das System

Lehrerin: „Ich möchte ihnen einen neuen Mitschüler vorstellen. Das ist Tristan Broch. Wollen sie uns vielleicht ein bisschen über sich erzählen?“
Tristan: „Nö.“

Keine Null-Bock-Attitüde, sondern Tristans Einstellung. Eingestaubte Strukturen und Regeln sind nicht das Ding des Rebellen im St. Pauli Shirt und mit löchrigen Schuhen. Er setzt sich für Schwächere ein, darunter die Außenseiter Zazie, Rahim und Hagen. Für diese legt er sich mit Mobbern und Firmenbossen an.

Hagen: „Ihre scheiß Fabrik, die hat die ganze Gegend verseucht!“
Chef Papierfabrik: „Ihr jungen Leute, ihr lasst euch von grünen Stadträten und der hysterischen Presse aufhetzen. Ich finde eure Naivität einfach unerträglich!“
Tristan: „Weil sie die einzige Waffe ist, mit der man solche wie sie schlagen kann! Bloß nicht so naiv sein und denken, dass man irgendwas verändern kann. Damit solche Leute wie sie, weiter Kohle scheffeln können.“

Keine NS-Ideologie, sondern Jugendbewegung

Mit Lea, einem beliebten Mädchen, das aus ihrer scheinbar perfekten Welt ausbrechen will, sind die fünf Die Welle. Es geht aber nicht um die nationalsozialistische Ideologie als Schulprojekt, sondern um eine moderne Jugendbewegung. Ihre Ideen sind antikapitalistisch, umweltbewusst, antirassistisch. Auch wenn nicht alles rund läuft – Gruppendynamik und Eskalationspotential sind eben nicht kalkulierbar -, ist ihr Ziel klar:

Tristan: „Ich hab früher mit Leuten abgehangen. Die wollten den Kapitalismus abschaffen. Die haben sich nen möglichst unbesiegbaren Gegner gesucht, damit sie ne Ausrede für ihr scheitern haben. Wir fünf, wir werden nicht die Wale retten. Wir werden auch keine Menschenrechte in China einführen. Aber was wir machen können, ist etwas zu verändern. Und zwar hier und jetzt!“

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Botschaft an aktuelle Politikentwicklung

Aktuelle Politik ist auch ein Thema. Da ist die fiktive Partei „NfD“. Name, Logo, Sprache und Auftreten stehen 1-zu-1 für die sogenannten AfD. Beide sprechen von Politik für das deutsche Volk und vom „Aufräumen“ nach der Machtergreifung. Was diese Hassrethorik gesellschaftlich bewirkt, zeigt die Serie.

Tristan: „Habt ihr auch so’n Hunger?“
Rahim: „Ich zeig euch den besten Schawarmaladen!“
[Reifen quitschen und ein Auto fährt knapp an Rahim vorbei, weil Tristan ihr gerade noch rechtzeitig zur Seite ziehen kann]
Lasse: „Nächstes Mal kriegen wir dich Kanake!“
Tristan: „Hey, spinnt ihr! Alles okay?“
Hagen: „Die wollten dich um nieten!“
Rahim: „Haben sie aber nicht. Die Wichser lauern mir jeden morgen auf.“
Hagen: „Warum gehst du nicht zur Polizei oder sagst es den Lehrern?“
Rahim: „Polizei? Alter, die NfD breitet sich immer mehr aus in dieser scheiß Stadt. Was soll ich den alleine gegen diese scheiß Stadt voller Rassisten machen?“

Hinterfragen der eigenen Einstellung

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben und was sind wir bereit dafür zu tun? Diese Frage stellt Wir sind die Welle und orientiert sich dabei an unserer realen Welt mit Fridays for Future, Extinction Rebellion und rechtsextremen Gruppen und Parteien wie der AfD.

Alle Folgen der Serie Wir sind die Welle gibt’s ab dem 1. November bei Netflix zu streamen.

Redaktion

Ron Stoklas
Wortredaktion
Spezialgebiet: Videospiele, Serien, Nerdkram und die ganz anderen Baustellen
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