Wolfenstein® 2 (Screenshot)

Wolfenstein 2: The New Colossus | Daddeltipp

▷ Letzte Änderung: 2017-11-08
By Jakob |

#MakeAmericaNaziFreeAgain – mit diesem abgewandelten Trump-Wahlslogan wurde das Videospiel Wolfenstein II: The New Colossus beworben. Ein Aufreger für rechte Sympathisanten – und das nicht nur in den USA.

Seit wenigen Tagen ist das Spiel weltweit verfügbar. Auch in Deutschland, kann man in den Kampf gegen das Nazi-Regime ziehen. Zumindest fast. Wieso, erklärt Ron Stoklas. Er hat das Spiel für euch angezockt. Hier die Spiel-Kritik zum Test.

ACHTUNG: Im Beitrag werden Ereignisse erwähnt, die von manchen Spieler*innen als Spoiler verstanden werden können.

Den Beitrag von Ron Stoklas gibt es hier zum Nachhören:

Terror Billy gegen das Regime

Die USA in den 1960er-Jahren – statt Swinging Sixties, erlebt ihr eine Dystopie des Grauens: Die Alliierten haben den 2. Weltkrieg verloren, die Nazis haben das Land besetzt und New York mit einer Atombombe zerstört. Eure Rolle im Spiel ist die des Widerstandskämpfers William Blazkowicz. Die vom Regime unter dem Namen „Terror Billy“ gesuchte Figur, zieht ausgestattet mit einem wahnwitzigen Waffenarsenal aus Pistolen, Äxten oder Laserkanonen in den Kampf gegen Regimesoldaten, Cyborgs oder feuerspeiende Roboterhunde. Dabei ist Blazkowicz kein strahlender Held. Vom Kampf gezeichnet – physisch wie psychisch – hat er eine ganz persönliche Motivation: Er wird Vater und seine Kinder sollen nicht „in einer Regime verseuchten Scheiß-Welt“ aufwachsen.

Computerspiele als Kunst – nicht in Deutschland

Amerika von den Nazis befreien. Klar wird gemacht. Aber Moment: In der Deutschen Version ist nicht NS-Deutschland der Gegner, sondern lediglich das „Regime“. Auch Hakenkreuze gibt es nicht zu sehen. Der Grund dafür ist simpel.

„Verfassungswidrige Symbole darf ich nur unter sehr engen Grenzen öffentlich zeigen. Für die Kunst, die Wissenschaft, die Forschung und die Lehre. Da Computerspiele nicht einfach in diese vier Kategorien eingeordnet werden können, dürfen sie nicht gezeigt werden.“

erklärt Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer beim Deutschen Kulturrat.

Während sich Tarantino bei seiner Nazi-Meuchel-Orgie „Inglourious Basterds“ auf die Kunstfreiheit berufen konnte, geht dies für Computerspiele nicht. Für eine Änderung, müsste laut Zimmermann geklagt werden – am besten von Publisher-Seite. Weil der Prozessausgang dabei völlig offen wäre und Negativ-Presse drohen könnte, meiden viele diesen Weg.

Im Fall von Wolfenstein, schadet die Zensur dem Spiel nur bedingt. Zwar wurden Symbole und Ausdrücke teils angepasst, die tarantinoesque Gewalt- und Blutorgie bleibt aber erhalten – und damit auch die FSK 18-Einstufung. Dank diverser Anspielungen im Game ist trotzdem klar, wer der Gegner ist. Beispielsweise, wenn ihr in einem Café dem Gespräch zwischen einer Mutter und ihrem Sohn lauscht. Als diese wissen will, was er in der Schule gelernt hat, gibt dieser sein Wissen über den „Kanzler“ wieder – in der internationalen Fassung, hätte er über den „Führer“ gesprochen. Laut Peter, so der Name des Junge, sei der „Kanzler“ ein „großer Autor und Maler“.

Wolfenstein 2 – „ein antifaschistisches Spiel, das in Deutschland keines sein darf“

Während solche Anpassungen weniger drastisch sind, ist es schon deutlich fragwürdiger, dass die Hintergrundgeschichte der Hauptfigur verändert wurde. Während B.J. Blazkowicz in der internationalen Wolfenstein 2-Version durch seine polnische Mutter jüdische Wurzeln hat, wie es die Entwickler 2014 bestätigten, ist dies in der deutschen Fassung nicht der Fall. Dort ist er lediglich der Sohn polnischer Einwanderer.

Brisant ist diese Tatsache, weil sich so der im Spiel gezeigte familiäre Konflikt der Familie Blazkowicz anders darstellt. Während B.J.s Mutter in der Deutschen Version durch dessen rassistischen Vater als Verräterin bei den Besatzern gemeldet wird und anschließend in Gefangenschaft stirbt, spricht man in der englischen Version klar von einem nationalsozialistischen Vernichtungslager, in dem die Jüdin ums Leben kommt.

Deutliche Worte zu dieser Zensur fand Christian Schiffer. Der Herausgeber des „WASD – Bookazine für Gameskultur“ und BR-Journalist titelte in einem Beitrag folgendermaßen:

„Am Ende ist Wolfenstein 2: The New Colossus also vor allem ein antifaschistisches Spiel, das hierzulande aber nicht richtig antifaschistisch sein darf. Ein Spiel, das in Sachen Selbstzensur mindestens 18, ach was, 88 Meter über das Ziel hinausschießt und in dem nicht nur Hitlers Bärtchen wegretuschiert ist, sondern auch die Opfer der nationalsozialistischen Ideologie.“(Quelle)

Allerdings muss auch angemerkt werden, dass diese Änderung nicht grundlegend neu ist. Bereits im Vorgänger The New Order gab es ähnlich Abwandlungen in der Deutschen Version.

Laufen, schießen und Gefühle empfinden

Rein spielerisch, kann das Wolfenstein 2 allerdings überzeugen. Vor allem das verfeinerte Gameplay, die präzise Steuerung und die abwechslungsreiche Level gefallen. Dazu gibt es die Auswahl für den Schwierigkeitsgrad von „Easy“ bis „Alter, wie soll ich das schaffen?!“.

Wem das nicht reicht: Nachdem das Spiel einmalig durchgespielt wurde, wird der Schwierigkeitsgrad “Mein Leben!” freigeschaltet. In diesem habt ihr nur ein einziges Leben und keinerlei Möglichkeiten das Spiel zu speichern. Ihr müsst das Spiel also in einer Sitzung durchspielen.

Und auch wenn viel geballert wird: Im Mittelpunkt stehen die Figuren. Wolfenstein II erzählt eine emotionale Geschichte – bizarr, brutal, rührend und an vielen Stellen auch extrem witzig. Wenn ihr euch auf die Story von Wolfenstein II: The New Colossus einlasst, bekommt ihr einen der besten First-Person-Shooter des Jahres.

Spiel: Wolfenstein II: The New Colossus
Genre: First-Person Shooter
Release: 27.10.2017
Alterseinstufung: USK ab 18 Jahren
Plattformen: Nintendo Switch, PC, Konsole
Publisher: Bethesda Softworks
Entwickler: MachineGames
Preis: 59,99 Euro (PC, Release) | 69,99 Euro (Konsole, Release)

VERLOSUNG

Damit ihr passend ausgestattet seid, haben wir etwas vorbereitet. Wir verlosen ein Überraschungs-Merchandise-Paket zum Spiel. Wenn ihr es haben wollt, schickt uns eine Mail mit dem Betreff „Wolfenstein“ an win@fluxfm.de.
Einsendeschluss: 09. November 2017

AGB
Die Gewinner werden in der Regel 2 Tage vor der jeweiligen Veranstaltung per Mail verständigt mit der Bitte um Rückmeldung.
Eine Barauszahlung des Preises ist nicht möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Falls sich der Gewinner nicht innerhalb von 24h auf unsere Mail meldet (Achtung: auch gelegentlich Spam checken), behalten wir uns vor, den Gewinn an jemand anderen weiterzugeben.
Wir verlosen für all unsere Konzertpräsentationen Gästelistenplätze. Das heißt, dass es keine physischen Tickets gibt.
Du gewinnst immer 2 „Tickets“, d.h. du kannst noch jemanden mitbringen.
Falls bei einem Gewinnspiel eure Adresse benötigt wird, garantieren wir euch, dass diese ausschließlich für das jeweilige Gewinnspiel genutzt wird.
Sollte das Konzert / die Veranstaltung abgesagt werden, steht dir keine Entschädigung in jeglicher Form zu.

 

Cuphead Bild: Xbox Press Media Assets Library / Pressematerial

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