
Broken Social Scene - Remember The Humans (vorab & exklusiv) | Album der Woche
Wieder Mensch sein
04.05.2026 Micha Gehrig
Toronto ist zurück auf der Landkart. Während Metric gerade auch erst ein neues Album veröffentlicht haben, meldet sich jetzt auch das Mutterschiff des kanadischen Indie-Rocks nach fast einem Jahrzehnt Stille zurück. Remember The Humans ist nicht nur ein neues Album von Broken Social Scene, es ist ein analoges Manifest in einer digitalen Welt.
Man könnte fast meinen, wir hätten das Jahr 2005. Wer dieser Tage durch die Straßen von Toronto läuft, spürt diese elektrische Energie, die damals die ganze Welt infizierte. Die Szene ist so eng verwoben wie eh und je: Emily Haines von Metric war einst fester Teil des Kollektivs, und genau diese familiäre Verbundenheit bildet das Rückgrat von Remember The Humans.
Broken Social Scene - Remember The Humans
Rezension I
Nach fast zehn Jahren Funkstille ist die Band zurück – und mit ihr der Mann, der ihren legendären Breitwandsound einst erfand: Produzent David Newfeld. Es ist eine Reunion, die nicht auf dem Reißbrett entstand, sondern aus dem Leben selbst. Frontmann Kevin Drew und Newfeld fanden über eine tragische Gemeinsamkeit wieder zueinander: Beide verloren während der Entstehung der Platte ihre Mütter. Diese geteilte Trauer und die gleichzeitige Freude am Wiedersehen machen das Album zu einem hochemotionalen Erlebnis.
Der Titel Remember The Humans ist ein direkter Verweis auf ihr Meisterwerk You Forgot It In People von 2002. Damals war es eine Beobachtung, heute ist es ein Appell. In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz und perfekt optimierte Playlists den Ton angeben, zelebrieren Broken Social Scene bewusst das Unperfekte.
„Wir wollten uns in die Fehler hineinlehnen. [...] Der menschliche Geist lässt sich nicht in Einsen und Nullen pressen.“ Kevin Drew
Genau das hört man: In den Songs finden sich Studio-Gespräche, das Rascheln von Instrumenten und Arrangements, die so dicht und chaotisch sind, dass sie sich jeder KI-Logik entziehen. Es ist Musik, die atmet.
Musikalisch ist die Platte eine Tour de Force. Von den treibenden Bläsersätzen in der Ouvertüre „Not Around Anymore“ bis hin zu den hypnotischen Vocals von Lisa Lobsinger und Hannah Georgas – man spürt in jeder Sekunde, dass hier eine Gemeinschaft am Werk ist, keine reine Zweckgemeinschaft. Schön, dass das Kollektiv aus Kanada wieder da ist.
Hier könnt ihr unser Album der Woche als Vinyl-Version gewinnen:
Im Radio: 4. Mai - 10. Mai 2026
