Lykke Li - The Afterparty | Album der Woche
Album der Woche: "The Afterparty" von Lykke Li

Lykke Li - The Afterparty | Album der Woche

Der letzte Akt

10.05.2026 Micha Gehrig

Die schwedische Indie-Ikone Lykke Li meldet sich mit ihrem sechsten – und mutmaßlich letzten – Studioalbum zurück. Auf THE AFTERPARTY verabschiedet sie sich von romantischen Illusionen und liefert ein schonungsloses Kammerspiel über das Scheitern, den Schmerz und die Kunst, trotzdem irgendwie weiterzutanzen.

Lykke Li wühlt auf ihrer neuen Platte lieber im Dreck. Statt makelloser Selbstoptimierung gibt es hier die klebrigen Emotionen: Wut, Scham, Rachegelüste und das absolute Gefühl der Leere. Sie selbst bezeichnet den Vibe des Albums augenzwinkernd als „Ram Dass für Fuckboys“. Die Angst wird hier geradewegs auf die Tanzfläche verlagert.

Lykke Li - The Afterparty

Rezension I

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Wer bei diesen existenziellen Themen jetzt ein leises, tränenreiches Akustik-Set erwartet, liegt falsch – so pompös und orchestral klang der Pop der Schwedin vielleicht noch nie. Musikalisch ist THE AFTERPARTY so maximalistisch wie möglich: Ein 17-köpfiges Streichorchester und leuchtende Disco-Beats prallen auf tiefschwarze Texte. Auf dem Track "Lucky Again" verschmilzt sie sogar ein klassisches Streicher-Sample von Max Richter mit treibendem Pop und den von ihr sogenannten „apokalyptischen Bongos“

Als unerwartete Inspiration für dieses musikalische Chaos diente ihr ausgerechnet Wrestlemania. Das Spektakel, bei dem man blutig auf die Matte geschickt wird, nur um sich danach hartnäckig wieder aufzurappeln – für Lykke Li die perfekte Metapher für fast 20 Jahre im absurden Zirkus der Musikindustrie.

„Ich war total vom Wrestling besessen, weil ich glaube, dass es eine gute Metapher fürs Leben ist. Aber auch als Indie-Künstlerin, die seit 20 Jahren im Geschäft ist, ist es so, als würde man jeden Tag zu Boden geworfen und muss wieder aufstehen“

Während der Rest der Popwelt gerade extrem aufgeblähte Alben veröffentlicht, um die Streaming-Algorithmen abzumelken, serviert Lykke Li einen radikalen Gegenentwurf. Ihre Destillation der Traurigkeit kommt mit genau neun Tracks aus. 24 Minuten. Keine Füller. Inspiriert von der französischen Literatur-Nobelpreisträgerin Annie Ernaux ist auf dieser Platte nichts dem Zufall überlassen; jedes Wort ist wie mit dem Skalpell gesetzt

Lykke Li zieht kompromisslos den Stecker der ewigen Pop-Jugend. Sollte dies tatsächlich ihr letztes Album sein, wie sie kürzlich andeutete, dann ist es ein brillanter, kathar.tischer Abgang

Hier könnt ihr unser Album der Woche als Vinyl-Version gewinnen - sie hat die sogar für uns signiert:

Im Radio: 11. Mai - 17. Mai 2026