
The Army, The Navy | Album der Woche
Fake it till you make it
14.06.2026 Celina Riedl
Was in einem winzigen Studentenwohnheim in New Orleans begann, ist auf „Fake Brave“ zu einem fesselnden, mutigen Debüt herangewachsen. Das Duo The Army The Navy liefert mit seiner neuen Platte eine intime Umarmung im großen Soundgewand. Warum das Erstlingswerk von Sascha und Mai absolut hörenswert ist, erfahrt ihr hier.
Vom Schlafzimmer ins große Studio
Erste musikalische Erfolge feierten The Army The Navy noch aus dem eigenen Schlafzimmer heraus – mit zerbrechlichen Songs und einer riesigen Portion DIY-Charme. Für ihr neues Album wagen Sacha und Mai nun den Sprung aus der Komfortzone: Vom Studentenwohnheim in New Orleans ging es direkt in große, renome mierte Studios in Athens und New York.
Rezension I
The Army, The Navy - Fake Brave Life
An der Seite von Top-Produzenten wie Drew Vandenberg und Mikey Freedom Hart und mit der Unterstützung eines echten Streichquartetts ist der Sound des Duos spürbar gewaltiger und dichter geworden. Die intime Magie ihrer Anfangstage haben sie sich dennoch bewahrt.
„Unsere intime Magie wird immer da sein, da wir die Songs nach wie vor zusammen in unserem Zimmer schreiben. Alles ist viel gewaltiger, und das hört man auch direkt, aber wir haben uns zum Ziel gesetzt, voll und ganz hinter jedem einzelnen Song zu stehen. Wir wollten einfach keine Kompromisse eingehen.“ Sasha Goldberg von The Army, The Navy
Die „Bibel“ der Band
Die beiden Musikerinnen, die mittlerweile in einer WG in Los Angeles leben, schwören bei ihrem Songwriting-Prozess auf ein ganz besonderes Werkzeug: Ein dickes Notizbuch, das sie liebevoll und ehrfürchtig ihre „Bibel“ nennen.
Jeder Song auf dem Album hat hier seinen Ursprung. Aus anfangs chaotischen, hingekritzelten Gedanken, Akkordfolgen und Textfetzen entstehen nach und nach die fertigen Tracks. Doch aus diesen sehr privaten, fast schon geheimen Schlafzimmer-Gedanken ein Album zu machen, das von der Öffentlichkeit bewertet wird, kostet einiges an Überwindung.
„Der Aspekt, dass man seine sehr persönliche Musik mit der ganzen Welt teilt, sie der Kritik aussetzt und es den Leuten ermöglicht zu sagen: ‚Ich liebe es‘ oder ‚Ich hasse es‘, ist an sich schon extrem mutig. [...] Aber ich denke, dass es immer noch unsere besondere Sache bleibt, auch während wir sie mit dem Rest der Welt teilen – und das ist sehr stark.“ Maia Ciambriello von The Army, The Navy
Fake it till you make it
Genau aus dieser Verletzlichkeit zieht das Album seinen Titel: „Fake Brave Life“. Das Motto der Band lautet: So tun, als ob man mutig wäre, bis man das Selbstvertrauen irgendwann wirklich spürt.
Dieses Prinzip wenden die beiden auch live an. Sie geben offen zu, keine geborenen „Naturtalente“ auf der Bühne zu sein. Oft stehe sie am Anfang eines Konzerts zitternd auf der Bühne, gesteht Mai. Und Sascha ergänzt: „Erst nach der Hälfte des Sets kommt der Moment, in dem wir diesen Mut und diese Tapferkeit wirklich spüren und uns sagen: Okay, wir haben keine Angst mehr.“
„Fake Brave Life“ ist ein vielschichtiges, ehrliches und fantastisch produziertes Debüt voller Herzblut. The Army The Navy beweisen, dass Verletzlichkeit und große Pop-Produktionen sich nicht ausschließen müssen. Eine mutige Platte, die berührt – und völlig zu Recht unser Album der Woche!
Im Radio: 8. Juni - 14. Juni 2026